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Wittstock/Dosse Erinnerung an die Opfer des Faschismus
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Erinnerung an die Opfer des Faschismus
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17:08 27.01.2019
Vertreter aus Politik und Gesellschaft gedachten der Opfer des Faschismus mit Blumen.
Vertreter aus Politik und Gesellschaft gedachten der Opfer des Faschismus mit Blumen. Quelle: Christian Bark
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Belower Wald

Als am 27. Januar 1945 das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit worden war, befanden sich viele Häftlinge schon auf einem anderen Leidensweg: dem Todesmarsch. Die zogen sich in den folgenden Monaten durch ganz Deutschland, im April 1945 auch durch den Belower Wald.

Carmen Lange bat um eine Schweigeminute. Quelle: Christian Bark

Deshalb erinnert die dortige Gedenkstätte „Todesmarsch“ jedes Jahr am „Holocaust-Gedenktag“ an die Opfer des Faschismus. „Deutschland hat eine besondere Verantwortung“, sagte Gedenkstättenleiterin Carman Lange am Sonntag. Gerade weil einige jetzt schon wieder von einer „Volksgemeinschaft“ reden würden. Nach einer Schweigeminute für die Opfer, legten Vertreter aus Politik und Gesellschaft Blumen am Mahnmal nieder. Darunter Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann und der Stadtverordnete Wolfgang Dost, Kerstin Zillmann von der Stadtfraktion der Partei Die Linke und die SPD-Landtagsabgeordnete Ina Muhß.

Zahlreiche Besucher nahmen Anteil am Schicksal der Opfer. Quelle: Christian Bark

Im Anschluss wurden die Besucher in das Gedenkstättengebäude zu warmen Getränken geladen, wo sie dann einem Vortrag des Historikers Falk Bersch lauschen konnten.

Er stellte seine Forschungen zum Schicksal der Zeugen Jehovas vor, von denen ebenfalls 230 KZ-Häftlinge auf dem Todesmarsch durch den Belower Wald teilgenommen hatten. „Für meine Recherchen bin ich damals auch in dieser Gedenkstätte gewesen“, berichtete er.

Jörg Gehrmann (r.) und Wolfgang Dost legten Blumen nieder. Quelle: Christian Bark

Die Zeugen Jehovas, die seinerzeit „Internationale Bibelforscher-Vereinigung“ hießen, waren schon früh von den Nationalsozialisten verfolgt und verhaftet worden. Auch deshalb, weil sie den Militärdienst verweigerten.

Der Vortrag fand eine große Zuhörerschaft. Quelle: Christian Bark

Die 230 Zeugen des Todesmarsches hatten Falk Bersch zufolge alle überlebt und in Schwerin die Religionsgemeinschaft wiederbelebt.

Falk Bersch hielt einen Vortrag über die Zeugen Jehovas als Todesmarschteilnehmer und Verfolgte in der DDR. Quelle: Christian Bark

Obwohl sie als „Opfer des Faschismus“ anerkannt gewesen waren, erfuhren sie auch in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR massive Repressalien. Als „Spione des Imperialismus“ verschrien, wurde ihnen teilweise der Opferstatus aberkannt, Verhaftungen folgten. „Einige fanden sich in den Zellen wieder, in denen sie schon zur Nazizeit hatten einsitzen müssen“, so der Historiker. 1950 wurden die Zeugen in der DDR verboten.

Von Christian Bark