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Ostprignitz-Ruppin Wild auf Wild aus der Region
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wild auf Wild aus der Region
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00:18 29.11.2017
Auf dem Gut Hesterberg wird das  Rotwild auch in Wildgehegen gehalten. So ist der Weg zum Verbraucher besonders kurz.
Auf dem Gut Hesterberg wird das Rotwild auch in Wildgehegen gehalten. So ist der Weg zum Verbraucher besonders kurz. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Jeder zweite Deutsche isst mindestens einmal im Jahr Wild. Und das ist gut so, denn Wildfleisch ist das älteste Nahrungsmittel der Menschheit und hat ganz besondere Vorzüge. Es ist fett- und cholesterinarm und reich an Mineral- und Nährstoffen.

Ein springender Rehbock in grünem Kasten – dieses Schild signalisiert, dass Wildliebhaber hier fündig werden können. „Jäger, die ihr Wild selbst vermarkten, Wildfleischhändler, und Restaurants, die dieses Signet aushängen, sind Anbieter heimischen Wildfleischs“, so heißt es auf der Internetseite des Landesjagdverbandes Brandenburg. Doch ganz so einfach ist es zumindest im Kreis Ostprignitz-Ruppin nicht, denn um Wild aus der Region zu bekommen, muss man erst einmal im Internet surfen. Auf www.wild-auf-wild.de können Menschen, die keinen Jäger persönlich kennen, entdecken, wo Wild angeboten wird. Gerade einmal vier Anbieter sind dort im Landkreis zu entdecken.

Frisches Wild aus der Region

Das Gut Hesterberg befindet sich in der Nähe von Neuruppin. Die Wildfleischverarbeitung erfolgt direkt auf dem Gutshof. Wildbestellungen oder Voranmeldungen können unter der Telefonnummer 03391/70 06 16 erfolgen.

Der Forstbetrieb Bertikow verarbeitet das frische Wildbret ebenfalls im eigenen Zerlegeraum. Die Wildkammer ist nach den strengen Richtlinien der Europäischen Union zugelassen und unterliegt ständiger, amtlicher Kontrolle. Die Verfügbarkeit der verschiedenen Wildprodukte schwankt naturgemäß aufgrund von Jagd- und Schonzeiten.

Die Landeswaldoberförsterei Alt Ruppin ist unter der Telefonnummer 03391/ 4 00 01 23 zu erreichen.

Bernd Voigt bietet sein Wildfleisch in Manker, in der Dorfstraße 37 an. Er ist unter der Telefonnummer 0175/4336009 zu erreichen.

Auf der Internetseite des Deutschen Jagdverbands kann man unter www.wild-auf-wild.de bei Eingabe der Postleitzahl oder des Ortes herausfinden, wo in der heimischen Region Wild angeboten wird.

Die Landeswaldoberförsterei Alt Ruppin gibt ihr Wild vertragsmäßig an Wildhändler ab, aber auch an die Bevölkerung. „Dieses Jahr haben wir allerdings weniger Wild“, sagt Funktionsförsterin Sybille Langhoff. „Wegen der Sturmschäden haben wir alle Drückjagden abgesagt.“ Wer es dennoch beim Forstbetrieb versuchen will und Glück hat, muss das Wild allerdings in der Decke mitnehmen und selbst aufarbeiten.

Der Forstbetrieb Bertikow bei Darritz-Wahlendorf bietet Rehwild, Rotwild, Schwarzwild und Damwild an. Das frische Wildbret wird im hauseigenen Zerlegeraum zubereitet. Wer allerdings Appetit auf diese leckere Speise bekommt, muss Geduld haben und sollte nichts übereilen. Vorbestellungen und Anmeldungen sind nicht nur beim Bertikower Betrieb angesagt. „Wir haben nichts auf Vorrat hier“, sagt die Betriebschefin Cindy Grusa. „Die Nachfrage steigt ständig und wir haben bereits eine große Kundenliste, so dass unbedingt vorbestellt werden muss.“ Rehe und Wildschweine bis etwa 25 kg werden allerdings nur als ganze Stücke abgegeben, fachgerecht in Einzelteile zerlegt. Größeres Wild wird auch portioniert verkauft. Vorstellungen und Wünsche kann der Kunde durchaus äußern, allerdings müssen bei einigen Wildarten die Jagd- und Schonzeiten berücksichtigt werden.

Jäger Bernd Voigt aus Manker ist einer der wenigen Waidmänner im Landkreis, der in einen Zubereitungsraum investiert hat und das Wild auch an Privatkunden verkauft. Quelle: Peter Geisler

Einen festen Kundenkreis hat auch das Gut Hesterberg bei Neuruppin bereits, so dass die Vorräte auch hier nicht allzu üppig auf Kundschaft warten. Wer frisches Fleisch erwerben will, sollte immer erst anfragen und vorbestellen. Das Wild kommt aus eigener Gutshofjagd und von Jägern aus dem Ruppiner Land. Es wird frisch auf dem Gutshof verarbeitet. Wer sich lieber an den gedeckten Tisch setzen möchte, weil er den Aufwand der Zubereitung scheut, kann das auch auf dem Gutshof tun. Dort stehen jetzt zwar zunehmend Gänse auf dem Speiseplan, aber auch Wildgerichte werden angeboten.

Wild hat man nicht mal schnell in die Pfanne

Bernd Voigt und seine Frau nehmen sich viel Zeit, wenn sie Wild zubereiten. „Langsam auftauen, mehr als einen Tag einlegen und dann gemächlich im Ofen zubereiten“ – das ist ihre Devise. „Eine Zwei-Kilo-Keule sollte man schon zwei Stunden bei 180 Grad Celsius im Ofen schmurgeln lassen. Ein gutes Wildstück ist nichts, was man mal so schnell in die Pfanne haut.“

Der Jäger aus Manker ist einer der wenigen Waidmänner im Landkreis, der in einen mit Edelstahl und Fliesen ausgestatteten Zubereitungsraum investiert hat und das Wild auch an Privatkunden verkauft.

Die Hygiene beginnt schon beim Schießen

„In unserem Landkreis sind wir rund 600 Jäger, die im Jagdverband Mitglied sind“, sagt er. Etwa 1000 Jäger gehen im Landkreis jagen. Rund 70 Prozent von ihnen haben nach Aussage von Andreas Sidow von der Unteren Jagdbehörde den Status eines Jagdpächters. Doch nicht jeder Jäger kann das erlegte Wild so einfach mitnehmen und verkaufen. „Das Wild gehört immer dem Jagdpächter, und wenn ich es an Kunden verkaufe, bin ich ein Lebensmittelunternehmer und muss mich beim Amt für Verbraucherschutz anmelden. Zerlegeraum und Kühlzelle werden dann vom Veterinäramt überprüft.“ Eingefrorenes Fleisch, das der Jäger meist vorrätig hat, wird mit Datum und Wildnummer versehen. Auch das Haltbarkeitsdatum und die Wildart sind darauf vermerkt.

„Hygiene geht schon mit dem Schießen los“, sagt Bernd Voigt. „Ich habe auch viele auswärtige Stammkunden, die regelmäßig vorbei schauen. Wenn sie immer wieder kommen, weiß ich, dass sie zufrieden waren.“

Von Cornelia Felsch