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Wittstock/Dosse Warum die Heiligkreuzkirche entstand
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11:10 05.11.2019
Die Heiligkreuzkirche in Wittstock. Quelle: Björn Wagener
Wittstock

Dieser Moment ist ein Wendepunkt für die Katholiken in Wittstock: „Zum ersten Male nach 400 Jahren ertönt wieder ein katholischer Glockenton durch die stille Abendluft. Dies war ein sakraler Augenblick, der katholische Herzen höher schlagen ließ.“ So erlebt Eugen Lipka den Ostersamstag 1911. Erst kurz zuvor ist eine Glocke in der im Bau befindlichen Kirche angebracht worden. Die Arbeiten an dem Gebäude laufen auf Hochtouren. Am 2. Juli wird das Gotteshaus eingeweiht. Sein Name: „Zum Heiligen Kreuze“.

Heute – mehr als 100 Jahre später – trägt nicht nur die Kirche selbst den Namen Heiligkreuz, sondern die gesamte Großpfarrei mit den Gemeindeteilen Wittstock, Pritz­walk und Meyenburg. Sie hat ihren Sitz in Pritzwalk. Rund 960 Katholiken gehören ihr an.

Ein wichtiger Standort

„Die Kirche in der Ringstraße in Wittstock ist ein wichtiger Standort für uns“, sagt Harold Bumann, einer von zwei zuständigen katholischen Ordenspriestern. In Wittstock gebe es viele Aktivitäten – etwa die sonntägliche Hauptmesse oder die jeweils mittwochs stattfindenden Taizé-Gebetsabende, die allen offen stünden, nicht nur Katholiken. Auch die Sternsinger werden jeweils Anfang Januar von der Heiligkreuz-Kirche ausgesandt. So liegt der Gemeinde die Pflege des Kirchengebäudes am Herzen. „Wir haben dieses Jahr die Türen gewechselt. Nächstes Jahr soll ein neuer Innenanstrich folgen. Der ist ganz besonders nötig“, sagt Harold Bumann.

Die Bedingungen für die Gläubigen zu verbessern, sieht auch Kaplan Maximilian Lipka (1875-1922) als äußerst wichtig an, als er 1908 seine Stelle in Wittstock antritt.

Kaplan Lipka legt den Grundstein

Er soll wenig später den Grundstein für die Katholische Kirche Heiligkreuz in Wittstock legen. „Vertrauend auf die Hilfe Gottes, will ich in der alten ehrwürdigen Bischofsstadt Wittstock ein Kirchlein bauen“, so zitiert Eugen Lipka seinen Bruder in einem Artikel für die Märkische Volkszeitung. Eugen ist Stadtsekretär in Schöneberg, damals noch eine eigenständige Gemeinde bei Berlin. In dem Artikel beschreibt er die Situation, wie sie sein Bruder, der Kaplan, erlebt.

Maximilian Lipka, einst Kaplan in Wittstock und Initiator für den Bau der dortigen Heiligkreuzkirche. Quelle: Privat

Es herrschen Zustände, die dieser nicht länger hinzunehmen bereit ist. „Die Hauskapelle fasst kaum 60 Personen.

Es herrscht Lebensgefahr

Im Innern der Kapelle, wenn man diesen Namen gebrauchen kann, ist es so windig und beschränkt, dass namentlich im Sommer der Aufenthalt in ihr lebensgefährlich ist, zumal außer den ansässigen Katholiken auch noch die zahlreichen polnischen Arbeiter aus meilenweiter Umgebung vorbeikommen und bis auf die Straße hinab stehen müssen, weil der Raum zu klein ist.“ Außerdem werde der Zustand des Kapellenraums immer baufälliger. Die Decke drohe einzustürzen. All das führe dazu, dass mancher dem Gottesdienst fern bleibe und der „katholische Glaube verloren geht“, befürchtet Kaplan Lipka.

Eugen Lipka und Else Rose. Eugen Lipka, der Bruder von Maximilian, verfasste einst den Artikel über die Umstände, die zum Bau der Kirche führten. Quelle: Privat

Sein Plan, eine neue Kirche zu bauen, nimmt bald konkrete Gestalt an. „Mit Verfügung der hohen geistlichen Behörde konnte im Sommer 1910 in der Nähe des Bischofes ein Grundstück erworben werden.“

Baustart im September 1910

Im September des Jahres beginnt der Kirchenbau samt anschließendem Pfarrhaus. „Das Kirchlein ist 20 Meter lang, acht Meter breit und ist im Barockstil erbaut mit einem Türmchen von etwa 24 Metern Höhe. Auch eine kleine gebrauchte Glocke konnte beschafft werden“, schreibt Eugen Lipka in dem Artikel. Jene Glocke, die Ostern 1911 erstmals erklingt.

Eugen und Maximilian Lipka sind die Großonkel von Peter Lipka (77) aus Steinheim (Nordrhein-Westfalen).

Peter Lipkas belastende Erinnerungen

Er ging 1956 von Genthin (Sachsen-Anhalt) in die Bundesrepublik, „da ich in der DDR die Oberschule nicht hätte besuchen können. Ich war ein mittelmäßiger Schüler und mein Vater frei praktizierender Arzt.“ Der Junge landete in einem „stockkonservativen katholischen Internat, in dem es schlechtes Essen, viel Prügel und ebenso viele Kirchenbesuche gab.“ Nach sechseinhalb Jahren kam Peter Lipka „endlich frei“, wie er sagt. Heute sei er überzeugter Agnostiker.

Der Fund bei der Schwester

Als er beginnt, die Familienhistorie aufzuarbeiten, stößt er im Fundus seiner 2017 verstorbenen Schwester unter anderem auch auf den umfangreichen Artikel von Eugen Lipka rund um die Bemühungen seines Bruders um die Heiligkreuzkirche – verfasst in deutscher Kurrentschrift, „was das Ganze nicht gerade vereinfachte“, wie Peter Lipka sagt. Er ist sich trotz seiner prägenden Erlebnisse in früher Jugend heute sicher: „Wenn man eine Erziehung wie ich erlebt hat, kann man sich nie ganz vom Katholizismus frei machen.“

Von Björn Wagener

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