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Wittstock/Dosse Der den Wind einfängt im Kunsthaus Dosse Park Wittstock
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00:27 26.05.2019
Roger Rigorth hinterlässt mit seiner Kunst Spuren rund um den Globus. Nun stellt er erstmals im Kunsthaus Dosse Park in Wittstock aus. Quelle: Christamaria Ruch
Wittstock

Wittstock Er mag poetische Bilder. Roger Rigorth fängt den Wind ein und gibt ihn im nächsten Moment wieder frei. Hoch oben in sieben Meter Höhe geraten die Windkörbe in Bewegung, schwingen sanft hin und her und sind im Einklang mit den Elementen.

Der Künstler Roger Rigorth ist derzeit im Kunsthaus Dosse Park in Wittstock tätig und stellt seine Windkörbe auf. Das Kunstwerk gehört zur Außenkunstreihe Sonnenhaus, Wolkenhaus; sie reicht bis hin zum Rasenhaus. Diese Werke verbinden das Fleckchen Erde Künstlerkolonie mit dem Rest der Welt.

Das Kunstwerk heißt „Die Windkörbe.“ „Der Titel öffnet eine Tür und erklärt das Gesamtwerk als sinnliche Wahrnehmung“, so Rigorth. Neun Windkörbe stellt er im Kunsthaus Dosse Park auf, 16 sollen es insgesamt werden. Die Objekte sind ballonartig geformt.

Der Korb aus Eiche ist mit Kokosfaser eingewoben und sitzt auf einer Douglasienstange. Quelle: Christamaria Ruch

Eiche, Douglasie und Kokosfaser gehen dabei eine Symbiose ein. Jeder Windkorb besteht aus Eichenholz, die sieben Meter lange Stange aus Douglasie. Um den ballonförmigen Windkorb windet sich Kokosfaser. „In einer Dampfkammer wird das Holz 20 Minuten mit Druck und Dampf behandelt, dann lässt es sich mehrere Minuten lang in Form bringen“, sagt Roger Rigorth. Wenn das Lignin im Inneren erstarrt, wird das Holz wieder fest und geht in seine endgültige Form über.

Die Windkörbe erinnern im weitesten Sinne an Kokons. „Die Kokonidee trägt mich seit 25 Jahren“, sagt der 54-Jährige. Dabei spielt er mit dieser ovalen bis runden Form als Grundidee seiner Werke.

Wie die Samen einer Pusteblume mit dem Wind in alle Richtungen ziehen, verbreiten sich auch Roger Rigorths Ideen über die Kontinente. Anfangs arbeitete er an Booten und stellte sie in Afrika auf, dann kamen Windlöffel und Windeier hinzu.

„Das Runde und Gebogene bedeuten auch Geborgenheit“, so Roger Rigorth. Vor zehn Jahren stellte er erstmals Windkörbe in Australien auf. Schon viel eher entstanden die ersten Windlöffel. „Es gibt immer neue Schlaglichter, das kommt von innen heraus“, so Rigorth. Seine Werke tragen eine klare Formensprache in sich: Sie sind immer geschwungen oder abgerundet und wirken stets sinnlich.

Die Windkörbe werden in eine Stahlhülse gesteckt und im Boden installiert. Quelle: Christamaria Ruch

Ist er in Asien tätig, wählt er Bambus als Werkstoff, in Europa entscheidet er sich für die Eiche. „In der Eiche stecken viel Kultur und Geschichte drin.“ Zunächst trägt Roger Rigorth die Idee einer Skulptur in sich, dann sucht er das passende Material. Scheinbar mühelos verwebt er seine Kunst mit der natürlichen Umgebung, wie etwa Kokons mit Bäumen.

Holz und Kokos mit begrenzter Lebensdauer

„Ich mag den vergänglichen Charakter, Holz und Kokosfaser haben eine begrenzte Lebensdauer, das ist der normale Weg in der Natur“, sagt Roger Rigorth. Seine Kunst im öffentlichen Raum sucht die Natur. „In Zukunft müssen wir wieder stärker die Natur berücksichtigen und ihr neue Aufmerksamkeit schenken“, sagt Rigorth.

Künstler mit der Kettensäge

Er greift zur Kettensäge und schneidet das Holz zu, dann leimt oder schraubt er den Werkstoff. Anschließend flechtet er die Kokosfaser hinein. Da steckt viel Maskulines (Kettensäge) und Feminines (Flechten) drin, „die Kultur und die Geschichte verbinden sich.“

Die Kokosfaser wird im Laufe der Zeit spröde, grau und fängt den Angriff des Wetters ein. Der Künstler lässt die Faser unbehandelt, erst damit wird die schrittweise Vergrauung des Materials sichtbar.

Roger Rigorth hat das Handwerk der Holzbildhauerei von der Pike auf gelernt. „Ich habe mich lange Zeit nicht als Künstler begriffen, aber es war eine folgerichtige Entwicklung“, sagt der 54-Jährige.

Die sieben Meter hohen Windkörbe wiegen hin und her und fangen den Wind ein. Quelle: Christamaria Ruch

Er stammt aus der Schweiz, wo er die ersten fünf Jahre seines Lebens verbrachte. Nun lebt Roger Rigorth in der Nähe von Frankfurt (Main) und zieht von dort aus seine Spuren über die Kontinente.

„Ich bin über die internationale Künstlergemeinschaft zum Kunsthaus Dosse Park gekommen“, erinnert er sich. Dabei ist er ein Grenzgänger, denn die Windkörbe befinden sich in Sichtweite zur Bahnlinie, die an das Grundstück grenzt.

„Es geht natürlich darum, dass die Kunst mit den Gebäuden korrespondiert“, sagt Roger Rigorth. Die Architektur der mehr als 220 Jahre alten Gebäude steht dabei im Dialog mit der Natur und der Kunst.

„Ich habe mich bewusst für die Geländegrenze entschieden, das wirkt besonders gut. Das Kunsthaus Dosse Park bietet Künstlern unglaubliche Chancen“, sagt er. „Dieser Ort kann Kraft entfalten und hat das Potenzial einer Künstlerkolonie“, ist sich Roger Rigorth sicher.

Das Kunsthaus Dosse Park

Das Kunsthaus Dosse Park in Wittstock ist das größte Kunsthaus zwischen Berlin und Hamburg.

Das Grundstück am Stadtrand ist 4,5 Hektar groß, umfasst zehn Häuser und bietet auf 13 000 Quadratmeter Platz für Wohn-, Atelier- und Ausstellungsfläche.

Die ersten Künstler zogen im März 2012 ein.

Mehr als 20 Künstler aus dem In- und Ausland leben und arbeiten mittlerweile dort. Sie kommen aus verschiedenen Kunstbereichen.

Das Areal entstand ab 1790. König Friedrich Wilhelm II stiftete damals das Landarmen- und Invalidenhaus.

Das Ensemble durchlief verschiedene Nutzungen: Landarmen- und Siechenanstalt, Kranken- und Pflegeanstalt, Pflegezentrum und Sozialheim und zuletzt als Wohn- und Betreuungsstätte für Menschen mit Behinderung sowie als Seniorenzentrum. Im Oktober 2013 zogen die letzten Bewohner aus.

Der Gebäudekomplex steht seit 2003 unter Denkmalschutz. cmr

Von Christamaria Ruch

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