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Ostprignitz-Ruppin Mitarbeiter wollen endlich einen Tarifvertrag
Lokales Ostprignitz-Ruppin Mitarbeiter wollen endlich einen Tarifvertrag
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02:19 13.04.2018
Rund 40 Mitarbeiter beteiligten sich gestern am Warnstreik vor der Fehrbelliner Kakaofabrik Fehrbellin.
Rund 40 Mitarbeiter beteiligten sich gestern am Warnstreik vor der Fehrbelliner Kakaofabrik Fehrbellin. Quelle: Peter Geisler
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Fehrbellin

Mit einem zweistündigen Warnstreik haben am Dienstag Mittag rund 40 der etwa 100 Beschäftigten der Kakaofabrik Fehrbellin ihre Forderung nach Aufnahme von Tarifverhandlungen bekräftigt. „Wir wollen für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen sorgen“, sagte Olaf Klenke von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten.

Gewerkschaft: Es wird nach Nase bezahlt

Demnach hat die Geschäftsführung bisher nicht auf den Wunsch nach Tarifverhandlungen reagiert. „Es wird nach Nase bezahlt, einen Tarifvertrag gibt es nicht“, so Klenke. Deshalb gebe es teilweise auch sehr unterschiedliche Löhne für die gleiche Arbeit. Mit einem Tarifvertrag könnte das ausgeschlossen werden.

Außerdem will die Gewerkschaft, dass die Löhne bei Tulip Cocoa FB, so heißt die Kakaofabrik offiziell, endlich an den Tarifvertrag Süßware/Ost angeglichen wird. Derzeit erhalten die Beschäftigten in Fehrbellin laut der Gewerkschaft bis zu 20 Prozent weniger als die Mitarbeiter in anderen Süßwarenbetrieben im Osten Deutschlands wie etwa Bahlsen oder Storck. „Wir wollen nicht nur schindern, sondern auch vernünftig bezahlt werden“, sagte ein Mitarbeiter, der seit 15 Jahren in der Kakaofabrik arbeitet. Das „Schlimmste“ sei, dass man durch das Schichtsystem nur einmal im Monat ein richtiges Wochenende habe. „Es wird immer suggeriert, dass wir eine Familie sind. Aber geht man so mit seiner Familie um?“, fragte der Mann, der wie die anderen mit einer gelben Streikweste vor dem Betriebstor stand.

Geschäftsführung verweist auf „schwierige Situation“

An einem Tarifvertrag scheint die Geschäftsführung von Tulip Cocoa derzeit nicht interessiert zu sein. Sie teilte der Gewerkschaft lediglich mit, dass sie sich „zu gegebener Zeit“ mit der Gewerkschaft in Verbindung setzen werde. Doch weder im vergangenen noch in diesem Jahr sei bisher etwas passiert, sagte Gewerkschafter Klenke. „Wir wollen mit dem Warnstreik ein Zeichen setzen, damit endlich Tarifverhandlungen aufgenommen werden.“

Indes appellierte Anne Berges, die Geschäftsführerin der Fehrbelliner Kakaofabrik, an die Beschäftigten, sich noch zu gedulden. Schließlich befinde sich das Unternehmen gerade mal ein Jahr nach seiner zweiten Insolvenz. „Wir befinden uns in einer schwierigen Situation und sind gerade dabei, wettbewerbsfähig zu werden.“

Unternehmen mit bewegter Geschichte

In der Tat hat die Kakaofabrik eine bewegte Geschichte. Zwar gilt das Unternehmen, in dem Bohnen von Kakao-Plantagen aus Westafrika, Ecuador, Jamaika und Indonesien geröstet, geschält und über drei Mahlstufen zu Kakaobutter sowie Kakaomasse verarbeitet werden, seit seiner Eröffnung im Jahr 1998 als Vorzeigebeispiel. Doch hatte der Betrieb, der seinerzeit „Rhinmühle“ hieß, drei Jahre später das erste Mal Insolvenz anmelden müssen. Eine extra gegründete Tochter der Transmar Commodity Group aus San Diego (USA) übernahm. Sie ging im Dezember 2016 in die Insolvenz, drei Monate später übernahm die Ecom-Gruppe, die ihren Stammsitz in der Schweiz hat. Geblieben ist, dass die Mitarbeiter trotz aller Wechsel immer noch keinen Tarifvertrag haben.

Warnstreik bei der Kakaofabrik Fehrbellin Quelle: Peter Geisler

Von Andreas Vogel

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