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Wittstock/Dosse Ärger um einen historischen Briefkasten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Ärger um einen historischen Briefkasten
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12:52 11.09.2019
Bei der Eröffnung des neuen Polizeireviers in Wittstock am 23. Mai wurde auch der historische Postbriefkasten präsentiert. Hier mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (Mitte), Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann (l.) und GWV-Geschäftsführer Hans-Jörg Löther. Quelle: Björn Wagener
Wittstock

Der leuchtend blaue historische Briefkasten am Polizeirevier in Wittstock bleibt lediglich ein Deko-Objekt. Bemühungen, die Post AG dazu zu bewegen, den Kasten als vollwertigen Briefkasten zu nutzen, der regelmäßig geleert wird, schlugen fehl. Das berichtet Hans-Jörg Löther, Geschäftsführer der Wittstocker Gebäude- und Wohnungsverwaltung (GWV).

Er hatte die Deutsche Post Mitte Juli darum gebeten, den Kasten in den regulären Tourenplan zu integrieren, „zumal auf der anderen Straßenseite ein Briefkasten in Betrieb ist. Für diese Geste wären wir Ihnen sehr verbunden“, schrieb der GWV-Chef. Er wies gleichzeitig darauf hin, dass der historische Postbriefkasten an die ursprüngliche Funktion des Hauses als Postamt erinnert, in dem sich seit Mai dieses Jahres das örtliche Polizeirevier befindet.

Gründe für die Ablehnung

Doch die Post AG lehnt es ab, diesen Kasten aus der Zeit um 1885 als echten Postkasten zu betreiben. Dafür werden gleich mehrere Gründe genannt. „Zum einen befindet sich direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite bereits ein Briefkasten, der von uns geleert wird. Zudem ist es ... leider nicht möglich, dort einen Leerungsanzeiger anzubringen.“

Der Gesetzgeber fordere, dass an jedem Kasten eine Information für die Kunden angebracht ist, aus der hervorgeht, zu welcher Uhrzeit die letzte Leerung erfolgt. „Es tut uns leid, dass wir Ihren Wunsch daher nicht umsetzen können. Danke für Ihr Verständnis.“

Kein Verständnis

Verständnis aber hat Hans-Jörg Löther dafür nicht. Die Post habe sich der alten Gebäude entledigt, die sie nicht mehr benötigte und die Kommunen damit allein gelassen. „Wir widmen uns der Post-Geschichte, machen wieder etwas aus dem Gebäude – und jetzt haben sie noch nicht einmal so viel dafür übrig, dass sie diesen historischen Postkasten leeren.“

Löther selbst hatte sich ob der postalischen Historie an diesem Ort um den Kasten bemüht und das 75 Kilogramm schwere gusseiserne Gerät sogar persönlich vom Museum für Kommunikation in Berlin abgeholt.

„Man muss sich seiner Geschichte stellen. Und man kann es auch als Werbung sehen.“ Der Kasten sei ein beliebtes Foto-Motiv, gerade zur jetzigen Landesgartenschau. „Es muss doch wohl möglich sein, so etwas zu machen, auch wenn keine große Rendite dahinter steht“, macht sich Löther Luft.

Schreiben an den Post-Vorstand

Er findet diese Absage „absurd“ und will sich mit dem Inhalt des vorliegenden Schreibens, das per Mail einging, nicht zufrieden geben. „Ich werde den Post-Vorstand anschreiben und fragen, ob da nicht eine andere Herangehensweise möglich ist.“

In Potsdam geht es

Dass es geht, wird anderswo bewiesen – etwa in Potsdam. Dort gibt

Dieser historische Postbriefkasten in Potsdam wird als solcher genutzt. Quelle: Privat

es an der Hauptpost am Platz der Einheit einen historischen Postbriefkasten gleicher Bauart wie das Exemplar in Wittstock. Der Kasten dient als ganz normaler Briefkasten – inklusive der Leerungszeiten, die außen ablesbar sind.

„Ich habe mir vor Ort bestätigen lassen, dass dieser Kasten tatsächlich in Betrieb ist“, berichtet Hans-Jörg Löther. Auch die Umstände seien ganz ähnlich. Nur wenige Schritte entfernt befänden sich herkömmliche gelbe Briefkästen. Das ist dort anscheinend – anders als in Wittstock – kein Grund, den historischen Kasten nicht zu betreiben.

Von Björn Wagener