Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Wetter gefährdete Jungstörche
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wetter gefährdete Jungstörche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:50 17.08.2017
Das Storchenpaar auf dem Horst der Storchenschmiede Linum. Quelle: Peter Geisler
Linum

Er war ein kleiner Kämpfer. Allen Widrigkeiten zum Trotz hatte er sich immer wieder aufgerappelt. Doch dann ereilte auch ihn das Schicksal seiner drei Geschwister: Der kleine Storch starb. Das haben Marion Szindlowski, Leiterin der Storchenschmiede Linum und ihre Mitarbeiter hautnah miterlebt. Der Horst der Storchenschmiede ist mit einer Kamera ausgerüstet. So konnten sie alles mitverfolgen, von Beginn an.

Regen tötete Nachwuchs im Horst der Linumer Storchenschmiede

Am 1. April landete der erste Storch, einen Tag später der zweite. Ende Mai schlüpfte das erste Küken, drei weitere folgten. Am Pfingstwochenende gab es Starkregen. „Da waren die ersten beiden tot“, sagt Marion Szindlowski. Und es regnete und regnete weiter. Das überlebte das dritte Küken nicht und schließlich auch das letzte nicht. Es dauerte zwei Tage, in denen die Altvögel den kleinen Körper immer wieder anschubsten und auch noch Nahrung auswürgten. „Man muss das Verhalten der Tiere nicht vermenschlichen“, sagt Marion Szindlowski, aber es sei eindeutig zu erkennen, dass die Störche auch so eine Art Trauer zeigten.

Nur fünf Jungvögel haben überlebt

So wie diesem Storchenpaar erging es in diesem Jahr vielen. Von insgesamt 16 Horsten in Linum sind zehn mit Brutpaaren besetzt. „Im ganzen Ort gibt es nur noch fünf Jungvögel. Wir hoffen, dass sie flügge werden“, sagt Marion Szindlowski. Im vergangenen Jahr sind elf Junge flugfähig geworden. Das war laut Marion Szindlowski schon eine schlechte Bilanz. Die Faustregel laute, dass pro Horst zweieinhalb bis drei Störche flügge werden sollten. Von diesen wiederum kehren nur etwa 30 Prozent aus dem Winterquartier zurück. Zu groß sind die Gefahren auf der langen Reise. „Wir haben hier die Ostzieher, die teilweise bis Südafrika fliegen“, sagt Szindlowski.

Der Ort Wall hat es besser getroffen. Die drei Horste dort sind mit je drei Jungvögeln besetzt. Dort waren die Bedingungen besser: Es hat nicht so viel geregnet, und Futter gab es reichlich.

Reichhaltige Speisekarte, aber kein Nachwuchs

Der Speiseplan gab alles her, was Meister Adebar liebt, vom Regenwurm über große Insekten bis hin zu Kröten, Mäusen, Schlangen und Eidechsen. Doch das alles nutzt nichts, wenn die Kleinen sterben, weil es zu nass ist.

Nicht nur mit dem Regen hat der Storch zu kämpfen, sondern auch mit der Klimaveränderung. Dazu macht die intensive landwirtschaftliche Nutzung mit immer weniger feuchtem Grünland den Tieren zu schaffen. Es müsse ein Umdenken geben. „Für die Störche ist es fünf vor zwölf“, sagt Marion Szindlowski. Ist es wie in der Vergangenheit wochenlang trocken, findet der Storch keine Nahrung. Die braucht er, denn der Nachwuchs ist gefräßig. Ist er gerade geschlüpft, bekommt er Regenwürmer. Der Altvogel selbst vertilgt pro Tag zwischen 500 und 700 Gramm Futter. Das sind 500 Regenwürmer oder 16 Mäuse.

In einer bestimmten Wachstumsphase, ähnlich der Pubertät bei Jugendlichen, müssen die Jungvögel zwischen 1000 und 1500 Gramm Nahrung haben. Ein enormer Stress für die Eltern so viel Futter täglich herbeizuschaffen.

Eine Großstädterin fand zur Natur

Mit dem Leben von Meister Adebar beschäftigt sich Marion Szindlowski hauptberuflich seit 2012. Zuvor hat sie vier Jahre ehrenamtlich in der Storchenschmiede gearbeitet. Bis dahin hatte sie mit Störchen und mit Natur allgemein eher wenig zu tun, als ehemalige gebürtige Großstädterin nicht ungewöhnlich. Doch 2008 päppelte sie einen aus dem Nest gefallenen Vogel auf. Wem sie das Leben gerettet hatte, wusste sie nicht. Bei ihrer Internetrecherche stieß sie auf den damaligen Leiter der Storchenschmiede Henrik Watzke. Der beantwortete ihre Frage nach der Vogelart wie aus der Pistole geschossen. Es handelte sich um eine Mönchsgrasmücke.

Freiwillige gesucht

Das war der erste Kontakt zu den Naturschützern. Heute ist sie selbst eine, die sich sehr einsetzt. Mit ehrenamtlichen Helfern und jungen Leuten, die ihr freiwilliges ökologisches Jahr in der Storchenschmiede absolvieren, bringt sie Besuchern die Flora und Fauna der Region näher, unter anderem mit Storch- und Kranichführungen. Der Bedarf an Freiwilligen ist groß. „Jeder findet hier etwas, was ihm liegt“, sagt Marion Szindlowski. Das kann Gartenarbeit sein, aber auch die Betreuung von Gruppen oder Ausstellungen. Derzeit sind dort Naturfotografien von Nioclás Seeliger und Bilder der Linumer Kunstgruppe „Pigmentis“ zu sehen. „Natur im Spiegel von Fotografie und Malerei“ heißt die Ausstellung, in der zwei Kunstformen aufeinander treffen. So ist beispielsweise ein Eisvogelpärchen einmal als Fotografie und dasselbe Motiv als Bild zu sehen. Ein Teilerlös der verkauften Werke kommt der Storchenschmiede zugute. Und damit wiederum den Störchen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. August zu sehen. Geöffnet ist die Storchenschmiede Mittwoch bis Freitag von 10 bis 16 Uhr, Samstag und an Sonn- und Feiertagen von 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.

Von Dagmar Simons

Es geht wieder los. Nach der Sommerpause finden in der Wittstocker Bibliothek wieder jede Menge Kulturveranstaltungen und Lesungen statt. Den Anfang macht am kommenden Dienstag die Lesung der Berliner Kinderbuchautorin Christine Fehér. Im September folgen weitere Höhepunkte, darunter die Lesung von Erfolgsautorin Hera Lind in der Schlossbibliothek Freyenstein.

17.08.2017

Seit 1994 steht Joachim Stoltz dem Wasser- und Abwasserverband Dosse vor. Ende August geht der 65-Jährige in den Ruhestand. Am Mittwoch wurde er mit Blumen und Präsenten verabschiedet – unter anderem mit einem „goldenen Wasserhahn“, überreicht von den Bürgermeistern der Verbandsgemeinden.

17.08.2017

Ab sofort kann sich jeder bei der Wirtschaftsfördergesellschaft REG in Neuruppin melden, der sich im Landkreis über schlechten Handy-Empfang ärgert. Der Kreis hofft, die weißen Flecken ab dem nächsten Jahr über einen Umweg tilgen zu können.

20.08.2017