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Wittstock/Dosse Teilnehmer wandern zum ehemaligen Bombodrom
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Teilnehmer wandern zum ehemaligen Bombodrom
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13:54 29.07.2019
Die Wanderung führte von Zempow aus zur Grenze des ehemaligen Bombodroms. Quelle: Verein Friedensscheune
Zempow

Zehn Jahre ist es nun her, dass das Bundesverteidigungsministerium auf das Bombodrom in der Wittstock-Ruppiner Heide gänzlich verzichtet hat. Dem voraus ging ein fast 17 Jahre langer Kampf gegen einen Bombenabwurfplatz auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz. Zahlreiche Gruppen, Privatleute und Initiativen hatten sich an dem Kampf beteiligt, darunter auch die Bürgerbewegung „Freie Heide“.

Im Rahmen des Gedenkens zu „10 Jahre Freie Heide“ finden seit Ende Juli nun insgesamt sechs Friedensgebete in Orten rund um die Heide statt. „Das erste Friedensgebet lockte etwa 20 Teilnehmer nach Dorf Zechlin“, erinnerte sich Ulrike Laubenthal an die Veranstaltung vom 21. Juli. Sie ist Vorsitzende des Vereins „Friedensscheune“ in Zempow. Der Verein will ein Dokumenationszentrum zur „Freien Heide“ schaffen. Er verwaltet unter anderem wichtige Schriftstücke und Protokolle, die im Zuge des Kampfes gegen das Bpmbodrom entstanden sind. Dem Gebet folge dann immer eine Wanderung zu wichtigen mit dem Kampf um die Freie Heide in Verbindung stehenden Punkten des jeweiligen Ortes.

Gruppenbild an der „Begehbaren Schranke" bei Zempow. Quelle: Verein Friedensscheune

Das zweite Friedensgebet fand am vergangenen Sonntag in der Zempower Dorfkirche statt. In ihrem geistlichen Impuls forderte Theologiestudentin Johanna Köster dazu auf, nicht zu vergessen, „dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist". Sie kritisierte die deutschen Waffenexporte und die Steuerung der US-Kampfdrohneneinsätze vom rheinland-pfälzischen Ramstein aus. Mit Blick auf das Bibelzitat „Schwerter zu Pflugscharen" betonte sie, „dass Krieg nicht sein soll, dass die Werkzeuge in den Händen der Menschen für die Erwirtschaftung von Nahrung und nicht für das Töten da sein sollen."

Junge Leute zeigten Interesse an der „Freien Heide“

Die anschließende Wanderung führte zum Kunstwerk „Begehbare Schranke" an der Grenze zum ehemaligen Bombodrom. Unter den gut 40 Teilnehmern befanden die deutschen und japanischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen der internationalen Jugendbegegnung des Kirchenkreises Wittstock-Ruppin, der die Veranstaltungen in Kooperation mit dem Verein „Friedensscheune“ organisiert.

Viele Teilnehmer hatten sich schon am Samstag in der Ausstellung in der Wittstocker Marienkirche über die Geschichte der Bewegung gegen das Bombodrom informiert. „Ich finde es spannend, von diesem Erfolg zu hören", sagte beispielsweise die 25-jährige Inori Nogawa aus Tokio. Überrascht sei sie darüber, dass für manche der damals Aktiven der Kampf noch nicht zu Ende ist. „Das Bombodrom ist verhindert, aber der Einsatz für den Frieden geht weiter. Das finde ich gut", sagte sie weiter.

Die 20-jährige Elisa Mauk aus Werder hat kaum eigene Erinnerungen an die Auseinandersetzungen um das Bombodrom. „Ich weiß noch, dass einmal unsere Lehrerin mit einer Freie-Heide-Fahne in den Unterricht kam und ganz begeistert erzählte, das Bombodrom sei jetzt verhindert", berichtete sie. Beeindruckt habe sie in der Ausstellung, wie lange es damals gedauert hat, bis der Erfolg eintrat, und wie viele Personen und Initiativen sich beteiligt haben. „Das war mir so nicht bewusst", so die 20-Jährige.

Nordteil der Heide soll frei zugänglich werden

Beim Picknick an der Bombodrom-Grenze konnten die Teilnehmer einen Blick in das gesperrte Gelände werfen. „Es ist schade, dass so eine schöne Landschaft nicht zugänglich ist", sagte Inori Nogawa. Ulrike Laubenthal erläuterte, was es mit der „Begehbaren Schranke" auf sich hat. Das Kunstwerk von Eva Kretschmer und Mareile Keßler gebe dem Wunsch der Zempower Bevölkerung Ausdruck, dass der Nordteil des ehemaligen Bombodroms von Munitionsresten befreit und für die Öffentlichkeit freigegeben wird.

Das nächste Friedensgebet findet am kommenden Sonntag in Dranse statt. Das Gebet beginnt ab 14 Uhr in der Dorfkirche. Im Anschluss geht es zur Mahnsäule an der Badestelle Griebsee. „Dort haben wir dann Gelegenheit, entspannt miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagte Ulrike Laubenthal.

Von Christian Bark

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