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Ostprignitz-Ruppin Verletzter Jung-Falke wird freigelassen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Verletzter Jung-Falke wird freigelassen
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10:39 15.08.2014
Vor der Entlassung: der Turmfalke in seiner Transportbox. Quelle: Matthias Anke
Kyitz

Attacke! Ahoi! Der Falke ist frei! Dieser Schlachtruf hallte am Donnerstag über den Busbetriebshof an der Perleberger Straße in Kyritz. Auf der angrenzenden Freifläche hatten Dutzende Kinder der Kita „Kunterbunt“ soeben ihren Turmfalken wieder in die Wildnis entlassen. Der Vogel war im Juni aus seinem Nest gefallen und landete auf dem Boden ihres Spielplatzes. „Beim Tierarzt stellte sich dann heraus, dass er sich dabei ein Bein brach“, berichtet Erzieherin Nicole Rosenfeld.

Vom Tierarzt Volker Steffen in Kyritz aus ging die Reise weiter nach Pritzwalk zu Heinz Kloß, mit dem er eine Gemeinschaftspraxis führt, und anschließend zur Wildtierauffangstation. Uwe und Angie Löblich betrieben sie seit 2008 in Könkendorf bei Pritzwalk und seit vorigem Jahr nun in Struck, einem Gemeindeteil von Gerdshagen bei Meyenburg. Ihr 2011 gegründeter, gemeinnütziger Verein Wildtierhilfe Prignitz finanziert sich ausschließlich über Spenden für Volieren, Käfige und Unmengen an Futter, um damit Not leidenden Wilddtieren zu helfen. „Wir haben derzeit zwei Störche bei uns, die verputzen am Tag fast 40 Kücken“, informiert Angie Löblich. Auch ein Wespenbussard will sein tägliches Fressen haben.

Insgesamt werden in Struck derzeit 63 Tiere versorgt, darunter viele Rauch- und Mehlschwalben. Dazu kommen dann Schwäne, Igel, Wildgänse. Der Wildtierhilfe Prignitz werden sie aus ganz Nordostdeutschland gebracht. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es eine solche Auffangstation schließlich nicht. Gefunden wird die Station zumeist über das Internet, aber auch Tierärzte sind informiert.

Zwei- bis sechsjährige Kinder der Kita „Kunterbunt“, bei der gestern zudem Piraten-Sommerfest war, verfolgten das Spektakel. Quelle: Matthias Anke

Derzeit kommen täglich neue Tiere, vor allem Vögel. „Im Sommer, wenn die Jungvögel fliegen gelernt haben, aber auch, wenn der Vogelzug ansteht, ist eine Menge Bewegung in der Tierwelt, und da passiert dann auch hin und wieder etwas mehr als sonst“, sagt Angie Löblich. Und nahezu ebenso täglich werden andere, zwischenzeitlich aufgepäppelte Gäste wieder ausgewildert, in diesen Hochsommertagen zumindest jede Woche. Dabei arbeiten Löblichs etwa mit der Unteren Naturschutzbehörde, dem Landesumweltamt in Potsdam und den Jagdbehörden zusammen.

Doch nicht immer können kranke oder verletzte Tiere gerettet werden. Ein besonders tragischer Fall ist dem Paar Löblich, noch gut in Erinnerung: Voriges Jahr fand ein Forstarbeiter in der Gemarkung Dahlhausen bei Horst einen offensichtlich mit Blei vergifteten Seeadler. Obwohl der seltene Vogel umgehend in die Universitätstierklinik nach Berlin-Düppel gebracht wurde, starb er. Der Seeadler hatte Wild oder sogenannten Aufbruch gefressen und dabei Bleigeschosse verschluckt, die ihn langsam vergifteten.

Auf in die Freiheit: In der Auffangstation mussten sich die Tiere ihre Beute selbst krallen. Damit finden sie sich nun auch in der Natur zurecht. Quelle: Matthias Anke

Dass schnelle Hilfe Tierleben in der Regel aber rettet, wissen die Kyritzer Kinder jetzt bestens. „Es ist schön, wenn gerade Kinder das mal miterleben können. Dann entwickeln sie ein Bewusstsein dafür, wie wichtig das ist“, sagt Uwe Löblich, der einst als Zootierpfleger arbeitete. Die Knirpse beschäftigten sich auch ausgiebig mit der Art. Sie verfielen laut ihrer Erzieher in ein regelrechtes Falkenfieber.

Der rotbraun gefiederte Turmfalke, 2007 in Deutschland „Vogel des Jahres“, hat als Männchen einen grauen Kopf und als Weibchen nicht. Dieser Unterschied ließ sich am Donnerstag feststellen. Schließlich brachten Löblichs nicht nur den Kyritzer Turmfalken zur Auswilderungsaktion mit, sondern gleich noch zwei andere. Einer von ihnen wurde in Freyenstein auf einem Fußweg kauernd entdeckt und wiederum über einen Tierarzt zur Auffangstation gebracht. Der andere, ebenso von diesem Jahr stammende Jungvogel, lag zu Füßen der Wittstocker Kirche Sankt Marien. Der Hausmeister hatte ihn gefunden.
Kontakt: Tiere suchen sich den Tag und die Uhrzeit nicht aus, zu der sie Hilfe brauchen. Deshalb ist die Wildtierhilfe Prignitz von Montag bis Sonntag rund um die Uhr erreichbar unter Tel. 0162/6 02 67 61 . Weitere Infos gibt es im Internet unter www.wildtierauffangstation.homepage.eu 

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