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Wittstock/Dosse Biograf stellt Buch über Karl Salomon vor
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Biograf stellt Buch über Karl Salomon vor
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09:50 08.07.2019
Walter Mülich sprach mit Carmen Lange über die Zeit des Todesmarsches 1945. Quelle: Christian Bark
Belower Wald

Seine Recherchen zu Schiffen, auf denen sowohl in den 1930er Jahren von den Nazis, als auch in den 1970er Jahren während der chilenischen Militärdiktatur gefoltert wurde, brachten Walter Mülich auf die Spur von Karl Salomon. Der Lehrer und Publizist machte sich bei seiner Arbeit zur Biografie über den „Roten Steuermann“ immer vertrauter mit der Person dieses Antifaschisten. Sein im Dezember 2018 herausgegebenes Buch stellte er am Sonntagnachmittag in der Gedenkstätte im Belower Wald vor. Dort hatte er unter anderem vor zwei Jahren auch zu Karl Salomon recherchiert.

Walter Mülich stellte seine Biografie über Karl Salomon vor. Quelle: Christian Bark

Karl Salomon war ab 1940 Häftling im Konzentrationslager Sachsenhausen und nahm 1945 am Todesmarsch teil, der ihn auch in den Belower Wald führte“, erläuterte Gedenkstättenleiterin Carmen Lange den Zusammenhang zwischen Lesung und Veranstaltungsort.

In seinem Buch dokumentiert Walter Mülich das Leben von dem 1896 in Dessau geborenen Karl Salomon über dessen Aktivitäten als Besatzungsmitglieds eines U-Boots im Ersten Weltkrieg über jene im Soldatenrat ab 1918 hin zum Seemann in Bremerhaven, die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) ab 1923, den Widerstand ab 1933, die Haftphasen während der Nazizeit bis hin zur Karriere in der DDR. „Es ist ein weiter Bogen, der fast ein ganzes Jahrhundert umspannt“, sagte der Autor.

Verfolgt, verhaftet, gedemütigt

Nach 1933 hatte Karl Salomon kaum Zeit in Freiheit verbracht. Wenngleich der Familienname eine jüdische Herkunft vermuten lässt, hatte Salomon bei seiner Heirat einen Ariernachweis erbringen können, wie Walter Mülich erklärte. Verfolgt, verhaftet und gedemütigt sei er nur aufgrund seiner Tätigkeit in der KPD und im Widerstand gegen die Nazis worden. So wurde Salomon am 24. September nach drei Jahren Zuchthaus mit Tritten und Misshandlungen als neuer Häftling im KZ Sachsenhausen willkommen geheißen. „Das war der übliche Empfang für jeden neuen Häftling“, sagte Walter Mülich.

Im Belower Wald lagerte Karl Salomon Ende April 1945 auf dem Todesmarsch von Sachsenhausen. Quelle: Christian Bark

Da Karl Salomon wie zahlreiche seiner anderen Genossen als politischer und deutscher Häftling in das KZ gekommen war, konnte er in relativ verantwortungsvolle Positionen gelangen. „Die Nazis suchten gezielt Leute aus, die organisieren konnten“, erklärte der Autor. Salomon wirkte also in der Krankenstation, dann auch in einer illegalen Lagerleitung, von denen es mehrere gab und die unter anderem versuchte, 14 000 sowjetischen Kriegsgefangene vor der Ermordung zu bewahren.

Allerdings schaltete eine solche illegale Lagerleitung nicht nur Spitzel aus und sabotierte Aktionen der Nazis, sie zeigte sich auch erbarmungslos gegenüber politischen „Abweichlern“ und Andersdenkenden in den eigenen Reihen. „Die Leute wurden zu Arbeitseinsätzen eingeteilt, von denen sie nie lebend zurückkehrten“, so Walter Mülich.

Als Todesmarschteilnehmer im Belower Wald

Da habe sich schon die Widersprüchlichkeit des Antifaschisten Karl Salomon gezeigt, die in der Zeit nach dem Krieg immer weiter zutage treten würde. Nach der Räumung des Lagers Ende April 1945 wurde Karl Salomon wie viele tausend andere KZ-Häftlinge auf einen Todesmarsch nach Norden geschickt. Vom 25. bis 27. April campierte er unter unmenschlichen Bedingungen im Belower Wald. Am 1. Mai gelang ihm die Flucht vor seinen Peinigern bei Crivitz. Schon dort soll er sich für den Verbleib in Ostdeutschland und für den Aufbau der späteren DDR entschieden haben. „1959 kehrte Karl Salomon in den Belower Wald und nach Crivitz zurück, als er diese Stationen seines Lebens noch einmal besuchte“, sagte Walter Mülich.

Der KPD-Funktionär Karl Salomon überlebte das KZ Sachsenhausen und den Todesmarsch zum Belower Wald. Ab 1945 baute er das sozialistische Deutschland mit auf. Quelle: Privat

Als Opfer des Faschismus und Altkommunist stieg Salomon relativ schnell auf. Seine Kontakte zum späteren Minister für Staatssicherheit (Stasi), Ernst Wollweber, halfen dabei. Zunächst in der Bezirksverwaltung Berlin-Tiergarten, dann im Wasserstraßenamt Schwerin und später beim Aufbau der DDR-Handelsflotte in Rostock machte Karl Salomon Karriere in der jungen Republik. Mit dem Fall Wollwebers, der Walter Ulbricht 1958 zu stürzen gesucht hatte, endete seine Karriere auf dem Posten eines „Frühstücksdirektors“, wie es Walter Mülich formulierte.

In Eichwalde bei Berlin lebte er fortan, entschied sich sechs Jahre vor seinem Tod noch für eine inoffizielle Stasi-Mitarbeit. „Er fühlte sich wieder aufgenommen im Kreise der Partei“, heißt es im Buch. „Die Partei hatte für ihn immer Recht“, sagte Walter Mülich. Für sie nahm er alles in Kauf – Zuchthaus, KZ und später den Argwohn seiner Mitmenschen. „Beliebt dürfte er bei seinen Mitarbeitern nicht gewesen sein“, sagte der Autor.

Das Publikum kam mit Walter Mülich ins Gespräch. Quelle: Christian Bark

Er beschrieb ihn als „peniblen, akribischen, jähzornigen und eigensinnigen Mann“. Ein Antifaschist, der Widersprüche in sich vereint. Im Gespräch mit dem Publikum verwies Walter Mülich bei der Frage auf die Psyche Salomons auf das sogenannte „KZ-Syndrom“, was ihn als Menschen völlig verändert hätte.

Anerkennung für seine publizistische Arbeit erhielt der Autor von Gästen und Veranstaltern am Sonntag. „Es sind weitere solcher Arbeiten nötig, um zu zeigen, dass Antifaschisten wie Karl Salomon keine Ikonen, sondern Menschen voller Widersprüche waren“, hieß es aus dem Publikum. Darüber hinaus wurde Salomons Widerstand gegen den Faschismus gewürdigt, auch mit Blick auf heutige politische Entwicklungen, wo man laut Walter Mülich nicht den Mund halten dürfe.

Von Christian Bark

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