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Wittstock/Dosse Kirchenorgel in Freyenstein wird saniert
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Kirchenorgel in Freyenstein wird saniert
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12:59 05.04.2020
Orgelbauer und Restaurator Klaus-Michael Schreiber beim Säubern der Heise-Orgel in der Kirche in Freyenstein. Quelle: Björn Wagener
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Freyenstein

Dieser Anblick ist außergewöhnlich: Die Marienkirche in Freyenstein ist voller Pfeifen. Über mehrere Lehnen der Sitzbänke hinweg erstrecken sich die viereckigen Teile verschiedenster Größen aus Kiefernholz. Bei näherem Hinsehen sind unzählige Wurmlöcher zu erkennen.

Orgelbauer Carsten Müller am ausgebauten Holzpfeifenwerk der Kirchenorgel in Freyenstein. Quelle: Björn Wagener

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Das befallene Holz wird ersetzt“, sagt Orgelbauer Carsten Müller. Gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Orgelbauer und Restaurator Klaus-Michael Schreiber, hat er die 708 Pfeifen der Orgel ausgebaut. Beide sind Mitarbeiter der Firma Alexander-Schuke-Orgelbau – eine der bekanntesten brandenburgischen Orgelbaufirmen.

Die größte noch erhaltene Heise-Orgel

Die beiden Fachleute restaurieren zurzeit das betagte Instrument. Bei dem Exemplar in der Kirche in Freyenstein handele es sich um die größte noch erhaltene von Orgelbaumeister Gottlieb Heise geschaffene Orgel Deutschlands, sagt Müller. Zudem betreibe die Alexander-Schuke-Orgelbau aus Werder/Havel heute jene Werkstatt, in der die Heise-Orgel in Freyenstein einst entstand. Das war im Jahr 1841. Mit dem Auftrag in Freyenstein pflegt die eingesetzte Firma also auch ein Stück eigene Historie.

Die Klaviatur der Heise-Orgel in Freyenstein. Quelle: Björn Wagener

Dabei geht es vor allem um die Bekämpfung des Wurmfraßes. Die größtenteils aus Kiefernholz bestehenden Pfeifen schmecken den kleinen Plagegeistern offenbar ganz besonders gut. Unzählige kleine Löcher überziehen das Holz. „Die Pfeifen sind zum Teil so stark zerfressen, dass keine Töne mehr herauskommen“, sagt Müller und bläst wie zum Beweis hinein, um einen kläglichen Ton-Rest zu erzeugen. Was so geschädigt ist, muss durch neues Holz ersetzt werden – angesichts der Menge der Pfeifen eine Mammutaufgabe.

Jede Pfeife mit Tinte beschriftet

Der Wurmfraß ist aber schon seit mehr als 100 Jahren ein Problem an der Orgel. Davon zeugen manche mit Zeitungspapier umwickelte Pfeifen. Das sollte sie zumindest ein wenig schützen. Heute sind diese Funde vor allem gute Zeitzeugnisse. Denn eine dafür benutzte Zeitung, das Berliner Tageblatt, datiert auf den 17. Oktober 1898; ein anderes Zeitungsblatt stammt vom Juli 1975.

Jede Pfeife der Heise-Orgel in Freyenstein ist handschriftlich mit Tonbuchstabe und Register beschriftet. Quelle: Björn Wagener

Bis es aber an die Restaurierung der Orgelpfeifen geht, wird der gesamte Orgelkörper zunächst gereinigt. Laut Carsten Müller sei die Technik grundsätzlich noch in einem recht guten Zustand. Die Arbeiten fördern aber auch erstaunliche Details zu Tage. So ist jede Pfeife mit Tinte beschriftet – Tonbuchstabe, Register, alles ist in geschwungener Handschrift nachzulesen. „Das ist sehr edel. So viel Mühe machen wir uns heute nicht mehr“, bekennt Müller.

Anfang Mai sollen die Arbeiten abgeschlossen sein

Doch die gesamte Restaurierung bezieht sich nicht nur auf die Pfeifen und die Reinigung der Orgel. Es geht auch um die Reparatur der Ton- und Registermechanik, die Instandsetzung der Windanlage, der Klaviatur und des Pedalklaviers sowie die Teilrestaurierung der Balganlage.

Ermöglicht wird das alles mit Hilfe von Fördermitteln aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes in Höhe von 14.500 Euro, die vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege zur Verfügung gestellt werden. „Der CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke hatte sich dafür stark gemacht“, sagt Friedhelm Kanzler von der Kirchengemeinde Freyenstein. Das habe die Hälfte der Kosten gedeckt. Außerdem haben sich der Kirchenkreis Prignitz mit 10.000 Euro beteiligt. Den Rest brachte die Kirchengemeinde Freyenstein auf.

Ausgebaute Orgelpfeifen der Heise-Orgel in Freyenstein. Quelle: Björn Wagener

Eigentlich sollte die restaurierte Orgel mit einem Orgelfest am 9. Mai eingeweiht werden. Aber daraus wird voraussichtlich nichts – wegen der Corona-Krise. Anfang Mai soll jedoch die Außensanierung der Kirche in Freyenstein beginnen.

Von Björn Wagener

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