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Ostprignitz-Ruppin Wenn eine Tür zum Hindernis wird
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wenn eine Tür zum Hindernis wird
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15:33 30.12.2016
Die Feuerwehr hat viele Aufgaben, ist auch nach Verkehrsunfällen zur Stelle. Quelle: Feuerwehr Wittstock
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Wittstock

Manchmal ist jemand gestürzt und liegt verletzt am Boden, manchmal geht es um Suizid, und mitunter sind sogar Hilferufe zu hören: Wenn die Wittstocker Feuerwehr anrückt, um verschlossene Haustüren zu öffnen, wissen die Helfer nie, was sie dahinter erwartet. Aber erlebt haben sie schon einiges, bestätigt Wehrführer Sven Scheer: „Manchmal machen sich die Nachbarn auch einfach Sorgen, weil sie den betreffenden Bewohner mehrere Tage lang nicht gesehen haben.“ Was auch immer die Wehr auf den Plan ruft – 2016 gab es solche Fälle häufig. 22-mal mussten die Helfer deshalb anrücken. Zum Vergleich: Insgesamt gab es 2016 rund 180 Einsätze, davon ging es in 50 Fällen um Brände, ansonsten um Hilfeleistung, 23 davon nach Naturereignissen wie etwa Stürmen.

Zahl wird künftig wohl noch steigen

Doch während Naturereignisse niemand voraussehen kann, wagt Sven Scheer eine Prognose, wenn es um Türnotöffnungen geht. „Sie werden künftig wohl noch zunehmen, ebenso wie vom Rettungsdienst angeforderte Tragehilfen.“ Früher übliche Lebensgemeinschaften mit drei Generationen unter einem Dach würden immer seltener. Heute lebten Menschen häufig allein. Wenn der Partner verstorben ist und Kinder entweder nicht vorhanden sind oder weit entfernt wohnen, könne es immer öfter passieren, dass im Notfall niemand da ist, der Hilfe holen kann. Hinzu komme, dass sich Nachbarn oftmals nicht füreinander interessieren. So könne es passieren, dass viel Zeit vergeht, bis jemand eingreift. Laut Scheer wurden dann zehn bis zwölf Retter alarmiert, von denen aber nur so viele zum Einsatzort fahren, wie für eine Fahrzeugbesatzung nötig sind – durchschnittlich fünf. In fast allen Fällen könne die Tür so geöffnet werden, dass sie nicht oder kaum beschädigt wird. „Wir versuchen immer, sie nach dem Einsatz auch wieder zu verschließen.“ Es habe auch schon Fälle gegeben, bei denen die Feuerwehr benachrichtigt wurde und sich dann erst vor Ort herausstellte, dass auch ein Nachbar einen Schlüssel für die Wohnung hat.

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Vermieter reagieren

Vermieter haben diese Situation erkannt und reagieren darauf. So wurde erst in diesem Jahr der Wohngebietstreff in der Clara-Zetkin-Straße 7 in der Röbeler Vorstadt unter Federführung der Gebäude- und Wohnungsverwaltung eröffnet. Der Treff richtet sich aber nicht nur an Senioren, sondern will die Geselligkeit und das Miteinander aller Mieter fördern. Auch im Wohngebiet Rote Mühle in Wittstock, das von Dosse Immobilien verwaltet wird, gibt es an mehreren Standorten Betreutes Wohnen – etwa in der Albrecht-Dürer-Straße 1, der Beethovenstraße 5 und der Schumannstraße 4, sagt Doris Kohlmetz von Dosse Immobilien. Insgesamt gebe es zweimal sechs und einmal acht Plätze, die alle belegt seien. Außerdem ist da noch das Quartiersmanagement, das von Rosela Bennarndt geleitet wird. Dort können sich die Bewohner bei Kaffee- oder Bastelnachmittagen treffen oder auch Karten spielen oder Spaziergänge unternehmen. Trotz aller Bemühungen ist klar: „Wir können nicht täglich an jede Tür klopfen und fragen, ob alles in Ordnung ist“, sagt Doris Kohlmetz.

Von Björn Wagener