Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wittstock/Dosse Ein Inder auf der Landesgartenschau
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Ein Inder auf der Landesgartenschau
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:30 01.07.2019
Thomas Babu aus Indien mit Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann (l.) sowie Hans-Jürgen und Beatrice Franke. Quelle: Björn Wagener
Wittstock

Thomas Babu ist überpünktlich. Seinen Gastgeber will er auf keinen Fall warten lassen. So recht glauben kann er es immer noch nicht: „Ich werde vom Bürgermeister persönlich abgeholt. Das ist unglaublich, aber so nett und so menschlich“, sagt er. Wenig später begrüßen sich beide wie alte Kumpel. Jörg Gehrmann legt seinen Arm freundschaftlich um Babu. Beide strahlen.

In der Geschichte, die Thomas Babu mit Wittstock verbindet, geht es neben Freundschaft auch um eine Wittstocker Familie, Tausende Kinder, die Wittstocker Landesgartenschau, einen Wittstock-Wimpel, einen Blumengarten und einen Bison. Wie das alles zusammenpasst, kann Thomas Babu rasch auf Deutsch zusammenfassen. Doch diese Geschichte ist so viel mehr als nur ein kurzer Plausch.

Waisenkind in Süd-Indien

Thomas Babu (hinten) mit Kindern in Indien. Quelle: Privat

Sie beginnt in Süd-Indien. Thomas wächst dort als Waisenkind in einem Kinderheim auf. Er besucht die Schule und wird ein sehr guter Schüler. So gut, dass ihm später eines von sehr wenigen Auslandsstipendien angeboten wird. Er kann in Hamburg Theologie studieren – mit Archäologie im Nebenfach.

Bei Beatrice Franke aus Wittstock ist es umgekehrt. Sie studiert an der selben Uni, aber mit Archäologie im Haupt- und Theologie im Nebenfach. Bei gemeinsamen Seminaren lernen sie sich kennen, unternehmen Studienreisen nach London und Paris. Irgendwann kommt Babu nach Wittstock, um die Frankes zu besuchen. Hier lernt er auch Bürgermeister Gehrmann kennen. Der schenkt ihm einen Wittstock-Wimpel. „Er steht bei mir zu Hause im Wohnzimmer auf dem Fernsehapparat“, sagt Babu.

Heute ist aus dem Waisenkind von einst ein Mann geworden, der anderen Waisenkindern hilft – und das in beeindruckendem Umfang.

Unterstützung für Kinder

Diese Trinkwasser-Anlage in Indien wurde auch mit Wittstocker Spendengeldern gebaut. Quelle: Privat

Denn Thomas Babu (54) ist der stellvertretende Leiter eines indischen Verbundes aus 35 Zentren, in denen Kinder, die in sehr armen Familien leben oder ihre Eltern verloren haben, zur Schule gehen, eine Ausbildung absolvieren, gesundheitlich betreut und mit Essen und frischem Wasser versorgt werden. Tausende Kinder, die sonst womöglich auf der Straße leben würden, sind dort untergebracht. „Wir Menschen müssen uns gegenseitig helfen“, sagt Babu.

Das Kinderheim des Evangelischen Christlichen Missionsdienstes im südindischen Coonoor ist eine dieser Einrichtungen. Beatrice Franke ist dort 2018 zu Besuch. Sie überreicht Thomas Babu eine Spende über 120 Euro aus der heimischen Kirchengemeinde – der Erlös einer Sammelaktion. Davon werden warme Wintersachen für die Kinder gekauft. Weitere Spenden aus den Jahren 2016 und 17 fließen in die Installation einer Trinkwasseranlage. Auch kann ein Beamer angeschafft werden.

Immer in Wittstock willkommen

„Wir haben uns mal ausgemacht: Immer, wenn er in Deutschland in der Nähe ist, soll er nach Wittstock kommen, damit ich fragen kann, ob der Wimpel noch an Ort und Stelle steht“, schmunzelt Gehrmann. Schließlich ist Wittstock eine alte Bischofsstadt und Babu ein Pastor. Das passe doch bestens. Tatsächlich versucht Thomas Babu alle zwei Jahre nach Deutschland zu kommen, um Freunde und Bekannte zu besuchen, wie er sagt.

In diesem Jahr ist es ihm eine besondere Freude. Denn Gehrmann lädt ihn zur Landesgartenschau ein. Die Einladung geht per Post nach Indien. Der Bürgermeister legt noch Informationsbroschüren über Wittstock und Sämereien-Mischungen von der Landesgartenschau dazu. Letztere pflanzt Babu in seinen Garten – und aus den Samen werden prächtige Blumen und Pflanzen.

Am Tag, als der Bison kam

Dieser Bison fraß in Indien die Pflanzen aus Wittstock. Quelle: Privat

Bis zu jenem Tag, als ein Gaur auftaucht. Das sind geschützte wild lebende Bisons in Indien – und Babus Garten liegt in einem Naturschutzgebiet. Der Gaur ist so angetan von der Wittstocker Pflanzenmischung, dass er sie fast ganz auffrisst. Nur wenige Exemplare überleben.

Ein Inder snackt up platt

Beim Rundgang über die Landesgartenschau in Wittstock mit Gehrmann sowie Beatrice und Hans-Jürgen Franke wird Babu zur Glücksfee. Er zieht den Juni-Gewinner des Laga-Quiz’ des Stammtisches für Niederdeutsch und überrascht mit einem Satz auf Platt: „Wi geit di dat?“ Damit erntet er große Anerkennung.

Den Kindern in Indien wird er viel zu erzählen haben, wenn er wieder zu Hause ist.

Von Björn Wagener

Die Zinnfigurenfreunde aus Neuruppin präsentieren Kostproben ihrer Sammlerobjekte in einem Schaufenster von Radio-Schroeder in Wittstock. So wollen sie auf sich aufmerksam machen.

01.07.2019

Man kann den Joghurtbecher wegschmeißen, man kann ihn aber auch in ein Raumschiff verwandeln. Diese Idee verfolgt die Designerin Annett Glöckner in ihrem Projekt „Kunstblume“ mit Kindern. In Wittstock ist schon eine ganze Raumschiffflotte entstanden.

01.07.2019

Der Sommer hat auf Beeten, Wiesen und Blumenschauen Einzug gehalten. Strahlendes Gelb in vielen Nuancen bestimmt jetzt das Bild. Mit prachtvollen Rosenarrangements stehen die Gestalter der Hallenschau in den Startlöchern.

27.06.2019