Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wittstock/Dosse Dumpingpreise: Landwirte bangen um ihre Zukunft
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Dumpingpreise: Landwirte bangen um ihre Zukunft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
12:13 04.02.2020
Die Holsteinfriesian stehen für leistungsstarke Milchkühe. 300 Tiere liefern in der LPDG Biesen die Rohmilch. Quelle: Christamaria Ruch
Anzeige
Biesen

Das Thema Dumpingpreise stand am Montag im Kanzleramt in Berlin auf der Tagesordnung. Bundeskanzlerin Angela Merkel traf sich mit mehreren Bundesministern und Vertretern der Lebensmittelindustrie. Das Ergebnis: Merkel lehnt staatliche Mindestpreise ab.

„Unsere Wünsche nach gerechteren Preisen sind nicht erfüllt. Wenn wir weiterhin niedrigste Lebensmittelpreise haben, können wir zusätzliche Qualitätskriterien nicht erfüllen“, sagt Burkhard Schultz. Er ist Vorstandsvorsitzender der Landwirtschaftlichen Produktions- und Dienstleistungsgenossenschaft (LPDG) in Biesen.

„Vier große Lebensmittelhändler machen in Deutschland 85 Prozent des Lebensmittelumsatzes– in diesen Wettbewerb geht es weiterhin um die billigsten Preise“, sagt er.

Große Solidarität unter Bauern

„Das geschlossene Handeln der deutschen Bauern in den vergangenen Monaten zeigt, wie groß die Solidarität unter den Berufskollegen ist“, sagt Schultz. „Ich habe den Eindruck, die Landwirte werden für alles verantwortlich gemacht, was in der Gesellschaft schief läuft. Sinkende Erzeugerpreise erzwingen eine Wirtschaftsweise, die ohne Nachhaltigkeit ist und den Erfordernissen unserer heutigen Zeit nicht gerecht wird“, sagt Schultz.

Burkhard Schultz sorgt sich seit vielen Jahren in der LPDG in Biesen um die Erlöse in der Milchproduktion. Quelle: Christamaria Ruch

Der Rohmilchpreis treibt Landwirte wie Burkhard Schultz um. Aktuell werden um die 33 Cent für jedes Kilogramm Rohmilch in der Region gezahlt. „Damit können nur die laufenden Kosten abgewickelt werden. Nachhaltiges Wirtschaften sieht anders aus.“

Milchproduzenten in Sorge

Die 300 Milchkühe der Rasse Holsteinfriesian in der LPDG in Biesen geben monatlich bis zu 220 000 Liter Milch. Wer über Milchpreise spricht, kommt schnell auf eine Milchmädchenrechnung. 37 Cent für das Kilogramm Rohmilch sind notwendig, um auskömmlich und nachhaltig Milch produzieren zu können. Sinkt der Preis unter 35 Cent pro Kilogramm, kann der Milchbauer nicht mehr kostendeckend arbeiten. „Wir haben in den zurückliegenden Jahren schon zweimal erlebt, dass der Rohmilchpreis auf 18 Cent fiel“, erinnert sich Burkhard Schultz.

Erst vor einer Woche leistete ein Werbespruch der Supermarktkette Edeka der Regionalgesellschaft Minden-Hannover Vorschub für die Politik der Dumpingpreise. Auf dem Plakat warb Komiker Otto Waalkes mit dem Slogan „Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten.“ Daraufhin blockierten Bauern ein Edeka-Großlager in der Nähe von Oldenburg. Edeka ruderte zurück, sprach von einem Missverständnis und entfernte die Plakate. „Solche Werbesprüche fehlen uns jetzt gerade noch“, sagt Burkhard Schultz.

In Wirtschaftszweigen der Industrie können Zulieferer Druck ausüben und bessere Konditionen aushandeln, indem sie ihre Lieferungen aussetzen. Doch bei Milchproduzenten führt dieser Weg in eine Sackgasse: Die Milch wird sauer und ist am Ende wertlos. „Leider gehen viele Verbraucher nach wie vor nur mit der Devise „Hauptsache billig“ einkaufen“, sagt Daniela Lehmann. Die Landwirtschaftsmeisterin leitet die Milchproduktion in der LPDG. Für den Fortbestand der Agrarbetriebe müssen die Landwirte aber investieren. „Das muss auch beim Verbraucher ankommen. Das Bewusstsein muss sich weg entwickeln von dem Wunsch nach immer niedrigeren Verbraucherpreisen“, so Lehmann.

Milchpreis sinkt seit Ende 2018

Ende 2018 erzielte die LPDG Biesen kurzzeitig 38 Cent pro Kilogramm Rohmilch. Seitdem war der Preis wieder rückläufig und fiel im Jahresdurchschnitt 2019 unter 34 Cent. Wie bei einer Fieberkurve schlagen die monatlichen Erlöse leicht aus – mal nach oben aber überwiegend nach unten. „Wenn wir Investitionen planen, können wir diese nur mit höheren Rohmilchpreisen realisieren“, sagt Burkhard Schultz.

Trotz der niedrigen Rohmilchpreise hält die LPDG Biesen an der Milchproduktion fest. „Wir haben mehr als 500 Hektar Grünland im Bereich der Dosse und Glinze und haben eine effektive Verwertung des Grünlands nur als Futter“, so Schultz. Damit ist das Unternehmen zu 100 Prozent Selbstversorger für die Tiere. „Die Futterqualität ist gut, weil wir die Gewässer bei Trockenheit anstauen können und somit die Flächen mit Wasser versorgt sind.“

Immer weniger Milchkühe im Land

Doch landesweit geht die Anzahl der Milchkühe seit 2015 um jährlich 8000 Tiere zurück. „Es gibt inzwischen viele Dörfer ohne Nutztiere“, sagt Burkhard Schultz.

Nach wie vor ist die LPDG breit aufgestellt. Dort werden 1480 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaftet. Doch die Dürre der beiden vergangenen Sommer sorgte auch dort für erhebliche Ertragseinbußen. In guten Jahren kommen die Einnahmen je zur Hälfte aus der Milchproduktion und dem Pflanzenbau. „Schon seit vielen Jahren ist die Erlössituation in der Milchproduktion unbefriedigend“, sagt Burkhard Schultz.

Von Christamaria Ruch

21 junge Feuerwehrmitglieder gewannen eine Aktion des Kinos Astoria in Wittstock und konnten sich den Film „König der Löwen“ kostenlos anschauen. Zu verdanken haben sie das Sabina Röhl aus Biesen.

03.02.2020

Zwar sollen gut 1200 Beschäftigte der Pro-Klinik-Holding in Neuruppin rückwirkend zum Januar 2019 rund acht Prozent mehr Lohn erhalten, aber noch tut sich nichts.

03.02.2020

Nach dem Windrad-Absturz am Freitag bei Groß Haßlow: Jetzt beginnt die Ursachenforschung. Die Beräumung der Unfallstelle läuft. Warum es vor allem rund um die Rotorblätter offene Fragen gibt.

03.02.2020