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Ostprignitz-Ruppin Trikotagen im Akkord – 50 Jahre OTB
Lokales Ostprignitz-Ruppin Trikotagen im Akkord – 50 Jahre OTB
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12:36 27.02.2018
Der OTB am Wittstocker Stadtrand bleibt bis heute als riesiger Komplex in Erinnerung. Quelle: Christamaria Ruch
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Wittstock

Die Sonderausstellung „Vom Tuchmacherhandwerk zur industriellen Textilproduktion“ wird derzeit in den Kreismuseen Alte Bischofsburg vorbereitet. Diese Schau erinnert an die Gründung des Obertrikotagenbetriebes (OTB) „Ernst LückWittstock vor 50 Jahren. Die Ausstellung wird am Mittwoch, 14. März, um 18 Uhr eröffnet und kann bis 3. Juni besucht werden.

Die Tuchmacher prägten maßgeblich die Entwicklung der Dossestadt. Diese Gilde wurde dort erstmals im Jahre 1325 erwähnt und gehörte zu den vier bedeutenden und privilegierten Gewerken. Neben Schuhmachern, Weißbäckern und Tuchscherern genossen auch die Tuchmacher eine herausragende Stellung.

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Die Kettenstraße ist bis heute ein sichtbares Zeichen dafür. Der Straßenname geht auf die Tuchketten zurück, die einst über die gesamte Straßenbreite gespannt wurden. Gab es 1697 bis zu 110 Tuchmachermeister in der Stadt, wuchs die Anzahl bis 1870 auf gut 270 Meister. Bereits 1898 gab es nur noch zwei überlebende Tuchmacherfamilien: Paul und Wegener. Seit 2007 befindet sich der Sitz der Stadtverwaltung in der ehemaligen Paulschen Tuchfabrik.

Antje Zeiger und ihr Team haben die Schau vorbereitet. Quelle: Christamaria Ruch

Am 1. April 1968 wurde das OTB in Wittstock gegründet. Das OTB gehörte zu DDR-Zeiten mit weiteren 158 Textilbetrieben zum Kombinat Trikotagen und Strümpfe im ehemaligen Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz. Gut 2000 Mitarbeiter waren in Spitzenzeiten im Hauptwerk in Wittstock beschäftigt. Das OTB setzte die über Jahrhunderte prägende Textilproduktion fort.

„Insgesamt gab es gut 3000 Mitarbeiter einschließlich der Außenstellen des OTB“, sagt Zeiger. 1969 zogen auch Neuerungen in der Produktion ein. Kunstfaser konnte nun verarbeitet werden und aus der Tuchproduktion wurden vier Verarbeitungsstufen. Das Weben, Färben, Herstellen der Stoffe und die Konfektion setzten sich durch. Das Dreischichtsystem gehörte ab 1972 zum Alltag.

Antje Zeiger sprach mit 30 Zeitzeugen und lässt diese Berichte in die Ausstellung einfließen. Originale OTB-Objekte wie Trikotagen, Zuschnittscheren, Maschinen und viele Fotos werden ausgestellt. „1987/1988 kamen gut 230 Vietnamesen als Gastarbeiter in das OTB und diese Mitarbeiter zeichneten sich durch hohe Genauigkeit und sehr gute Verarbeitung der Stoffe aus“, sagt Antje Zeiger. Auch wenn es keine wissenschaftlichen Untersuchungen und Belege für die Qualitätsunterschiede gibt, liegen die Asiaten bei diesen filigranen Arbeiten weit vorn.

Ausstellungseröffnung ist am 14. März

In der politischen Wendezeit 1989 zeichnete sich ab, dass die Produktion der Kunstfaser mit zu hohem Personalaufwand verbunden war. Somit konnte der Betrieb sich nicht mehr am Markt behaupten. Im Oktober 1992 folgte die Gesamtvollstreckung des OTB. Damit ging die Textilproduktion in Wittstock nach 667 Jahren zu Ende.

Das OTB ist bis heute in einer Langzeitdokumentation mit sieben Filmen festgehalten und verewigt. Volker Koepp begann 1974 mit den Dreharbeiten. Die ersten fünf Teile entstanden bis 1984 und schildern das Leben im Berufsalltag und in der Freizeit. Doch Anfang der 1990er Jahre stehen Edith, Elsbeth und Renate vor der Kündigung. Auch diesen Weg hielt Volker Koepp in zwei weiteren Dokumentarfilmen fest. Am Donnerstag, 22. März, ist Volker Koepp zu Gast in den Kreismuseen Alte Bischofsburg. „Es werden Ausschnitte aus dem Film gezeigt und die Besucher sind zum Gespräch eingeladen“, sagt Antje Zeiger.

Von Christamaria Ruch