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Wittstock/Dosse Bahn verlegt neue Brücke über die A19
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Bahn verlegt neue Brücke über die A19
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17:46 16.10.2018
Mithilfe zweier SPTM-Wagen wird die Brücke zentimeterweise bewegt. Quelle: Christian Bark
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Wittstock

Sie ist 320 Tonnen schwer und 40 Meter lang. Die neue Stabbogenbrücke, die gerade über die Autobahn 19 bei Wittstock verlegt wird. Über sie soll künftig der Prignitzexpress nach Berlin-Spandau und Wittenberge rollen. Seit Montagabend ist die Autobahn Richtung Rostock deswegen ab Wittstock gesperrt. Statt der Züge fährt Schienenersatzverkehr.

Eine gut 320 Tonnen schwere Stabbogenbrücke lässt die Deutsche Bahn derzeit über die A19 bei Wittstock verlegen. Über sie sollen ab November wieder Züge fahren können.

„Wir versuchen schon, die Einschränkungen für Bahn- und Autofahrer so gering wie möglich zu halten“, betonte Projektleiter Mario Dambrowsky am Dienstag. Ihm zur Seite stand Kai Protzer, der ebenfalls bei den Planungen mitgewirkt hatte und den Bauherren, die Deutsche Bahn, vertrat. Beide beobachteten, wie die tonnenschwere Brücke Zentimeter um Zentimeter in Richtung ihres Bestimmungsortes gehievt wurde.

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Das passierte mithilfe zweier Modulfahrzeuge mit eigenem Antrieb (SPMT). Dabei bewegte sich ein SPMt-Wagen auf einem eigens aus Recycling und Metallplatten geschaffenen Untergrund neben der Autobahn.

An den Betonwiderlagern wird alles für den Aufsatz der Brücke vorbereitet. Quelle: Christian Bark

Die Brücke war Wochen zuvor mit Schwerlasttransporten in Einzelteilen angeliefert und an der Baustelle zusammengesetzt worden. Zuvor hatten die Bauarbeiter die alte Brücke entfernen und eine Kabelhilfsbrücke errichten müssen.

„Zweimal war die Autobahn seit Februar deswegen gesperrt gewesen“, sagte Mario Dambrowsky. Die neuen Widerlager, auf denen der neue Überbau künftig liegen wird, hatte man noch unter der alten Brücke fertigstellen können. Bei dieser handelte es sich um eine Stahlbrücke mit Pendelstütze, die in der Mitte der Autobahn stand.

Neue Brücke braucht keinen Stützpfeiler mehr

„Das ist nicht mehr zeitgemäß, weil die Brücke instabil werden könnte, wenn beispielsweise ein Fahrzeug mit der Stütze kollidiert“, erklärte der Projektleiter. Außerdem habe man sogenannten „Betonkrebs“ an den Widerlagern festgestellt. „Wir mussten also was machen“, sagte Mario Dambrowsky.

Die Planungen dafür waren gut drei Jahre im voraus angelaufen, wie Kai Protzer sagte. Das sei noch moderat gewesen. „Am längsten kann es manchmal dauern, die vielen verschiedenen Eigentümer der Grundstücke, auf denen wir mit unserem Gerät arbeiten, ausfindig zu machen“, erklärte er. Und dann müssten sie noch zustimmen.

Mario Dambrowsky (r.) und Kai Protzer überwachen die Verlegung der neuen Stabbogenbrücke über die A19 bei Wittstock. Quelle: Christian Bark

Die neue Stabbogenbrücke benötigt künftig keine Stütze mehr. Ihre Bögen werden 7,50 Meter in den Himmel ragen. Vom Asphalt wird der Abstand zur Brücke 4,70 Meter betragen. „So will es die Bundesregelung“, ergänzte Mario Dambrowsky.

Etwa 25 Bauarbeiter, in Spitzenzeiten sogar 40, sind an der Großbaustelle beschäftigt. Während die SPMT-Wagen die Brücke bewegten, wurden an den Widerlagern die Pressen in Position gebracht, auf denen die Brücke zunächst aufliegen wird.

Brücke ist Dienstagnacht auf Position

„Wir haben großes Glück mit dem Wetter“, sagte Mario Dambrowsky. Bei einer Windgeschwindigkeit von rund 50 Stundenkilometern, wie sie oft im Herbst vorkommt, wird das Versetzen einer Brücke nahezu unmöglich. „Beim Verschub darf nichts schiefgehen, das ist Präzisionsarbeit“, sagte der Projektleiter.

Dienstagnacht gegen 22 Uhr dürfte die Brücke bis zu ihrer Bestimmungsposition an die Widerlager herangeführt worden sein, so die Schätzungen Dambrowskys und Protzers. „Dann folgte noch der Verguss mit den Widerlagern, das Gleis wird verlegt und Schotter kommt darüber“, sagte Kai Protzer.

Insgesamt wird die Brücke noch bis zum 31. Oktober für den Zugverkehr gesperrt sein. Der Autoverkehr soll laut Deutscher Bahn nach dem Aufliegen der Brücke und Abzug der Gerätschaften aber schon wieder am Donnerstag um 6 Uhr früh über die A19 rollen können.

Für den zweiten SPMT-Wagen wurde ein Untergrund aus Recycling geschaffen. Quelle: Christian Bark

Insgesamt ergibt sich für die Aktion ein Zeitfenster von 60 Stunden. „Da haben die Jungs schon ordentlich zu tun. Es wird Tag und Nacht gearbeitet“, sagte Mario Dambrowsky. Damit war die Autobahn während der Bauarbeiten bisher sieben Tage gesperrt gewesen, bei der Bahnstrecke werden es insgesamt zwei Monate sein.

Ein letztes Mal im Zuge der Arbeiten wird die A19 vom Montag, 29. Oktober, ab 18 Uhr, bis Mittwoch, 31. Oktober, 6 Uhr morgens, gesperrt. Dann soll die Kabelhilfsbrücke entfernt werden.

Von Christian Bark