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Ostprignitz-Ruppin Wetterextreme im vergangenen Jahr
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wetterextreme im vergangenen Jahr
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14:08 06.03.2018
Überflutete Felder am Rhinkanal. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Frühling im Dezember – wo sich viele Menschen lieber weiße Weihnachten wünschten. Das Wetter am Ende des vergangenen Jahres lud allerdings eher zu Radtouren ein und das scheint sich nicht mehr entscheidend zu ändern. Eine alte Bauernregel besagt: Ist bis Dreikönig kein Winter, so folgt auch keiner mehr dahinter. „Das ist in vier von fünf Fällen so“, sagt Wetterexperte Thomas Hinz. „Es sieht also schlecht aus für knackige Kälte in den kommenden Wochen.“

2017 war ein Jahr mit Wetter­­ex­tremen.Der März und die ersten Apriltage waren warm und trocken, daher haben die Bäume früher geblüht als sonst. Der Frost im April hat die Kirsch- und Apfelblüten erfrieren lassen und auch die Winzer in den Weinanbaugebieten mussten Verluste hinnehmen. Bis zu 80 Prozent der Apfelblüten sind nach Angaben des Gartenbauverbands Berlin-Brandenburg erfroren. Bei den Süßkirschen sind rund 50 Prozent dem Frost zum Opfer gefallen.

Für Landwirte war 2017 ein hartes Jahr

Mit dem Juni und Juli folgten im Sommer extrem nasse Monate, die den Bauern zu schaffen machten. Besonders in den Regionen um Neustadt /Dosse sowie in den Luchgebieten gab es bis zu 100 Prozent Ernteausfälle. Besonders betroffen war der Ökohof Kuhhorst. Grünland- und Getreideflächen standen unter Wasser und auch die Kartoffeln überlebten die viele Feuchtigkeit nicht. Bei der M&F Rhinluch Agrargesellschaft in Wustrau standen der Raps und das Grünland im Wasser. Die Rhinmilch-Agrargesellschaft konnte die Gerste nur teilweise ernten. Auf den durchnässten Böden konnten die Landwirte nicht mehr arbeiten.

Viele Felder waren überschwemmt

Doch was für die Bauern eine Katastrophe war, sehen die Naturschützer eher als positives Ereignis. Das niederschlagsreichste Jahr seit Beginn der Messungen brachte gefüllte Sölle und überschwemmten Wiesen. „Im Frühjahr war es noch sehr trocken, so dass wir fürchteten, dass viele Amphibien zu Grunde gehen werden. Der viele Regen war für sie die Rettung“, sagt die Biologin Heidrun Beckmann von der Naturschutzstation Rhinluch. Die Refugien dieser Tiere wurden in den letzten Jahrzehnten von den Menschen so stark verändert, dass viele Amphibienarten die für sie optimalen Lebensräume heute nicht mehr finden können. Laichgewässer wurden vernichtet, feuchte Wiesen trocken gelegt, Hecken und Raine vernichtet und in Ackerflächen verwandelt. Darunter leiden zahlreiche Arten. „Auch für unsere Europäischen Sumpfschildkröten wäre es problematisch geworden“, sagt die Biologin. „Sie halten sich im Winter in den Flachwasserbereichen auf und wandern dann Ende Mai, Anfang Juni zu ihren Eiablageplätzen in der Nähe der Gewässer.“

Für viele Amphibienarten sicherte der Regen die Existenz

Unter Wasser stehende Wiesen in der Nähe von Seen boten den Fischen ein weiteres Nahrungsreservoir. Ausgetrocknete Zuläufe von Tümpeln zu Teichen und Flüssen führten wieder Wasser, so dass die Fische wandern konnten. Ältere Bewohner der Region erinnerten sich an die Erzählungen der Großväter, die früher auf überschwemmten Wiesen noch Hechte mit der Forke gestochen hatten.

In Neuruppin summierte sich der Regen im vergangenen Jahr auf 775 Liter pro Quadratmeter, Wittstock brachte es sogar auf 779 Liter. Noch gibt es auf den Feldern und in den Senken Wasser, denn auch der Winter brachte bisher viel Regen. Doch das Wasserproblem in der sandigen Mark ist damit nicht gelöst, das Defizit existiert im Grundwasserbereich, der Wasserrückhalt ist entscheidend. Naturschützer betonen deshalb immer wieder die große Bedeutung der Moore, die dringend erhalten und renaturiert werden müssen. Auch die Bewirtschaftung der Böden mit schweren Maschinen in der Land- und Forstwirtschaft gerät in diesem Zusammenhang immer wieder in die Kritik. Bodenverdichtungen verschlechtern die Lebensbedingungen für Bodenorganismen und die Versickerung von Regenwasser wird eingeschränkt und so stehen viele Felder immer noch unter Wasser. Für den Naturschützer und Ornithologen Anselm Ewert ist an all diesen Problemen nicht das Wetter schuld, sondern der Mensch.

Von Cornelia Felsch

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