Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wittstock/Dosse Bissiger Hund verletzt Kind schwer – Polizei verschweigt Vorfall zunächst
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Bissiger Hund verletzt Kind schwer – Polizei verschweigt Vorfall zunächst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:16 16.10.2019
Ein Schild mit dem Hinweis "Betreten verboten Vorsicht bissige Hunde" hängt an einer Umzäunung (Symbolbild). Quelle: Holger Hollemann/dpa
Wittstock

Der Gesundheitszustand des siebenjährigen Jungen, der am 3. Oktober in Dranse (Ostprignitz-Ruppin) von mindestens einem von vier Hunden angefallen und schwer verletzt wurde, ist unklar. Die Polizei wisse darüber nichts, sagt Sprecherin Dörte Röhrs. Informiert würde die Behörde nur, wenn ein Betroffener stirbt.

Die Polizei erstattete Anzeige wegen „fahrlässiger Körperverletzung“ gegen den Hundehalter. Dazu sei sie von Amts wegen verpflichtet, erklärt Polizei-Sprecher Julian Kindt. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin wird zu klären haben, welche Konsequenzen den Hundehalter erwarten.

Familie vor Öffentlichkeit

Mit dem blutigen Geschehen in Dranse geht die Polizei nicht an die Öffentlichkeit. „Meine Kollegen haben sich so entschieden, weil sich der Fall familienintern abgespielt hat“, begründet Dörte Röhrs das Vorgehen.

Erst als Mitarbeiter des Wittstocker Ordnungsamtes am 9. und 11. Oktober jeweils zwei Hunde abholen und dem Tierheim in Papenbruch übergeben, damit keine Gefahr mehr von ihnen ausgeht, informiert die Polizei über den Fall.

Denn die Beamten werden zu dem Einsatz am 11. Oktober vom Ordnungsamt als Unterstützung hinzu gerufen. Außerdem sei eine Mitarbeiterin des Tierheimes vor Ort gewesen, berichtet Wittstocks Ordnungsamtsleiter Holger Schönberg – entgegen der ursprünglichen Polizeimeldung vom 14. Oktober allerdings kein Tierarzt. Ebenfalls sei kein Betäubungsmittel zum Einsatz gekommen.

Tierheim-Mitarbeiter: „Streicheln möglich“

„Den Hunden geht es gut. Sie sind nicht aggressiv. Man kann sich ihnen nähern, sie streicheln. Dann wedeln sie sogar mit dem Schwanz“, berichtet Patrick Galle vom Tierheim in Papenbruch.

Am 3. Oktober ist das anders. Dörte Röhrs schildert das Geschehen auf Nachfrage so: „Der Junge spielte mit den vier Hunden der Familie auf dem Grundstück. Dann wurde er aus noch ungeklärter Ursache angegriffen. Er erlitt schwere Verletzungen am Kopf und Körper.

Rettungshubschrauber im Einsatz

Das Kind musste demnach mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht werden. „Der Vater wurde ebenfalls medizinisch versorgt, weil er einen Schock erlitt. Er war bei dem Vorfall dabei.“ Was das genau bedeutet, bleibt offen. Holger Schönberg sagt, dass es außer dem Jungen selbst „keinen weiteren Zeugen des Bissvorfalls“ gegeben habe.

Ein Rettungshubschrauber brachte das Kind am 3. Oktober von Dranse in eine Klinik. Quelle: Privat

Zu Beginn der Folgewoche habe sich das Ordnungsamt der Sache angenommen, um „Licht in die Geschehnisse zu bringen“ – mit folgendem Ergebnis:

Verordnung als Grundlage

Die Hunde – eine Dogge und drei Doggen-Mischlinge – werden aus der Familie entfernt, und zwar auf Grundlage der Hundehalterverordnung des Landes. „Rechtfertigen Tatsachen die Annahme, dass der Hund auch in Zukunft eine Gefahr für Leib und Leben darstellt, kann die zuständige Behörde die Sicherstellung des Tieres anordnen“, zitiert Holger Schönberg aus der Verordnung. Wie mit den Hunden aus Dranse weiter verfahren wird, sei noch zu klären.

Verhalten unvorstellbar

Für Jürgen Kaatz aus Dranse, der die dramatischen Ereignisse am 3. Oktober im Ort mitbekommen hat, ist das Vorgehen von Polizei und Ordnungsamt „unvorstellbar“. Er kann nicht nachvollziehen, warum die Hunde einerseits noch mehr als eine Woche an Ort und Stelle bleiben und andererseits die Polizei Informationen über den Fall nicht öffentlich macht.

„Ich verstehe durchaus die Betroffenheit der Dranser Familie und respektiere sie. Aber man muss doch die Gefahr sehen.“ Die Hunde noch über mehrere Tage in der Familie zu belassen, obwohl hier Gefahr im Verzug gewesen sei, findet er unglaublich.

„Einen solchen Vorfall herunter zu spielen, verhindert den Schutz der Allgemeinheit“, so Kaatz, der selbst schon einmal von einem Hund gebissen wurde. „Wie würden Polizei und Ordnungsamt wohl reagieren, wenn ich auf meinem privaten Hof mit Sprengstoff hantieren würde? Dürfte ich dann auch noch so lange ungestört weiter experimentieren?“

Lesen Sie dazu auch:

Von Björn Wagener

Die Markthalle in Freyenstein ist jetzt beheizt. Sie bietet seit April wöchentlich regionale Produkte und ab und zu kulturelle Veranstaltungen an. Initiator Hans-Herbert Gutz hat noch andere Pläne.

16.10.2019

Diebe schlitzen mehrfach Lkw-Planen an der A 24 bei Linum und Herzsprung auf. Sie kommen meist in der Nacht.

15.10.2019

Lissy Boost, die eigentlich zum 15. Oktober die Arbeitsstelle wechseln wollte, bleibt dem Treff in der Röbeler Vorstadt in Wittstock doch erhalten. Das sagt sie zu den Gründen.

15.10.2019