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Wittstock/Dosse Ehemalige Mieter erinnern sich an alte Zeiten
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17:22 15.08.2019
Von 1970 bis 2014 hatte Regina Melzer (r.) im Eckhaus an der Kyritzer Straße gewohnt. Quelle: Christian Bark
Wittstock

Ihr Name steht noch am Klingelschild und am Briefkasten. Wohnen tut Regina Melzer aber schon fünf Jahre nicht mehr in dem Eckhaus an der Kyritzer Straße/Rosa-Luxemburg-Straße. Von 1970 bis 2014 war die Drei-Zimmer-Wohnung ihr Zuhause.

Heute sind in den Räumen Kunstwerke zu sehen. Sie stammen von Malern, Bildhauern und Installateuren des Projekts „Kunstblume“, das noch bis Oktober in dem Wohnblock ausstellt.

Unter dem Motto „Geschichten aus dem Block“ hatte „Kunstblume“, allen voran die Künstlerin Annett Glöckner, ehemalige Mieter des Hauses auf einen Kaffeenachmittag eingeladen. Einige wie etwa Regina Melzer waren der Einladung am Mittwoch gefolgt.

„Ich war zuvor mit Anwohnern ins Gespräch gekommen und dabei ist die Idee entstanden“, sagte Annett Glöckner. Amüsiert habe sie auch die Geschichte eines ehemaligen Blockbewohners über einen Nadelbaum, der inmitten eines Gebüschs vor dem Haus wächst. „Das soll mal ein Weihnachtsbaum gewesen sein, der aus dem Fenster geworfen wurde und da angewachsen sein soll“, berichtete Annett Glöckner.

Ehemalige Mieter des Eckhauses an der Kyritzer Straße trafen sich zum Erinnerungsaustausch und besuchten ihre alten Wohnungen, die heute Teil eines Kunstprojekts sind.

Die anwesenden ehemaligen Bewohner verorteten die Geschichte aber eher im Reich der Mythen und Legenden über den Block. Kurioses gab es aber trotzdem aus der über 50-jährigen Geschichte des Gebäudes zu berichten.

Bevor es 1968 von Maurerlehrlingen erbaut worden war, soll dort ein Sägewerk gestanden haben, wie sich Edelgard Hildebrecht erinnerte. Sie wohnte zwar nie in dem Block, war aber immer im Konsum einkaufen, der sich ebenfalls in dem Gebäude befand. Andere Bewohner berichteten von einer Scheune.

In Regina Melzers Wohnung stellen gerade Künstler ihre Werke aus. Quelle: Christian Bark

Für Gunhild Aggen war es 1969 ein Umzug ins „Paradies“, wie sie sagte. „Vorher hatte ich in der Innenstadt gewohnt. Da musste ich mir das Wasser immer von der nahe gelegenen Berufsschule holen“, blickte sie zurück. Wenige Monate vor ihr war schon Renate Dobslaff in den Block gezogen.

„Die Heizungen wurden über Fernwärme vom Heizwerk des Kraftfahrzeuginstandsetzungswerks betrieben“, sagte sie. Warmes Wasser erhielten die Mieter im Block dann durch Durchlauferhitzer. Immerhin befanden sich die Toiletten aber in der Wohnung und nicht Auf dem Hinterhof, wie das vielerorts damals noch üblich gewesen sei.

Krimsekt und Spanferkel im Keller

Balkone gab es zwar nicht, dafür wurde im Hof aber immer rege gefeiert, wie sich Regina Melzer erinnerte. Beim Streifzug durch die ehemaligen Kellerräume, die originellerweise mit Tapeten aus verschiedenen Zeitepochen dekoriert sind, erzählte Regina Melzer noch die Geschichte vom Spanferkel im Keller. „Das hatten wir für eine Feier geordert und erstmal im Keller verstaut“, sagte sie.

Außerdem erinnerte sie sich daran, dass eine Mitarbeiterin des Konsums auch gern mal Waren direkt in die Keller der Mieter gebracht habe. Darunter Sekt aus der Sowjetunion. „Wollen Sie auch gleich eine Flasche haben“, soll die Verkäuferin dann gefragt haben.

Gesprächsrunde im ehemaligen Konsum. Quelle: Christian Bark

So modern die Räume in den 37 Wohneinheiten auch für ihre Zeit waren, elitär soll der Block laut Regina Melzer nie gewesen sein. Die Frage Annett Glöckners, ob dort auch „Polit-Bonzen“ gelebt hätten, verneinte die Rentnerin. Sie selbst war Lehrerin gewesen. Noch ein Jahr vor Regina Melzer war schon Gunhild Aggen ausgezogen. „Es machte schon 2013 die Runde, dass das Gebäude leergezogen werden soll“, sagte die ehemalige Mieterin.

Trotzdem erinnere sie sich gerne an die Zeiten im Block. Auch Regina Melzer begrüßt, dass die leeren Wohnungen nun kurzzeitig von der „Kunstblume“ genutzt werden. Dass das Eckhaus danach abgerissen werden soll, finde sie schade. Doch zumindest jetzt ist es noch einmal mit Leben gefüllt, wie Annett Glöckner feststellte. „Man merkt förmlich die Energie“, sagte sie und lobte die „Block-Runde“ als Veranstaltung, die sich gelohnt habe.

Von Christian Bark

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