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Ostprignitz-Ruppin Tempelgarten wird völlig umgekrempelt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Tempelgarten wird völlig umgekrempelt
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12:45 22.02.2018
Archäologen der Firma ABD-Dressler suchen um Untergrund nach Hinweise auf alte Wege und Anlage im Tempelgarten. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Wie genau die Wolfsschlucht einmal aussah? Brigitte Gehrke weiß es nicht. Sicher ist für die Planerin nur, dass der gesamte Neuruppiner Tempelgarten früher einmal völlig anders gewirkt hat. So wie er heute zu sehen ist, war die maurisch angehauchte Parkanlage ursprünglich nie gedacht. Auch die Wolfsschlucht, das kleine Tal direkt neben der Stadtmauer nicht.

Lange und intensiv hat sich Brigitte Gehrke mit dem Neuruppiner Tempelgarten befasst. Jetzt werden ihre Erkenntnisse endlich in die Tat umgesetzt. Seit dieser Woche lässt die Stadt Neuruppin die Parkanlage des Tempelgartens völlig umgestalten. Spätestens im Frühjahr 2017 soll er wieder in historischem Zustand glänzen – soweit das möglich ist.

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Mit einem symbolischen Spatenstich haben Tempelgarenverein, Sponsoren und Stadt die Sanierung der Gartenanlage am Dienstag gestartet Quelle: Reyk Grunow

Die Neugestaltung des Gartenareals ist der letzte Schritt. Seit den 90er Jahren ist Neuruppin dabei, den Tempelgarten nach und nach zu sanieren. Wenn alles geschafft ist, hat die Stadt rund 3,5 Millionen Euro in die einmalige Parkanlage gesteckt. „Alleine hätten wir als Stadt das nicht geschafft“, sagt Baudezernent Arne Krohn. 80 Prozent der Kosten haben Bund und Land aus dem Programm der Städtebauförderung zugeschossen. Und auch beim Rest gab es immer wieder Helfer, allen voran den Neuruppiner Tempelgartenverein.

Dem Verein ist es zu verdanken, dass die Gartengestaltung jetzt wirklich beginnen kann. Die ersten Planungen liegen schon mehr als zehn Jahre zurück. Immer wieder stand der Park im Stadthaushalt – und wurde immer wieder gestrichen, weil das Geld für andere Projekte dringender gebraucht wurde. 2015 wollte Vereinschef Peter Neiß schließlich nicht länger warten. Er hat der Stadt versprochen, zehn Prozent der Kosten für die gärtnerische Sanierung über den Tempelgartenverein aufzubringen.

Früher sah der Park ganz anders aus

Der Tempelgarten geht auf den „Amaltheagarten“ zurück, den Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ab 1732 für Kronprinz Friedrich außerhalb der Neuruppiner Stadtmauer angelegt hat.

Der kleine Park and er Präsidentenstraße wurde immer wieder erweitert und umgestaltet, zuletzt 1985. Jetzt soll er weitgehend in den Zustand zur Beginn des 20. Jahrhunderts zurückversetzt werden.

Unter anderem werden Wege neu angelegt oder verlegt, mehr als 50 Bäume neu gepflanzt und die Blumenbeete mit Stauden und Rosenbüschen neu bepflanzt.

Krohn nahm das Angebot an – auch wenn er skeptisch war, ob das wirklich zu schaffen ist. Der Tempelgartenverein hat es geschafft. Mit Hilfe vieler Sponsoren, von Firmen und private Spendern hat er in kürzester Zeit die versprochenen 55 000 Euro aufgebracht. Vize-Bürgermeister Arne Krohn war beim Baustart mit allen Unterstützern am Dienstag noch immer ein bisschen perplex: „Für mich ist das das beste Beispiel bürgerschaftlichen Engagements.“

Auch Vereinschef Peter Neiß ist beeindruckt und dankbar. Der Tempelgartenverein betreibt den Garten seit den 90er Jahren im Auftrag der Stadt. Die 55 000 Euro waren keine Lappalie. „Für uns als kleinen Kulturverein ist das eine große Summe“, sagt Neiß. Doch alles in allem hat der Verein über die Jahre noch viel mehr für den Park gespendet. Fast 100 000 Euro stecken inzwischen in Skulpturen und Bauwerken.

Wegen der Bauarbeiten bleibt ein teil der Tempelgartens vorerst für Besucher gesperrt. Quelle: Peter Geisler

Die sollen künftig wieder viel besser zur Geltung kommen als bisher, das ist eine der Aufgaben der Gartengestalter. Bevor sie richtig loslegen können, sind aber erst einmal die Archäologen gefragt. Sie sind gerade dabei, mit Grabungen an verschiedenen Stellen zu erkunden, wo einst Wege im Park lagen, wie breit sie waren und wie sie aufgebaut waren. Die Forscher müssen auch herausfinden, wie die Wolfsschlucht einmal aussah. Wahrscheinlich war sie viel tiefer als heute. Zwei Meter Erde müssen wohl wenigstens abgetragen werden, glaubt die Archäologin Diana Megel.

Von Reyk Grunow