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Ostprignitz-Ruppin Freie Heide: Gebet und Protest gegen Atomwaffen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Freie Heide: Gebet und Protest gegen Atomwaffen
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17:22 12.08.2019
Dem Gebet schloss sich ein Protest gegen Atomwaffen an. Quelle: Verein Friedensscheune
Schweinrich

Das Friedensgebet am Sonntagnachmittag in Schweinrich stand ganz unter dem Zeichen der Mahnung und des Protests gegen die Nutzung von Atomwaffen. Zum Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor 74 Jahren hatten sich 30 Menschen in der Dorfkirche getroffen.

Der Kirchenkreis Wittstock-Ruppin, der Verein Friedensscheune aus Zempow und die örtliche Kirchengemeinde hatten dazu eingeladen. Bei den beiden Atombombenabwürfen waren 1945 über 100.000 Menschen sofort zu Tode gekommen, über 230.000 weitere starben in den Jahren darauf an den Spätfolgen. Das Friedensgebet war das mittlerweile vierte von insgesamt sechs geplanten.

Protestkundgebung vor der Mahnsäule in Schweinrich. Ulrike Laubenthal (r.) sprach über die Gefahren des gekündigten INF-Vertrages. Quelle: Verein Friedensscheune

Die Veranstaltung reiht sich ein in die Friedensgebete und Wanderungen, die anlässlich des 10. Jahrestags des Verzichts auf den Luft-Boden-Schießplatz Wittstock in der Kyritz-Ruppiner Heide stattfinden. „Hier haben wir unseren Frieden erkämpft. Was ist aber an all den anderen Orten, wo Krieg geübt und geführt wird?", fragte Pfarrer Nikolai Jünger in seiner Andacht.

Protest gegen Atomwaffen

Im Anschluss formierte sich der größte Teil der Teilnehmer zu einem Demonstrationszug, der zur Mahnsäule an der L15 führte. Dort folgten sowohl vorbereitete als auch spontane Redebeiträge. Zunächst wurde eine Botschaft des Arztes und Friedensaktivisten Ernst-Ludwig Iskenius verlesen, der sich bei den Internationalen Ärzten für die Verhütung eines Atomkrieges engagiert.

„Wir sind der atomaren Katastrophe so nahe wie seit 1959 nicht mehr, die Weltuntergangsuhr steht auf zwei Minuten vor zwölf", sagte darin Iskenius und warnte: „Wir Ärztinnen und Ärzte werden euch nicht helfen können, wenn es soweit kommt."

Ulrike Laubenthal vom Verein Friedensscheune erinnerte an den Washingtoner Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme (INF-Vertrag), mit dem sich 1987 die USA und die Sowjetunion auf den Abzug ihrer Mittelstreckenraketen geeinigt hatten.

Sie zitierte aus deren gemeinsamer Erklärung, man würde sich „auch künftig von der von ihnen feierlich verkündeten Überzeugung leiten lassen, dass ein Kernwaffenkrieg nie entfesselt werden darf und dass es in diesem Krieg keine Sieger geben kann."

Ullrich Christ brachte den Schriftzug wieder an der Mahnsäule an. Quelle: Verein Friedensscheune

Der Vertrag ist durch die Kündigung zunächst der USA, dann Russlands seit dem 2. August nicht mehr gültig. „Wir müssen verhindern, dass es zu einer weiteren atomaren Aufrüstung kommt", forderte Ulrike Laubenthal unter Beifall.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann berichtete von den neuen Nachrichten über den atomaren Unfall in Russland. Sie warnte, Atombomben seien nicht erst beim Einsatz im Kriegsfall verheerend, sondern auch ein Unfall mit diesen Bomben könne zu radioaktiver Verstrahlung führen.

Die Schweinricher Mahnsäule, ein aus Stahl nachgebauter Birkenstamm, der von einer Rakete durchbohrt wird, war in den letzten Tagen vom Vereinsmitglied Ullrich Christ restauriert worden. Zum Abschluss der Protestaktion wurde auf der neu gestrichenen Rakete der früher vorhandene Schriftzug wieder angebracht: „Rüstung tötet Mensch“.

Das nächste Friedensgebet findet am kommenden Sonntag, 18. August, ab 14 Uhr in der Kirche in Fretzdorf statt. Im Anschluss folgt wieder eine Wanderung in Richtung Heide.

Von MAZonline

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