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Wittstock/Dosse Von Barcelona nach Freyenstein: Reise in die Vergangenheit
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Von Barcelona nach Freyenstein: Reise in die Vergangenheit
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00:23 21.03.2019
Ruth Jacobs (vorn) und Monica Calero Jacobs im Schloss Freyenstein. Quelle: Björn Wagener
Freyenstein

Es ist eine lebhafte Runde. Die Familie aus Barcelona in Spanien hat sich in der großen Hofstube des Schlosses in Freyenstein versammelt. Es gibt viel zu erzählen und noch mehr zu sehen. Ruth Jacobs sitzt an der Stirnseite des Tisches. Sie hört zu, spricht wenig. „Ich bin etwas melancholisch. Es sind so viele Jahre vergangen.“

Ruth Jacobs verbringt in Freyenstein ihre Kindheit. Sie ist gerade vier Jahre alt, als sie gemeinsam mit ihrer Mutter dort ankommt. Sie haben Berlin hinter sich gelassen. Der Zweite Weltkrieg tobt. Der Vater ist Soldat.

Wohnung liegt in Schutt und Asche

Eines Tages liegt die Wohnung in Berlin in Schutt und Asche. Mutter und Kind suchen Zuflucht bei Ruth’s Großvater Paul. Er

Familienfoto vor dem Schloss in Freyenstein. Quelle: Björn Wagener

führt in Freyenstein das Schlosshotel. Sie beziehen eine kleine Wohnung unterm Dach. „Nachts kamen immer die Fledermäuse ins Fenster“, erinnert sich die Seniorin.

14 Jahre lang leben die Jacobs in Freyenstein, die Schwestern Karin und Margrit werden dort geboren. Sie fühlen sich wohl. Doch 1953 müssen sie fort, weil der Vater früher bei der Luftwaffe war und deshalb bei den Sowjets noch immer als Kriegsfeind gilt. Ihm droht die Erschießung. Die Familie flieht bei Nacht und Nebel nach Köln in der britischen Besatzungszone. Dort hat der Vater dank Beziehungen eine Stelle bei der Lufthansa bekommen.

Über London nach Barcelona

Ruth geht auf die Handelsschule, arbeitet später im Büro. Ihr Vater rät ihr, ihr Englisch zu verbessern. So suchen sie eine Au-Pair-Stelle und finden sie im englischen London. Dort ist sie aber mehr als Putzfrau gefragt. Es wird eine andere Familie gesucht – und dort klappt es besser. Sie darf sogar eine Sprachschule besuchen und gewinnt dort eine gute Freundin – Carmen Diaz, eine Spanierin. Schon wenig später lädt sie Ruth in ihr Heimatland ein. Einen Monat verbringt sie in Barcelona und lernt dort ihren späteren Ehemann Rafael kennen.

In Barcelona lebt die 80-Jährige. Quelle: Dirk Klauke

Es ist eine Wende in Ruth’s Leben. „Ich bin dort hängen geblieben“, erzählt sie in Freyenstein. Das Paar bekommt drei Kinder – Mario, Monica und Miguel. Sie wachsen zweisprachig auf. In der Schule ist natürlich Spanisch angesagt.

Zu Hause immer Deutsch gesprochen

„Aber zu Hause habe ich immer Deutsch mit ihnen gesprochen“, erzählt die Seniorin. Ihre Muttersprache verwässert in all den

Christine Neumann (stehend) berichtet über die Historie des Schlosses. Quelle: Björn Wagener

Jahren in Barcelona nicht. Bis heute ist ihr Deutsch akzentfrei. „Aber ihr Spanisch hat einen deutschen Akzent“, bescheinigen ihr die Familienmitglieder.

Vor etwa einem Jahr entsteht in der Familie die Idee, aus der Geschichte Ruth Jacobs’ ein Buch zu machen. Tochter Monica nimmt sich der Sache an. Gemeinsam mit der Mutter schreibt sie die nicht alltägliche Lebensgeschichte auf. Der Vater ist inzwischen verstorben.

Das Buch mit dem Titel „Ein Lächeln in die Vergangenheit / Una sonrisa al pasado“ erscheint im Februar 2019 auf Deutsch und Spanisch. Die Geschichte wird in beiden Sprachen erzählt, getrennt durch einen Bilder-Teil.

Ein besonderes Geschenk

Zu ihrem kürzlichen 80. Geburtstag erhält Ruth Jacobs so ein ganz besonderes Geschenk. Außerdem lädt ihre Familie sie zu einer Kurzreise nach Freyenstein ein – den Ort ihrer Kindheit. „Im Schloss erinnere ich mich vor allem an die große Treppe nach oben und den Teich gegenüber“, sagt die Seniorin.

Heute ist das Schloss erste Anlaufstelle für Touristen in Freyenstein. Es kann sich sehen lassen, seit die weitgehende Sanierung 2016 abgeschlossen ist.

Christine Neumann von der Wittstocker Stadtverwaltung berichtet den spanischen Gästen von der bewegten Geschichte des Schlosses. Vor seiner Kulisse entstehen Fotos fürs Familienalbum, bevor es wieder nach Hause geht.

Monica Calero Jacobs blickt ihre Mutter an und ist sich sicher: „Diese Reise war das Beste, was wir ihr schenken konnten.“

Von Björn Wagener

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