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Ostprignitz-Ruppin Sorge vor Waldbränden in Ostprignitz-Ruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Sorge vor Waldbränden in Ostprignitz-Ruppin
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00:25 08.06.2019
Mehrfach schon brannte der Wald in Brandenburg in diesem Jahr, wie hier bei Oranienburg. Die Feuerwehrleute aus Ostprignitz-Ruppin fürchten, dass es bald in einem der zahlreichen Wälder des Landkreises heftige Flammen geben könnte. Quelle: Julian Stähle
Neuruppin

Es war Glück im Unglück. Denn den Brand im Wald bei Hakenberg konnten die Linumer Feuerwehrleute in dieser Woche löschen, bevor die Flammen sich wirklich ausbreiten konnten. Nur 75 Quadratmeter brannten ab. „Dass es nicht zum Großbrand kam, verdanken wir Menschen, die das Feuer schnell gemeldet haben“, sagt der Fehrbelliner Gemeindewehrführer Cornelius Voyé.

Von der Autobahn aus entdeckten Vorbeifahrende eine Rauchwolke, die aus dem Wald stieg. Sie riefen gleich die Leitstelle an. Die Brandschützer konnten das Waldbodenfeuer kurz darauf löschen. Auch weil es zu dem Zeitpunkt nahezu windstill war. Erst eine Stunde später erreichten Windböen die Stelle im Wald, die den Feuerwehrleute laut Voyé ziemlich sicher Probleme bereitet hätten.

Stochern, damit Wasser in den Waldboden eindringt

Ganz einfach verlief die Aktion dennoch nicht. Damit das Wasser in den derzeit extrem trockenen Waldboden eindringen kann, musste die Wehr in den Untergrund richtig einstochern und sehr intensiv nässen. Trotzdem sei das Wasser nur zwei Zentimeter tief vorgedrungen. Bei normalen Niederschlägen wären es zehn Zentimeter, sagt Voyé.

Fehrbelliner Gemeindewehrführer Cornelius Voyé Quelle: Peter Geisler

Dass Feuer in den Forsten im Moment deshalb nur oberflächlich gelöscht werden können, sei insgesamt ein großes Problem, urteilt der Wehrführer. „In hohlen Wurzeln können so ruck, zuck wieder Flammen entstehen.“ Genau damit haben jetzt und hatten im vergangenen Jahr die Feuerwehrtruppen in ganz Brandenburg zu kämpfen.

Auch Fred Kuball sieht die Lage kritisch. „Wir haben Waldbrandstufe fünf, also sehr hohe Gefahr. Es kann jederzeit zu einem Waldbrand kommen“, sagt der Rheinsberger Stadtbrandmeister, der auch an der Spitze des ersten Waldbrandverbands des Landkreises Ostprignitz-Ruppin steht. Dieser ist für das Gebiet im Altkreis Neuruppin zuständig. Der zweite Verband kümmert sich um Areale im Bereich Kyritz-Wittstock. „Wir sind in höchster Alarmbereitschaft“, sagt Kuball.

Tanklöschfahrzeuge fehlen in Rheinsberg

Und aus seiner Sicht nicht überall gut auf einen großen Brand im Wald vorbereitet. So fehlen alleine in Rheinsberg im Vergleich zu früher zwei Tanklöschfahrzeuge. Hoffnung, die zwei vorhandenen um weitere Wagen zu ergänzen, gebe es kaum. Zwar habe Potsdam wegen der heftigen Waldbrände im vergangenen Jahr eine neue Fördergeld-Richtlinie herausgegeben laut der das Land bei Anschaffung neuer Wagen mit 50 Prozent einspringt.

Rheinsberger Stadtbrandmeister Fred Kuball Quelle: Peter Geisler

Das Problem: Die betroffenen Kommunen müssen die andere Hälfte aus eigener Kasse berappen. „Wenn sie das Geld aber nicht haben, können sie es sich auch nicht aus den Rippen schneiden“, sagt Kuball. Diese Situation gibt es derzeit in Rheinsberg, aber auch in anderen Gemeinden, die finanziell nicht gut aufgestellt sind.

In Fehrbellin ist die Lage anders, dort gebe es genug Tanklöschautos, sagt Voyé. Erst 2017 und in diesem Jahr habe die Gemeinde sogar aufgestockt: Die älteren Fahrzeuge in Linum und Fehrbellin mit einem geringeren Fassungsvermögen wurden durch 4000-Liter-Wagen ersetzt. Daneben gibt es noch weitere Wagen.

„Wir sind für den Grundschutz ausreichend ausgerüstet“, so der Fehrbelliner Wehrführer. Bei größeren Bränden hofft er auf das Feuerwehrnetz im Landkreis. Nur personell könnte es eng werden. „Wenn am Tage etwas passiert, dann wird es schwierig, alle Fahrzeuge zu besetzen.“

Zu wenige Zisternen am Truppenübungsplatz

Kuball hingegen sorgt sich auch sonst mehr um die Randbedingungen. So gebe es in Rheinsberg neben den Fahrzeugen auch bei den Löschwasserbrunnen Defizite. Diese arbeite die Kommune zwar nach und nach auf. Im Moment aber könnte es in bestimmten Rheinsberger Regionen noch zu Engpässen bei der Wasserversorgung kommen.

Und auch die Zisternen, die am Rand des ehemaligen Truppenübungsplatzes aufgestellt sind, würden laut Kuball kaum reichen, wenn es in der Kyritz-Ruppiner-Heide heftiger brennen würde. „Wenn sich das Feuer wie jetzt in Jüterborg auf 600 Hektar ausdehnt, dann haben wir keine Chance.“

Neue Fahrzeuge erst 2020

Das sieht Kreisbrandmeister Wolfgang Hohenwald ähnlich. Es sei aber etwas anderes, ob die Heide oder Wald brenne, so der oberste Feuerwehrchef in Ostprignitz-Ruppin. Gleichwohl sieht Hohenwald den Landkreis aufgrund der Hitze und der Trockenheit „besonders gefährdet“ – wegen der vielen Nadelbäume, die leicht Feuer fangen.

Durch die geänderte Förderrichtlinie dürfen sich laut Hohenwald nun auch die Feuerwehren im Amt Temnitz darauf hoffen, dass sich das Land beim Anschaffen von neuen Fahrzeugen und Technik an den Kosten beteiligt. Diese Förderung war bislang den sogenannten Stützpunktwehren vorbehalten. Geld gibt es nun auch, wenn sich Wehren von Städten, Ämtern und Gemeinden zusammenschließen und gemeinsam einen Zuschuss beantragen, so Hohenwald.

Neue Feuerwehrfahrzeuge werden aber wohl erst im nächsten Jahr geliefert werden können. „Die Herstellung dauert pro Auto ein knappes Jahr“, sagte Hohenwald.

Von Celina Aniol und Andreas Vogel

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