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Ostprignitz-Ruppin Verhandlungen mit Windradplanern
Lokales Ostprignitz-Ruppin Verhandlungen mit Windradplanern
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00:19 07.08.2017
Viele Windräder gibt es bereits in der Region. Nun sollen sie auch in Flecken Zechlin stehen. Quelle: Celina Aniol
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Rheinsberg

Bisher schien es in Rheinsberg einen Konsens zum Thema Windkraft zu geben: Die Kommune, auf deren Boden noch kein Windrad steht, wollte um jeden Preis verhindern, dass auch nur eine der Anlagen auf ihrem Gebiet gebaut wird. Kein Stadtvertreter hat sich öffentlich auf die Seite der Windindustrie geschlagen oder die Interessen der Landeigentümer vertreten, auf deren Grundstücken die stromerzeugenden Anlagen stehen sollten. Jetzt kippt die Stimmung.

So schlugen gleich zwei Fraktionschefs in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung vor, dass die Stadt jetzt doch mit den Windradplanern Gespräche führen soll, anstatt nur ihre Pläne abzulehnen. Die Gründe dafür fielen allerdings unterschiedlich aus.

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So findet Sven Alisch von der SPD, dass die Stadtvertreter bislang zu einseitig kontra Windindustrie debattiert haben. Er will deshalb, dass sich die Kommune noch einmal genauer die Argumente der Gegner, aber eben auch der Befürworter der Windkraftanlagen anhört, und erst dann abwägt, welches Szenario ihr für die Entwicklung der Region am ertragreichsten erscheint.

Frank-Rudi Schwochow von der Fraktion BVB/Freie Wähler/FDP plädierte sogar direkt für Verhandlungen mit den Windkraftplanern – allerdings nur, „um das Schlimmste zu verhindern“. Schwochow will mit dieser Offensive erreichen, dass bei Flecken Zechlin demnächst weniger Anlagen als geplant aufgestellt werden. „Vielleicht können wir so die Zahl von 20 auf zehn reduzieren.“ Er meint damit den aktuellen Antrag von Windplanern, die zwischen Dorf Zechlin, Flecken Zechlin und Alt Lutterow einige Windräder errichten wollen. Die Gemeinde muss in den nächsten Wochen eine Stellungnahme dazu abgeben. Rechtlich fundierte Argumente, die gegen die im Baurecht privilegierten Bauten sprechen, gibt es aber nach Ansicht der Stadt kaum (die MAZ berichtete).

Dass Windräder Gesundheitsschäden hervorrufen, sei mittlerweile bekannt, sagte CDU-Frau Lysann Gutenmorgen, die sich strikt gegen Gespräche mit der Windkraftindustrie aussprach. „Ich finde es schockierend, dass man so etwas in Kauf nehmen würde.“ Es sei zudem ein Trugschluss, dass durch den Betrieb der Anlagen Millionen in die Stadtkasse kommen, betonte ihr Parteikollege Björn Plazikowski. „Wir können sitzen und sagen: Wir waren immer dagegen“, entgegnete Schwochow. Die Kommune könne auch versuchen, den Bau der Windräder hinauszuzögern. „Wenn wir uns aber der Debatte verschließen, sind wir am Ende die Dummen.“ Denn dann würden die Windplaner ihre Vorstellungen einfach durchsetzen. Nur das Gespräch mit ihnen könnte dazu führen, dass auch die Interessen der Kommune in die Pläne einfließen.

Am Ende einigten sich die Stadtvertreter darauf, eine Sondersitzung dazu abzuhalten, wenn der Stadt konkrete Pläne für das Gebiet bei Flecken Zechlin vorliegen. Alisch und Schwochow regten an, dass dann visualisiert werden soll, wie die Windräder in der Landschaft aussehen und welche Sichtachsen sie beeinträchtigen.

Von Celina Aniol