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Wittstock/Dosse Ein Schwerverbrecher verließ eingetretene Pfade
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Ein Schwerverbrecher verließ eingetretene Pfade
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15:04 24.11.2019
60 Besucher verfolgten den Vortrag in der Heiliggeistkirche in Wittstock. Torsten Hartung erzählte im Zeitraffer seine Lebensgeschichte. Quelle: Christamaria Ruch
Wittstock

Er ist ein „von Gott verrückter Mensch.“ Torsten Hartung ist im Laufe seines Lebens auf eine andere Seite gestellt worden. „Er ist verrückt worden, also hat sich total gedreht“, sagte Pater Harold Bumann am Freitagabend in der Heiliggeistkirche in Wittstock.

„Wer ist gekommen, um einen Mörder zu sehen?“, fragte Torsten Hartung zum Auftakt seines einstündigen Vortrags. Nach einer Kunstpause fuhr er fort – sein Vortrag heißt „Gott und der Mörder“ und zielt auf seine Lebensgeschichte ab. Gut 60 Besucher aller Altersgruppen verfolgen seinen Auftritt.

Gut 60 Besucher verfolgten den Vortrag in der Heiliggeistkirche in Wittstock. Torsten Hartung erzählte im Zeitraffer seine Lebensgeschichte. Quelle: Christamaria Ruch

Torsten Hartung ist 58 Jahre alt, stammt aus Schwerin und lebt heute in Sachsen. Er erlebte eine lieblose Kindheit, in der das lebensnotwendige Urvertrauen schon zerstört wurde, als er sieben Jahre alt war.

Gewalt und Schuldzuweisungen gehörten zum Alltag. „In mir ist damals das Gefühl für Gerechtigkeit zerbrochen“, sagt er. Daraus entwickelte er eine „negative Form der Aufmerksamkeit“ und fiel durch zunehmende Aggressivität auf.

„Mit zehn hatte ich Angst, dass mein Vater mich totschlägt.“ Ein Jahr später wechselte er die Rolle des Opfers gegen die des Täters ein.

Respekt verschafft, in dem er Mitschüler verprügelte

„Wut, Zorn und Hass machten sich breit, und dann habe ich mir das erste Mal Respekt verschafft“, erinnert er sich – Respekt, indem er Mitschüler verprügelte.

Mit 18 Jahren saß er für neun Monate im Gefängnis. Dann lernte er seine erste Frau kennen. „Antje war wie ein Rollator für mich, denn ich konnte mich an ihr festhalten“, so Torsten Hartung. Dennoch geriet er immer tiefer in den Sumpf der Kriminalität. Er wurde der Kopf des mächtigsten Autoschieberrings in Europa, dem 54 Kriminelle angehörten. „Ich verdiente 90 000 Dollar pro Woche“, sagt er.

1992 kam er für 15 Jahre ins Gefängnis

Schließlich plante er drei Monate lang einen Mord, den er 1992 ausführte. Dabei räumte er einen Komplizen aus dem Weg. Danach landete Torsten Hartung für 15 Jahre im Gefängnis. Die Bibel und Jesus Christus wurden nun sein neuer Halt. „Gott gibt Chancen auf den Neuanfang“, sagte er.

Im Gefängnis lernte er den katholischen Pfarrer Erwin Probst kennen – dieser war einst in Wittstock tätig. Heute leistet Torsten Hartung ehrenamtlich pastorale Gefängnisarbeit und hilft jugendlichen Straftätern, sich wieder zu sozialisieren.

Ein bisschen wie in der Schule

Die Tragik im Leben von Torsten Hartung berührt. Dennoch wirkt der Vortrag zuweilen wie eine Schulstunde, denn immer wieder spricht er gezielt Besucher mit „Du“ an und willt Antworten auf seine Fragen.

Das wirkt befremdlich. Auch der dramaturgische und zuweilen theatralische Aufbau wären nicht nötig – denn so eine Lebensgeschichte lässt kaum jemanden kalt.

Von Christamaria Ruch

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