Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wittstock/Dosse Jubiläum: Christdorf wird 600 Jahre alt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Jubiläum: Christdorf wird 600 Jahre alt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
12:53 07.02.2020
Dorfidylle von 1910: Einwohner von Christdorf vor ihrem Haus in der Dorfmitte. Quelle: privat
Anzeige
Christdorf

„Hier wurde noch nie ein Ortsjubiläum gefeiert“, sagt Roland Kissmann vom Ortsbeirat in Christdorf. Damit ist nun Schluss: Vom 19. bis 21. Juni steht die 600-Jahrfeier bevor, und das Dorf feiert den Geburtstag mit einem bunten Programm.

Charlottenhof und Karstedtshof gehören dazu

Seit dem vergangenen Jahr feilt ein Festkomitee am Ablauf. Mitglieder des Ortsbeirates, des Dorfvereins Christdorf sowie weitere interessierte Bürger bringen sich dort ein. Zum Wittstocker Ortsteil Christdorf gehören seit 1923 die Wohnplätze Charlottenhof und seit 1928 Karstedtshof. Vor allem die Karstedtshofer gestalten seit Jahren das Leben in Christdorf aktiv mit.

Anzeige

Die erste urkundliche Erwähnung ist als „Crichstorp“ auf 1420 datiert. Seit 1753 wird der Ort Christorf oder Christdorf genannt. Beim Blick in die Geschichte können sich die Einwohner glücklich schätzen. Eine Chronik beleuchtet auf mehr als 120 Seiten die Facetten des Ortes.

Roland Kissmann setzt sich intensiv mit der Chronik auseinander und arbeitet an einer Ausstellung für das 600-jährige Jubiläum in Christdorf. Quelle: Christamaria Ruch

„Wir hatten mit Elwin Walther einen sehr umsichtigen Dorfschullehrer, er war von 1917 bis 1961 hier tätig“, sagt Roland Kissmann. Elwin Walther arbeitete von 1939 bis 1963 an der Chronik. Bilder aus alter Zeit sind hingegen kaum vorhanden.

Dabei ging Elwin Walther im ersten Band auf die allgemeine Geschichte des Ortes ein, widmete sich vielen Bereichen wie Kirche, Schule, Verkehr, Verwaltung, Vereine bis zum Handel und Gewerbe.

Der zweite Band umfasst unter anderem die Geschichte der Bauernhöfe oder listet im Zeitraffer die Ereignisse in Christdorf im 20. Jahrhundert auf. Hildchen Schumacher und Kersti Hagge übertrugen 1995 die handgeschriebene Originalchronik in eine digitale Fassung.

Älteste Fotos noch gesucht

„Die Chronik ist spannend geschrieben“, sagt Roland Kissmann. Der 53-Jährige knüpft nun an die Geschichte der Bauernhöfe an. „Ich setze die Grundstückschronik von Elwin Walther fort“, sagt er. Dafür fotografiert er die einzelnen Häuser im Ort und sucht noch die jeweils ältesten Aufnahmen der einzelnen Grundstücke.

Diese fließen in eine Ausstellung im Bürgertreff des Dorfes ein. „Die Fotos werden aber nicht veröffentlicht“, sagt er. Die Familiennamen Westfahl, Bismark und Frauböse prägen seit gut 120 Jahren das Dorf.

Heute gibt es dort keine Landwirtschaft mehr

Christdorf war über Jahrhunderte untrennbar mit der Landwirtschaft verbunden. „Heute ist der bäuerliche Charakter verschwunden, es gibt hier keine Landwirtschaft mehr“, sagt Roland Kissmann.

Mit Blick auf die Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz bescheinigte Elwin Walther den Christdorfern ein zweifelhaftes Lob. Als 1904 ein Projekt zur Chausseeverbindung zwischen Blumenthal und Fretzdorf auftauchte, sollte die Trasse über Königsberg und Christdorf führen. „In kurzsichtiger Sparsamkeit lehnten die Christdorfer jede Beteiligung ab“, so Elwin Walther.

Daher führt bis heute die Straße von Blumenthal über Herzsprung nach Fretzdorf. Ein Eisenbahnprojekt sah um 1920 die Verbindung von Kyritz über Christdorf nach Wittstock vor. Wegen der Inflation in den 1920er Jahren wurde das Vorhaben verworfen.

Autobahn ursprünglich zwischen Königsberg und Christdorf geplant

„In den 1930er Jahren kam der Autobahnbau von Berlin nach Hamburg, und der Plan sah vor, die Trasse zwischen Königsberg und Christdorf entlangzuführen“, sagt Roland Kissmann. Doch auch das kam nicht zustande. Christdorf verfehlte also mehrfach den Anschluss an den Pulsschlag der Zeit und liegt weiterhin abseits der Verkehrsströme.

Mit einer Flurkarte von 1825 über die Feldmark Christdorf halten die Einwohner nun einen sehr alten Fund in der Hand. Die ein mal zwei Meter große Karte fand Bernd Röwe auf seinem Dachboden. Dort überstand die Karte 200 Jahre lang nahezu unversehrt die Zeit.

Die Stülerkirche wurde 1837 erbaut und ist ein architektonisch wertvolles Gotteshaus. Quelle: Christamaria Ruch

Stüler und Schinkel

Mit der Stülerkirche hat Christdorf ein wertvolles Gotteshaus. 1837 wurde die Kirche gebaut. Die Baupläne stammen von Friedrich August Stüler (1800 bis 1865), einem der wichtigsten Architekten des 19. Jahrhunderts. Stüler war ein Schüler des noch berühmteren Baumeisters Karl-Friedrich Schinkel.

Prediger und Pfarrer sind von 1598 bis 1939 in dem Ort nachgewiesen. In der Zeit von 1877 bis 1894 war Christdorf sogar Sitz des Superintendenten Karl Friedrich Beckmann. „Das ist das herausragende Ereignis, das ich mit Christdorf in Verbindung bringe“, sagt Roland Kissmann.

Zum Auftakt eine Geschichtsstunde

Die 600-Jahrfeier in Christdorf wird vom Freitag, 19. Juni, bis Sonntag, 21. Juni, gefeiert. Zum Auftakt wird der Wittstocker Historiker Wolfgang Dost am 19. Juni, um 19 Uhr eine Feststunde zur Ortsgeschichte im Bürgertreff halten.

Von Christamaria Ruch

Auf der Dosse – nahe der Logenbrücke in Wittstock – liegt ein Balken quer auf der Wasseroberfläche. Wozu er dient, erklärt Gernot Elftmann vom Wasser- und Bodenverband Dosse-Jäglitz.

07.02.2020

Zwei Jahre hat er im kleineren Rahmen stattgefunden, in diesem Jahr soll Wittstocks Mittelstandsball aber wieder groß im Rathaus gefeiert werden. Karten gibt es derzeit im Vorverkauf.

06.02.2020

Jeden ersten Mittwoch im Monat bietet die Bühne 11 in Wittstock Kunst und Kultur für jedermann. Bei der Veranstaltung am Mittwochabend sorgte das Duo „Die Zwei von nebenan“ für viele Lacher im Publikum.

06.02.2020