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Wittstock/Dosse Regionale Erzeuger vernetzen sich beim Essen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Regionale Erzeuger vernetzen sich beim Essen
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16:47 13.11.2018
Die Dessertlöffel waren über Fäden miteinander verbunden – man konnte also gar nicht umher, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Die Dessertlöffel waren über Fäden miteinander verbunden – man konnte also gar nicht umher, miteinander ins Gespräch zu kommen. Quelle: Christian Bark
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Wittstock

Wo könnten regionale Erzeuger, Gastronomen und Händler wohl besser miteinander ins Gespräch kommen, als bei einem gemeinsamen Essen? Mit dieser Idee hat die Regionalinitiative „Prignitz-Ruppin“ die Aktion „Gemeinsam zu Tisch“ auf die Beine gestellt.

„Wir wollten regionale Akteure in Kontakt miteinander bringen“, erklärte Simone Zeil von der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg, die die Initiative unterstützt. Für das Projekt sei man jüngst im Wettbewerb „Region Zukunft“ der Industrie- und Handelskammer Potsdam ausgezeichnet worden. Auch durch das Preisgeld ist eine Finanzierung der Aktion „Gemeinsam zu Tisch“ möglich.

Bianka Salzwedel (r.), Chefin des Hotels „Röbler Thor", servierte die Speisen mit. Quelle: Christian Bark

Die erste Veranstaltung fand am Montagabend im Wittstocker Hotel „Röbler Thor“ statt. 30 geladene Gäste aus Landwirtschaft, Handel, Fischerei, Gastronomie und Interessensverbänden nahmen an dem Essen teil.

„Als wir das Objekt 2015 übernommen hatten, war uns von vornherein klar, dass wir deutsche Küche mit regionalen Zutaten anbieten wollen“, sagte Hotelchefin Bianka Salzwedel. Seitdem arbeite das Hotel unter anderem mit Lieferanten wie den Müritzfischern, dem Hirschhof Hildebrandt aus Freyenstein, der Agrargenossenschaft Pirow und „Homemade“ aus Karstedtshof zusammen.

Simone Zeil (r.) und Linda Lezius begrüßten die Gäste. Quelle: Christian Bark

Vertreter besagter Erzeuger waren an dem Abend dabei. Sie nutzten die Gelegenheit, ihre Betriebe vorzustellen, und auch das Essen, das gereicht wurde. Den Anfang machte die Fischerei Müritz-Plau aus Mecklenburg-Vorpommern. Von ihr stammte der Barsch und die Forelle im Fischsüppchen. Mit über 3000 Hektar Bewirtschaftungsfläche sei sie Deutschlands größte Binnenfischerei, wie Prokurist Sebastian Paetsch erklärte. Durch Angebote für Feriengäste und ein Onlinefischkaufhaus habe sich der Betrieb bundesweit etablieren können.

Über den Onlinehandel hat sich „Homemade“ einen Namen gemacht. Der Familienbetrieb aus Karstedtshof bietet neben Schafen auch Produkte eines befreundeten Rinderzüchters an. Ziel von Homemade ist es von Anfang an, lokale Abnehmer für die Produkte zu finden. „Mittlerweile finden 80 Prozent unseres Geschäfts um den eigenen Kirchturm herum statt“, so Firmenmitbegründerin Eva Paulus.

Horst Hildebrandt überreichte Bianka Salzwedel das Geweih eines Damhirsches. Quelle: Christian Bark

Im „Duett von Rind und Schwein“, dem nächsten Gang, stammten die gebratenen Rindertranchen von Homemade. Bio sei das Fleisch allerdings nicht. „Die Zertifzierungskosten sind uns zu hoch und wir möchten sie ungern auf die Kunden umlegen“, begründete Eva Paulus.

Projekt will Netzwerke entstehen lassen

„Gemeinsam zu Tisch“ ist eine Aktion der Regionalinitiative Prignitz-Ruppin in Zusammenarbeit mit der Eventagentur „wild&root“ und der MAZ.

Dabei sollen sich regionale Erzeuger, Gastronomen und Händler enger vernetzen und eventuell miteinander kooperieren.

Das Projekt ist mit dem Wettbewerbspreis „Region Zukunft“ der Industrie- und Handelskammer Potsdam ausgezeichnet worden. Über die Förderung kann das Projekt umgesetzt werden.

Innerhalb des Projekts gibt es in den Hotels und Restaurants entsprechende Aktionszeiträume, wo die Gerichte von „Gemeinsam zu Tisch“ angeboten werden. Im Hotel „Röbler Thor“ läuft der Aktionszeitraum zwischen November 2018 und Januar 2019.

Die gebratenen Tranchen vom Schwein hatte die Agrargenossenschaft Pirow beigesteuert. „Es hat keinen Spaß mehr gemacht, Fleisch zu Billigbedingungen zu produzieren“, sagte Uwe Kessler. Damit kritisierte der Chef der Agrargenossenschaft den Preisdruck, den die großen Handelsketten auf die Landwirte ausüben würden. „Wir wollten auch an der Wertschöpfung teilhaben“, erklärte er. Deshalb habe man sich vor zwei Jahren auf die Zucht von Duroc Schweinen spezialisiert. Die Tiere hätten mehr Platz, ein längeres Leben und würden nicht mit Antibiotika vollgepumpt. „Und das schmeckt man dann auch“, sagte Uwe Kessler.

Während des Essens tauschten sich die Tischnachbarn untereinander aus, der Geräuschpegel nahm hörbar zu. So sprach Uwe Kessler mit Rinderzüchterin Marianne Wille vom „Preußenhof“ in Heiligengrabe. Ihr ist besonders die Regionalität wichtig, auch der Abnehmer. „Außerdem müssen die Restaurants lernen, alle Stücke vom Tier zu veredeln und sich nicht nur die Filetstücken raussuchen“, sagte sie.

Regional kann richtig lecker und zart schmecken. Quelle: Christian Bark

Es folgte ein Tischpartnerwechsel, um den Austausch fördern. „So funktioniert die Vernetzung mit Genussfaktor noch besser“, erklärte Linda Lezius von der Eventagentur „wild&root“, die das Projekt mit unterstützt.

Im folgenden dritten Gang gab es gegarten Damhirschrücken vom Hirschhof Hildebrandt. Bio ist für Hofbetreiber Horst Hildebrandt, der neben Damwild auch schottische Hochlandrinder hält, zwar ein wichtiges Aushängeschild, noch wichtiger sei aber die Regionalität.

Die Teilnehmer unterhielten sich gut. Quelle: Christian Bark

„Wenn die Hofgäste die Tiere direkt auf der Weide sehen, gibt ihnen das ein gutes Gefühl“, sagte Horst Hildebrandt. Künftig wolle der Hirschhof noch eine Rinderschlachtung installieren.

Das lila Kartoffelpüree und der sautierte Rosenkohl stammte vom Fruchtwarenhandel Ciaciuch aus Fretzdorf. Geschäftsführer Stefan Ciaciuch lobte die Veranstaltung als einen guten Schritt zur regionalen Vernetzung. Er erklärte aber auch, dass es für den Großhandel gar nicht so leicht sei, Produkte regionaler Erzeuger zu liefern.

„Oft reichen die Mengen nicht aus“, sagte er. Darüber hinaus seien zahlreiche Regionale an der „Geiz-ist-geil“-Mentalität großer Handelsketten kaputtgegangen. Deshalb empfahl er kleineren Produzenten eine Direktvermarktung ihrer Produkte.

Zum Dessert gab es vom Teetraumshop aus Neuruppin noch ein Sorbet, das die Vorfreude der Teilnehmer auf das nächste Treffen noch versüßte.

Das nächste Mal lädt „Gemeinsam zu Tisch“ am Dienstag, 19. Februar, in das Hotel Waldschlösschen nach Kyritz.

Von Christian Bark