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Wittstock/Dosse Die Stunde Null in der Prignitz
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Die Stunde Null in der Prignitz
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00:27 25.02.2019
Historiker Matthias Asche neben der Darstellung eines Soldaten aus dem Dreißigjährigen Krieg in den Wittstocker Museen. Quelle: Björn Wgener
Wittstock

Sie starben nicht nur auf den Schlachtfeldern. Der Tod kam weit ins Land hinein. Rauben, Morden, Plündern und Vergewaltigen: Der Dreißigjährige Krieg stürzte die Menschen ins Elend, ließ sie abstumpfen. Seuchen, Hunger, Gewalt und Tod gehörten zum Alltag.

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) wütete in der Prignitz und im Ruppiner Land besonders heftig.

Dennoch geht Historiker Matthias Asche davon aus, dass so manche Überlieferung eine Übertreibung war. Das ergaben die Nachforschungen für sein Buch „Neusiedler im verheerten Land“.

Es begann als Glaubenskrieg

Es beleuchtet die Folgen des Krieges, der als Glaubenskrieg begann und als Raubkrieg endete. Die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien trugen ihre dynastischen Konflikte mit Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Schweden aus.

In den Wittstocker Museen Alte Bischofsburg, die das Museum des Dreißigjährigen Krieges mit einschließen, gab Matthias Asche bei einem Vortrag einen Einblick in diese Zeit voller Grausamkeiten.

In Pritzwalk, Perleberg, Havelberg, Wittstock, Lenzen, Kyritz und Bad Wilsnack soll es vor Kriegsbeginn rund 2500 „Feuerstellen“ gegeben haben. Anfang der 1640er Jahre seien es nur noch 300 gewesen. Wittenberge, Putlitz, Meyenburg und Freyenstein habe es besonders schlimm getroffen, „wo nach Angaben der Prignitzer Städte keiner mehr wohnte“, so Asche.

Zweifel an den Angaben

In der gesamten Prignitz mit ihren 246 bewohnten Dörfern sollen nur noch 373 Bauern gelebt haben, „was aber sicherlich nicht stimmt“. Die Kriegsfolgen samt Entvölkerung seien oftmals dramatisiert worden, um die Steuerlast zu drücken.

Als sicherere Quelle nannte Matthias Asche die sogenannten Landreiterberichte von 1652.

Landreiter waren berittene Beamte, die die Schäden nach dem Krieg aufnahmen. Demnach habe die Entvölkerung in der Prignitz und im Ruppiner Land damals noch bei rund 60 Prozent im Vergleich zur Vorkriegszeit gelegen. Direkt nach dem Ende der Kriegshandlungen wird diese Zahl aber weit höher gelegen haben. Der Krieg hinterließ regional sehr unterschiedliche Spuren. In Fischerdörfern im Oderbruch hätten die Verluste bei nur etwa 15 Prozent gelegen.

Leben in Erdhöhlen

In den schlimmsten Kriegsjahren von 1635 bis 1641 und sogar noch danach lebten die Menschen mitunter in Erdhöhlen oder überdachten Verschlägen.

So mancher Bauer war zu einem Soldaten geworden. Denn der Truppenverband sorgte für eine gewisse Versorgung und Sicherheit. Deshalb schlossen sich ihm auch ganze Familien an. „Das war wie ein Wurm, der sich mitzog. Er machte die Truppe sehr unbeweglich.“

Soldaten wurden Räuber

Noch Jahre nach Kriegsende zogen Soldaten als Räuber durch die Lande, weil sie nichts anderes gelernt hatten. Die Wiederbesiedlung der Höfe sei „nicht planvoll, sondern bedarfsgerecht“ vonstatten gegangen. „Söldner ließen sich oft dort nieder, wo sie abgedankt hatten.“ Leere Siedlungsplätze gab es genug. In der besonders stark in Mitleidenschaft gezogenen Uckermark habe sich dieser Prozess sogar bis in die 1680er Jahre hingezogen.

Nach seinem Vortrag beantwortete Matthias Asche noch einige thematische Fragen aus dem Publikum. Bei seiner Stippvisite an der Dosse zeigte er sich von Wittstock und den Museen sehr beeindruckt.

Von Björn Wagener

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