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Wittstock/Dosse Weihnachtswichtel schneidert Kostüm aus Resten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Weihnachtswichtel schneidert Kostüm aus Resten
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11:59 21.12.2019
Eine alte Jogginghose wird zur Kniebund-Reiterhose. Quelle: FOTOS: Christian Bark
Wittstock

Seine Mutter scheint ihm viel Talent in Sachen Handarbeit vererbt zu haben. Seit seiner Kindheit schneidert, strickt und filzt Klaus Doll aus Wittstock gerne. „Meiner Klassenlehrerin habe ich zum Schulabschluss damals eine Blaumeise gestrickt“, blickt er zurück. Seit etwa elf Jahren macht sich der Wittstocker auch einen Namen als Weihnachtswichtel. „Bibo-Nikolaus“ nennt er sich dann. Seines Zeichens ist er Gardeoffizier der Nordlandwaldwichtel und darf dem Weihnachtsmann persönlich zur Hand gehen. „Zum Beispiel beim Fahren und Bewachen des Rentierschlittens“, erklärt Klaus Doll.

Eine alte Jogginghose wird zur Kniebund-Reiterhose. Quelle: Christian Bark

Als Christ bevorzugt er für den alten Bärtigen allerdings eher die Bezeichnung „Väterchen Frost“ oder „Santa Klaus“. Aus diesem Grund spielt Klaus Doll auch nicht die Rolle eines Weihnachtsmannes, sondern die eines Wichtels. Dieser hebt sich schon farblich vom durch die Coca-Cola-Werbung geprägten Rotrock ab. Klaus’ Mütze ist blau. Er hat sie selbst gefertigt – aus Resten. Upcycling nennt sich diese Form des Wiederverwertens von Dingen und Material, das sonst in der Mülltonne landen würde.

Klaus Doll hat wieder die Muse geküsst

„Ich sehe mich hier nicht als Sammler, sondern als Bewahrer“, sagt Klaus Doll. In all den Jahren habe sich schon ein gewisser Fundus angesammelt. Zufällig oder gezielt stößt der gelernte Porzellanmaler auf Trödelmärkten, bei Wohnungsauflösungen oder durch Geschenke Bekannter auf seine Stoffreste, Kleidungsstücke, Accessoires und und und. Wenn ihn die Muse küsst, macht sich Klaus Doll ans Nähen und Basteln. Aktuell ist das wieder so.

Der Gardeoffiziersorden hebt Wichtel Klaus von den anderen Nordlandwaldwichteln ab. Quelle: Christian Bark

2008 war der nunmehr 40-Jährige erstmals als Wichtel unterwegs. Damals noch in Berlin, wo er einige Jahre gelebt hatte. „In der U-Bahn haben dann Japaner Fotos von mir geschossen“, erinnert sich der Künstler. Das Kostüm von damals gibt es aber nicht mehr. Gerade entsteht ein neues. Eine Wendeweste ist das aktuelle Projekt des Wittstockers. Sie wird aus einem alten Faschingskostüm und der Hose eines Bekannten gefertigt. Apropos Faschingskostüm, das hat Klaus Doll vor Jahren auch mal entworfen. Für den Beelitzer Karneval, wie er berichtet. Die Kombi aus Storch-und Karnevalistenuniform war damals sogar mit einem Preis ausgezeichnet worden.

Die Maske im Phantom-Der-Oper-Stil hat Klaus Doll aus Pappe, Filz und Gardinenresten gefertigt. Quelle: Christian Bark

Uniformen ziehen sich wie ein roter, in diesem Fall blauer, Faden durch Klaus Dolls Kostüme. „Ich bin militärhistorisch interessiert“, erklärt der Künstler. Und im Grunde sei auch das Outfit des Weihnachtsmannes nichts anderes als eine Unform. Sie erinnert Klaus Doll beispielsweise an Reiteruniformen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Zur Ausstattung des Gardeoffiziers der Nordlandwaldwichtel gehört übrigens auch eine Tasche, ein Orden und ein Horn. In letzteres hat Klaus Doll eine Tröte eingebaut.

Skizzen für ein Karnevalskostüm. Quelle: Christian Bark

„Ich biete den braven Leuten eben ein Spezialprogramm, um ihnen eine Freude zu machen“, sagt der Künstler. Auch in diesem Jahr besuche er als Wichtel wieder Bekannte und Freunde. Über das Programm stimme er sich zuvor mit den Eltern ab. „Eine Mutti hat mich gefragt, ob wir auch gemeinsam singen würden“, sagt Klaus Doll. Deshalb werde er demnächst noch passende Liedtexte raussuchen.

Wichtelwerkstatt auf dem Adventsmarkt

Im Rahmen seiner Jugendleiterausbildung, die der Wittstocker gerade bei der Evangelischen Kirche in Neuruppin absolviert, war er in diesem Jahr auch mit einer Wichtelwerkstatt auf dem Adventsmarkt in der Klosterkirche vertreten. Mit seinem Wichtelkollegen Matze zeigte er Kindern und Eltern, wie Upcycling funktioniert. Ließ die Kleinen auch selbst Dinge fertigen und gab Gestaltungsideen weiter. „Mit Matze will ich künftig noch weitere Upcycling-Projekte auf die Beine stellen“, kündigt Klaus Doll an.

Klaus Doll (r.) und sein Mitwichtel Matze haben beim Adventsmarkt in der Klosterkirche Neuruppin eine Wichtelwerkstatt betreut. Quelle: Privat

Nun kommen aber erstmal die Festtage. Und wer dann einem blau Bemützten begegnet, kann sich wohl sicher sein, dass vor ihm „Bibo-Niko-klaus“, Gardeoffizier der Nordlandwaldwichtel, steht.

Von Christian Bark

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