Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wittstock/Dosse Jungstorch verendet durch Bindegarn
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Jungstorch verendet durch Bindegarn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:42 03.08.2019
Das Leben des Tieres konnte nicht mehr gerettet werden. Es wurde von seinen Qualen erlöst. Quelle: Privat
Eichenfelde/Struck

In solchen Situationen fehlen sogar dem Ornithologen Jürgen Kaatz die Worte. Als er am Donnerstag zum Storchenhorst nach Eichenfelde gerufen wurde, bot sich ihm ein mitleiderregendes Bild. Die ortsansässige Familie Behrend hatte Kaatz verständigt, weil sie den Jungstorch schon zwei Tage lang nicht mehr im Nest beobachtet hatte.

„Nach einem kurzem Gespräch mit der Stadt Wittstock und Bauhofchef Hans-Joachim Mantey wurde uns eine Hebebühne zur Verfügung gestellt“, berichtet der Ornithologe. Nun zeigte sich das ganze Drama. „Bindegarn hatte sich um das Linke Bein des Tieres gewickelt. Der Storch konnte sich kaum noch bewegen“, so Kaatz.

Bei einem Jungstorch aus Eichenfelde hatte sich Bindegarn um das Bein geschlungen. Er erlitt unglaubliche Qualen. Quelle: Privat

Das Garn werde in der Landwirtschaft für das Zusammenhalten von Strohballen verwendet. „Die Storcheneltern müssen es vom Feld für den Nestbau aufgelesen haben“, so die Vermutung von Jürgen Kaatz. Das Material für den Nestbau suchen die Tiere in der Regel in einem Umkreis von 300 Metern rund um den Horst. Im Nest habe sich das Jungtier dann wohl mit dem Bein im Garn verheddert. Weil das synthetische Garn nicht nachgebe, habe es mit dem Wachsen des Beines dann gescheuert. So stark, dass schon eine sichtbare Nekrose vorlag, das Bein also am Absterben war.

Maden fraßen das Tier bei lebendigem Leibe auf

Das Ehepaar Behrend hatte sich sofort auf den Weg zur Wildtierauffangstation Struck gemacht. „Als sie bei uns eintrafen war der Storch bereits in sehr schlechtem Zustand“, berichtet Betreiberin Angie Löblich. Das Bein sei tatsächlich am Absterben gewesen, da sich das Bindegarn bis auf den Knochen durchgescheuert hatte, und der Knochen habe völlig frei gelegen. „Auch die Fliegen hatten inzwischen ganze Arbeit geleistet, und die abgelegten Eier an den Wunden waren bereits geschlüpft und es lag starker Madenbefall an den Wunden vor“, beschreibt sie den Zustand des Tieres.

Der Knochen war schon zu sehen. Quelle: Privat

Am Bauch habe sich eine weitere Wunde befunden, die sich durch das Liegen im Nest und wahrscheinlich durch den Versuch, sich zu befreien entstanden war. „Auch darin waren bereits Maden am arbeiten“, so Angie Löblich. „Leider konnten wir dem Storch nicht mehr helfen, und mussten ihn in der Tierklinik erlösen lassen“, sagte sie weiter.

Müll wird Tieren öfter zum Verhängnis

„Das war schon grausam zu sehen, wie ein Tier so leiden musste“, sagt Jürgen Kaatz. Einen ähnlichen Fall habe er mal vor Jahren im nahe gelegenen Dudel gehabt. „Dort wurde der Storch durch das Garn regelrecht zerschnitten“, blickt er zurück. Umso wichtiger sei es, dass solches Material nicht achtlos auf dem Feld liegen gelassen werde. Das gelte auch für anderen Müll. Eine Plastikfolie im Nest könne beispielsweise schon dafür sorgen, dass Regenwasser nicht richtig abfließt und die Jungtiere im Horst erfrieren.

Das Garn wird zum Zusammenhalten der Strohballen verwendet. Quelle: Privat

Auch Angie Struck berichtet von weiteren Fällen, in dem achtlos liegen gelassener Müll Tieren zum Verhängnis wurde. „Zur Zeit befinden sich in unserer Station zwei Störche, die sich durch Weidezaunlitzen die Flügel schwer verletzt haben“, sagt sie. Ein Storch sei darin derart verheddert gewesen, dass die Litze sich ins Fleisch gebohrt habe und mit einem Seitenschneider entfernt werden musste. „Wir haben immer wieder Vögel mit Verschnürungen durch Litzen, Bindegarn, Koppeldraht und Angelsehnen. Sie sind meist das Todesurteil für die Tiere, die sich darin verheddern“, so Angie Löblich.

Mit dem nun verendeten Tier hat Eichenfelde den einzigen Storchennachwuchs in diesem Jahr verloren. „Wollen wir hoffen, dass das Nest durch solche Umstände nicht irgendwann mal verwaist“, sagte Jürgen Kaatz.

Hier lesen Sie weiter:

>>> Neuruppiner Kinder helfen Tieren und der Umwelt

>>> Toter Wal mit sechs Kilo Plastik im Bauch gefunden

>>> Umweltverschmutzung am Obersee

Von Christian Bark

Bei der Kontrolle eines 30-jährigen Autofahrers, der an seinem Pkw einen Anhänger befestigt hatte, fiel Polizisten auf, dass die Hauptuntersuchung für den Anhänger sieben Jahre überschritten war. Darüber hinaus gab es mit dem Anhänger weitere Probleme.

02.08.2019

Seit zehn Jahren stehen im Familienzentrum „Elki“ in Wittstock Kinder und Eltern im Mittelpunkt. Freizeitangebote, Beratung und Unterstützung gehören dazu. Artisten standen bei der Jubiläumsfeier im Rampenlicht.

02.08.2019
Wittstock/Dosse Japanischer Besuch in Wittstock Abschied mit Panoramablick

Er hat schon Tradition, der Austausch zwischen jungen Leuten des Kirchenkreises Wittstock-Ruppin und der United Church of Christ in Japan. Bis Freitag weilten zehn junge Japaner in der Region. Zum Abschied beteten sie auf dem Wittstocker Marienkirchturm.

02.08.2019