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Wittstock/Dosse Kein Geld mehr vom Bund: Schwerer Schlag gegen die Demokratiewerkstatt
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11:37 08.10.2019
Sven Lippke, der Jugendbeauftragte der Stadt Wittstock, wird von einem Kamerateam des Politmagazins Monitor interviewt. Quelle: Björn Wagener
Wittstock

Der Schock sitzt tief: Die Demokratiewerkstatt verliert ab dem kommenden Jahr ihre finanzielle Basis. Das Bundesprogramm „Demokratie leben“, worüber die Werkstatt bisher nahezu vollständig finanziert wird, will ab 2020 dafür keine Mittel mehr zur Verfügung stellen. Das heißt, dann werden rund 160.000 Euro im Jahr fehlen. Diese Summe nennt Michael Rocher, Bildungsreferent der DGB Jugendbildungsstätte Flecken Zechlin, dem Träger der Demokratiewerkstatt. Es gibt sie bislang in Wittstock und Rheinsberg.

Ein Instrument wird geschwächt

Die Folge: Ein Instrument, das den Jugendlichen demokratische Abläufe näher bringt, sie an die Kommunalpolitik heranführt und ihnen Zusammenhänge deutlich macht, wird erheblich geschwächt. Bisher lädt die JBS viermal im Jahr zu Demokratiewerkstätten ein. Dann können die Jugendlichen mit Kommunalpolitikern und Stadtverordneten ins Gespräch kommen und sich verschiedensten Themen nähern – etwa Wahlen oder aktuellen Entwicklungen vor Ort. Außerdem gibt es zwischen den Treffen Workshops, Unternehmungen und Projekte. Das Ganze funktioniert so seit drei Jahren. Michael Rocher nennt das Konstrukt „praxiserprobt“.

Bindeglied zwischen Politik und Jugend

Die Demokratiewerkstätten sind dabei auch ein Bindeglied

Politische Diskussionen gehören zur Demokratiewerkstatt dazu – wie hier im Wittstocker Rathaus im Vorfeld der Landtagswahl. Quelle: Christamaria Ruch

zwischen Jugendlichen und politischen Ebenen. Das mündete gerade erst in einen weiteren Baustein, um diese Verbindung zu festigen: Die Stadtverordnetenversammlung in Wittstock hat auf ihrer jüngsten Sitzung im September einen Jugendbeauftragten im Amt bestätigt: Sven Lippke.

Am Montagabend sitzen er und seine Stellvertreterin Lea-Sophie Hirschmüller im Jugendklub C60 einem Kamerateam des Polit-Magazins Monitor gegenüber. Es geht darum, wie sie darüber denken, dass es kein Geld mehr für die Demokratiewerkstatt geben soll, vor allem im Hinblick auf den ländlichen Raum, wo Angebote für Jugendliche ohnehin dünner gesät und die Wege länger sind.

Wirklich sehr schade

„Das ist wirklich sehr schade“, sagt Sven Lippke. Die Kinder und Jugendlichen hätten mit der Demokratiewerkstatt Zusammenhänge besser verstanden und an Selbstvertrauen gewonnen. Politische Aufklärung hält er für wichtig, um die Kinder davor zu bewahren, in extremistische Bahnen abzugleiten.

Sven Lippke sieht die Demokratiewerkstatt als eine Basis, um politische Themen an Kinder heranzutragen. „Wenn sie fehlt, wird es schwierig, sie in einem anderen Rahmen dafür zu begeistern.“ Speziell auf die Region beziehen möchte er das aber nicht. Kindern eine Plattform zu bieten, sich einzubringen, sei „überall wichtig.“ Und: „Es ist schon cool, mitentscheiden zu können.“

Das gilt vor allem im Hinblick auf das neue Jugendzentrum auf dem Bahnbetriebsgelände. In vielen Gesprächen mit Politikern, Workshops und enger Zusammenarbeit mit dem Architekten Ralf Fleckenstein fertigten die Jugendlichen im Vorfeld ein Modell und erstellten Pläne für die Ausstattung ihres neuen Domizils, das demnächst eröffnet werden soll.

Erfolgreiches Engagement

Mit diesem Engagement schafften es die Jugendlichen im Juni 2018 sogar in die Finalisten-Endrunde im Rennen um den Preis „Goldene Göre“ des Deutschen Kinderhilfswerks – als einziges Jugendprojekt aus Ostdeutschland. Die Wittstocker belegten den 4. Platz.

Wenn es die Demokratiewerkstatt nicht mehr gäbe, „würde schon ein Stück weit was fehlen“, sagt Lea-Sophie Hirschmüller. „Die entscheiden über unsere Zukunft und wissen gar nicht, was wir brauchen.“

Ablehnung war Überraschung

Die Ablehnung der weiteren Mittel über das Bundesprogramm sei „eine Überraschung“ gewesen, sagt Uta Lauterbach, die Koordinatorin der Jugendbeteiligung im Landkreis. Denn der Antrag sei „innovativ“ gewesen und habe die regionale Vernetzung beinhaltet.

Die neue Situation habe weit reichende Folgen „und bringt uns in eine Zwangslage“. Denn nun stehe nicht nur hinter der Zukunft der Demokratiewerkstatt ein Fragezeichen.

Struktur gerät ins Wanken

Es fielen auch Stellenanteile für die Betreuung von Jugendlichen weg sowie Mittel für Honorare oder Fahrten. „Das bringt unsere ganze Struktur ins Wanken.“

Michael Rocher geht davon aus, dass die Demokratiewerkstatt zwar nicht ganz aufgegeben werden müsse, aber nur noch in kleinerem Umfang werde stattfinden können. Wie sich das Ganze tatsächlich entwickeln wird, müsse die Zukunft zeigen.

Das Magazin Monitor bringt den Beitrag aus Wittstock am Donnerstag, 17. Oktober, um 21.45 Uhr im Ersten.

Von Björn Wagener

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