Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wittstock/Dosse Zeitzeuge spricht mit Schülern über Holocaust
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Zeitzeuge spricht mit Schülern über Holocaust
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:14 06.09.2019
Rund 70 Schüler aus Wittstock und Pritzwalk sahen sich den Film an. Quelle: Christian Bark
Wittstock

Es ist zwar schon über 74 Jahre her, trotzdem lassen Leon Schwarzbaum die Ereignisse des Holocaust bis heute nicht los. Als Jude wurde er 1939 in Polen nach dem Einmarsch deutscher Truppen in ein Ghetto zwangsumgesiedelt. Später kam er in die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald und Sachsenhausen. Auf einem Todesmarsch gelangte er im April 1945 auch in den Belower Wald bei Wittstock.

Nachdem die dortige Gedenkstätte 2002 Opfer eines Brandanschlages geworden war, gab es 2003 eine erste Sternfahrt von Pritzwalker Schülern zu der Gedenkstätte. „Dort hatten die Schüler auch immer mal wieder ein Zeitzeugengespräch mit Leon Schwarzbaum erwartet“, berichtete die Gedenkstättenleiterin Carmen Lange.

Carmen Lange (l.) begrüßte Leon Schwarzbaum. Quelle: Christian Bark

Am Freitag führte der Weg die Schüler allerdings nicht in den Belower Wald, sondern in das Wittstocker Kino Astoria. Das zeigte nämlich den neu erschienenen Film über Leon Schwarzbaum „Der letzte Jolly Boy“.

Pritzwalker Schüler kamen mit dem Rad

Rund 70 Schüler der Gymnasien aus Pritzwalk und Wittstock sowie des Oberstufenzentrums Pritzwalk waren am Freitag ins Kino gekommen, um den Film zu sehen und mit Leon Schwarzbaum sowie Regisseur Hans-Erich Viet ins Gespräch zu kommen.

Rund 70 Schüler aus Wittstock und Pritzwalk sahen sich den Film an. Quelle: Christian Bark

„Wir sind mit dem Fahrrad über Sadenbeck und Heiligengrabe gekommen“, sagte Anatoli Gerbersdorf, Geschichtslehrer am Pritzwalker Gymnasium. Auch wenn die Neuntklässler, die er unterrichtet, gerade erst den Ersten Weltkrieg behandelt hätten, habe man gern die Gelegenheit genutzt, mit einem Zeitzeugen zu sprechen.

Im Film wird auf vielfältige Weise das Leben des heute 98-jährigen Leon Schwarzbaum dargestellt. Dafür war der Holocaust-Überlebende unter anderem in seine damalige Heimat Bentzin in Oberschlesien gereist. Aber auch nach Auschwitz. „Das hat mich schon sehr berührt“, sagte Leon Schwarzbaum. Aber so könne er die schreckliche Vergangenheit am besten aufarbeiten.

Im Anschluss folgte ein Filmgespräch mit Leon Schwarzbaum (r.). Quelle: Christian Bark

Seit Jahren gibt er seine Erinnerungen in Schulen, aber auch in Gefängnissen weiter. „Ich werde damit nicht aufhören zu berichten, denn sowas darf sich nie wiederholen“, betonte der Zeitzeuge vor den Schülern.

Film wird am 11. September noch mal gezeigt

Die fragten ihn unter anderem, woher er die Kraft zum Überleben genommen habe, wo er doch wusste, dass seine Familie bereits ermordet worden war. „Ich habe mir immer vorgestellt, bei meiner Familie zu sein“, sagte der 98-Jährige.

Leon Schwarzbaum trug sich in das Ehrenbuch der Stadt Wittstock ein. Quelle: Christian Bark

„Ich fand es sehr bewegend, wie er von den Schornsteinen des Krematoriums im Film berichtet hat“, sagte Lena Rehfeld. Die Neuntklässlerin aus dem Wittstocker Gymnasium bezeichnete Leon Schwarzbaum als „bewundernswert“, weil er auch im hohen Alter nicht müde werde, seine Geschichte zu erzählen.

Leon Schwarzbaum signierte das Filmplakat. Quelle: Christian Bark

Im Anschluss trug sich der Zeitzeuge noch in das Ehrenbuch der Stadt Wittstock ein und signierte das Filmplakat. Die Jolly Boys waren übrigens eine Band aus jüdischen Schülern gewesen, die Swing-Musik gespielt hatten. Der Krieg verhinderte einen im Herbst 1939 geplanten Rundfunkauftritt der Gruppe. Von den fünf Mitgliedern lebt heute nur noch Leon Schwarzbaum.

Der Film „Der letzte Jolly Boy“ wird im Kino Astoria am Mittwoch, 11. September, um 19 Uhr noch einmal gezeigt.

Von Christian Bark

Junge Sportler aus verschiedenen Schulen in Wittstock und der Gemeinde Heiligengrabe beteiligten sich am zehnten Kinder- und Jugendsportfest in Wittstock. Zu Beginn ließen die Kinder bunte Luftballons in den Himmel aufsteigen.

06.09.2019

Die AfD liegt nach der Landtagswahl in Wittstock doch nicht vorn. Die Briefwähler sind das Zünglein an der Waage. Ihre Stimmen fehlten zunächst im vorläufigen Wahlergebnis.

06.09.2019

Die für mehr als 300.000 Hähnchen geplante Mastanlage in Groß Haßlow bei Wittstock darf nicht weitergebaut werden. Das hat das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entschieden. Es ist bereits das achte Gerichtsverfahren – und wohl nicht das letzte.

06.09.2019