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Ostprignitz-Ruppin Corona: Jeder Feuerwehreinsatz birgt eine zusätzliche Gefahr
Lokales Ostprignitz-Ruppin Corona: Jeder Feuerwehreinsatz birgt eine zusätzliche Gefahr
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08:15 07.04.2020
Die Feuerwehr Neuruppin im Waldbrandeinsatz – hier bei einem Brand an der ehemaligen Muna Wulkow.
Die Feuerwehr Neuruppin im Waldbrandeinsatz – hier bei einem Brand an der ehemaligen Muna Wulkow. Quelle: Peter Geisler (Archivfoto)
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Neuruppin

Die Waldbrand-Warnstufen pendeln hin und her. So in etwa wie das typische Aprilwetter. Vor etwa einer Woche stufte das Land die Gefahr von Waldbränden in Ostprignitz-Ruppin als „mittelwahrscheinlich“ ein. Dann kam Entwarnung: Sehr geringe Gefahr sagten die Experten Mitte der vergangenen Woche voraus.

Nun gilt wieder die Warnstufe vier, die hohe Gefahr bedeutet. Die Lage ist also durchwachsen. Und das hat tatsächlich mit dem Wetter zu tun.

Regnet es, sinkt das unmittelbare Risiko, dass ein Waldstück in Flammen aufgeht. Bleibt es trocken, steigt dieses aber unheimlich schnell, sagt Annett Engelmann. Die Leiterin der Oberförsterei Neuruppin warnt davor, die Gefahrenlage zu unterschätzen.

Der Waldboden ist immer noch trocken

Denn der Boden im Wald ist selbst nach einem Regenfall in tieferen Schichten immer noch trocken. Das liegt an der Dürre der vergangenen Jahre. „Und auch jetzt hatten wir keinen niederschlagsreichen Winter“, so Engelmann. „Die Feuchte im Boden ist immer noch nicht aufgefüllt.“

Annett Engelmann, Leiterin der Oberförsterei Neuruppin Quelle: Annika Jensen

Es sei nicht so, dass man sich im Moment große Sorgen machen müsse, sagt auch Ralf Leppin. Der stellvertretende Kreisbrandmeister empfiehlt aber, die Waldbrandgefahr nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Eben wegen der vorangegangenen Trockenheit. Aber auch wegen Corona.

Treffen der Feuerwehrleute gestrichen

Denn jeder Einsatz könnte der Quell für eine Ansteckungskette mit dem Virus in den Reihen der Rettungskräfte sein. Und in der Folge zu einem Ausfall der Einsatzkräfte führen. Genauso wie jedes andere Treffen der Brandschützer.

Der Kreisfeuerwehrverband hat den Wehren in Ostprignitz-Ruppin deshalb empfohlen, jegliche Treffen auf ein absolutes Minimum runterzufahren. Er selbst hat alle zentralen Lehrgänge für die rund 1800 aktiven Feuerwehrleute in der Region für die nächsten Wochen ausgesetzt.

Der stellvertretende Kreisbrandmeister von Ostprignitz-Ruppin, Ralf Leppin. Quelle: Andreas Vogel

Nun hat der Verband auch noch sowohl den Leistungsnachweis Brandbekämpfung im Juni als auch das große Zeltlager der Jugendfeuerwehr Ende Juli gestrichen. Auch bei den Osterfeuern gibt es ein klaren Wunsch des Verbands: Sie sollen in diesem Jahr nicht stattfinden. „Das wäre ein zusätzliches Risiko“, sagt Leppin. Für die Natur und für die Menschen.

Auf einen eventuellen Waldbrand selbst sind die Wehren gut vorbereitet, urteilt der Vize-Chef der Kreisfeuerwehr. Aber auch nicht besser als in den vergangenen Jahren.

Neue Fahrzeuge noch nicht da

Der Landkreis rüstet zwar nach, als Reaktion auf die verheerenden Feuer in den Forsten der Mark der beiden vergangenen Jahre. Aber die beiden versprochenen Fahrzeuge – ein Logistik- und ein Dienstwagen für den stellvertretenden Kreisbrandmeister – seien noch nicht da, so Leppin.

2018 mussten die Feuerwehren aus dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin bei großen Bränden im Sünden Brandenburgs helfen. Quelle: Peter Geisler

Auch auf spezielle Hochleistungspumpen, die Löschwasser über lange Wegstrecken mit großen Druck befördern, müssen die Brandschützer verzichten. Und zwar auf unabsehbare Zeit.

Zwar habe das Land welche beschafft. Das Ruppiner Land sei damit aber nicht ausgestattet worden. Bei großen Einsätzen werde aber das Technische Hilfswerk vor Ort die Feuerwehr unterstützen, Wasser über längere Entfernungen zu befördern, so Leppin.

Hilfe sei auch mit dem Rettungsdienst vereinbart. Diese bezieht sich auf eventuelle Einsätze, bei denen es zu Kontakten mit Coronainfizierten kommen sollte. In einem solchen Fall werde der Rettungsdienst die Feuerwehrleute mit Atemmasken und anderer notwendiger Schutzkleidung ausstatten.

Je weniger Feuer, umso besser

Annett Engelmann ist jedenfalls nicht böse, dass die Osterfeuer in diesem Jahr ausfallen. „Jedes Feuer in Waldnähe weniger ist aus Sicht der Förster gut.“

Und die Waldwege vielerorts immer noch nicht so, dass man gut zu einem Feuer mitten in einem Waldstück kommen könnte. Zudem fehlen noch oft weiter Brandschutzstreifen.

Das Problem ist, dass dafür die privaten Waldeigentümer, darunter auch Kommunen, selbst sorgen müssen. Und den Umbau auch bezahlen müssen.

Förderung für Waldwege ist da, wird aber selten genutzt

Zwar fördert das Land nach den großen Waldbränden solche Projekte. „Die Achillesferse ist: Die Waldbesitzer müssen diese Vorhaben vorfinanzieren.“ Und das können sich die meisten nicht leisten.

Im Fall der Fälle würden die Mitarbeiter der Landesforst aber Flammen schon aus der Ferne erkennen. Denn das Gebiet von Prignitz und Ostprignitz-Ruppin wird von einem Kamerasystem zur Früherkennung von Rauchentwicklung beobachtet. Bricht Feuer aus, wird das von einem der drei Waldarbeiter in der Zentrale in Karnzow bei Kyritz gleich an die Leitstelle der Feuerwehr weitergegeben. Zumindest noch in diesem Jahr.

Blick in die modernisierte Waldbrandzentrale Süd am Standort Wünsdorf, die im März eröffnet wurde. Quelle: Landesbetrieb Forst Brandenburg

2021 soll eine neue Waldbrandzentrale in Eberswalde den Norden Brandenburgs überwachen. Spezielle Sensoren werden die dann dort stationierten Mitarbeiter der Landesforst über Rauchwolkenentwicklung in Kenntnis setzen.

Im März ist bereits die erste der zwei Hauptstandorte des neuen Kontrollsystems in Wünsdorf an den Start gegangen. Das Land hat dafür rund 4,2 Millionen Euro ausgegeben.

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Von Celina Aniol