Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wittstock/Dosse Einbruch: Es dauert nur Sekunden
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Einbruch: Es dauert nur Sekunden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:41 26.04.2019
Polizist Robert Fischer (re.) von der Polizeiinspektion Neuruppin lässt einen Gast mit einem Schraubenzieher an einem Muster-Fensterrahmen Hand anlegen. Das Fenster wäre in Handumdrehen geöffnet. Quelle: Björn Wagener
Anzeige
Wittstock

 Es dauert nur eine Sekunde. Den großen Schraubenzieher angesetzt – und Klack, schon ist das Fenster auf. Ein Einbrecher hätte jetzt freien Zugang zur Wohnung. Zum Glück ist das Ganze nur ein Beispiel: Es soll zeigen, wie leicht es sein kann, ein Fenster aufzuhebeln. Um die Situation noch deutlicher zu machen, legt Polizist Robert Fischer nicht selbst Hand an, sondern holt sich einen Mann aus dem Publikum, drückt ihm das Werkzeug in die Hand und lässt ihn machen. Das Muster eines Fensterverschlusses gibt sofort nach.

Robert Fischer vom Bereich technische Prävention der Polizeiinspektion Neuruppin ist gemeinsam mit seinem Kollegen Lutz Strissel vom Polizeirevier Wittstock im Rathaus der Stadt zu Gast. Die Zuhörer sind überwiegend Frauen aus dem Wittstocker Frauentreff.

Anzeige

Ein Kürzel bürgt für Sicherheit

Wer es Einbrechern schwer machen möchte, sollte Fenster mit den Kürzel RC2 verwenden oder entsprechend nachrüsten. Denn diese Bezeichnung steht für einbruchhemmende Technik. Sie lässt sich sogar bis RC6 steigern. „Aber RC2 genügt in der Regel, um einen Einbrecher abzuhalten“, sagt Robert Fischer. Diese Fenster entsprächen der DIN EN 1627. Weil sich diese Nummer nur schwer merken lasse, sei RC2 der eingängigere Tipp.

Fenster und Haustüren seien bei Einfamilienhäusern die beliebtesten Angriffsziele bei Einbrechern. Bei Mehrfamilienhäusern lägen Wohnungseingangstüren und Balkontüren ganz vorn in der Statistik.

Fünf Minuten Zeit

Etwa fünf Minuten nehme sich ein Einbrecher Zeit, um in ein Haus oder eine Wohnung zu gelangen. Schafft er es in dieser Spanne nicht, gebe er meist auf. Deshalb sei es nicht nur wichtig, sichere Fenster zu haben, sondern diese auch zu verschließen, wenn niemand da ist. „Ein angeklapptes Fenster ist wie ein offenes Fenster“, sagt Fischer. Einbrecher könnten mit einfachem Werkzeug ins Haus gelangen und es ohne jegliche Einbruchsspuren wieder verlassen. Denn sie seien in der Lage, das Fenster nach ihrem Ausstieg wieder so anzuklappen wie zuvor. Das mache es für den Hausbesitzer zusätzlich schwer, den Einbruch über die Versicherung zu regeln.

Oft passiert es am frühen Abend

Die meisten Einbrüche geschehen zwischen 18 und 20 Uhr. Da sei es sehr wahrscheinlich, dass die Familienmitglieder ihren Hobbys außer Haus nachgehen. „Die klassische Arbeitszeit von 8 bis 16 Uhr gibt es heute immer weniger. Stattdessen wird flexibel oder von zu Hause aus gearbeitet.“ Das wüssten auch die Einbrecher und verließen sich deshalb nicht mehr darauf, das tagsüber niemand zu Hause anzutreffen ist.

Vorsicht am Telefon

Manchmal kommt das Böse nicht durch die Tür, sondern durchs Telefon. Falsche Polizisten melden sich und sagen, sie hätten Erkenntnisse, dass in die Wohnung des Angerufenen heute Abend eingebrochen werden soll. Deshalb sollten Wertsachen für eine Nacht in der Polizeiwache eingeschlossen werden, so der Rat. Ein Beamter werde sie abholen kommen. Wem das Ganze nicht geheuer vorkommt und in der Polizeiwache nachfragen möchte, wird gleich ein weiterer Trick untergejubelt. Ein Freizeichen wird erzeugt. Wenn der Angerufene dann die Nummer des nächsten Polizeireviers eingibt – es könnte auch eine beliebige andere sein – landet er bei einem Komplizen des Betrügers. Dieser bestätigt natürlich, dass alles seine Ordnung habe.

Immer erst auflegen

„Deshalb ist es sehr wichtig, aufzulegen und dann erst das Polizeirevier anzurufen“, empfiehlt Robert Fischer.

Solche Informationsrunden zu aktuellen Betrugsmaschen und Sicherheit im eigenen Heim veranstaltet die Polizei öfter in der Region. Auch wenn in der Runde im Wittstocker Rathaus bisher niemand Opfer eines Einbruchs oder einer Betrugsmasche geworden ist, wie eine Nachfrage bestätigt: Täter sind auch in der Region Ostprignitz-Ruppin und Prignitz immer wieder mit derartigen Tricks unterwegs.

Von Björn Wagener