Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wittstock/Dosse Kunsthaus Dosse Park ist Wahlheimat für Michael Faulmüller
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Kunsthaus Dosse Park ist Wahlheimat für Michael Faulmüller
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:25 03.08.2018
Michael Faulmüller arbeitet derzeit an einem multimedialen Geschichtsprojekt um den Wittstocker Tuchmacher Friedrich-Wilhelm Wegener. Quelle: Christamaria Ruch
Wittstock

Die Sprache ist mehr als nur ein Schlüssel zur Welt. Sie bedeutet Heimat und gibt Geborgenheit. Michael Faulmüller wuchs zweisprachig auf und sagt: „Meine Affinität zur Sprache kommt daher, weil ich mit der schwedischen und der deutschen Sprache aufgewachsen bin.“

Michael Faulmüller ist Germanist, Ghostrwriter und Werbetexter. Er arbeitet aber auch im Bereich Dokumentarfilm, Feature für Radio oder im Lektorat. Der 67-Jährige pendelt seit zwei Jahren zwischen Berlin-Moabit und Wittstock. Im Kunsthaus Dosse Park in Wittstock richtete er sich ein, „um eine ruhige Ecke zum Schreiben zu haben“, sagt Faulmüller. Dort schätzt er vor allem die Kontakte zu Künstlern und einem Netzwerk, das neue Impulse für seine Arbeit bringt.

„Zwei bis drei Projekte haben sich hier im Kunsthaus schon ergeben“; sagt er. Derzeit arbeitet er an einem multimedialen Projekt zur Wittstocker Stadtgeschichte. Er recherchiert zur Wirtschaftsgeschichte rund um Tuchmacher Friedrich-Wilhelm Wegener und dessen Familie. „Die Bindung zu Wittstock steigt durch die Projekte“, sagt Michael Faulmüller.

Skandinavien spielt nach wie vor eine große Rolle im Leben von Michael Faulmüller. Seine Mutter stammte aus Helsinki in Finnland, war Finnlandschwedin und gehörte zur schwedischsprachigen Minderheit in dem Land. Sie sprach Schwedisch, Finnisch und Deutsch. Mit ihrem deutschen Mann lebte sie dann zunächst in Schweden, wo Michael Faulmüller 1950 zur Welt kam. „An meinem achten Geburtstag sind wir nach München gezogen“, erinnert er sich.

Sprache war von Kind auf prägend für Michael Faulmüller

Bis heute fühlt er sich zu den Muminsbüchern von Tove Jansson hingezogen. Jansson gehörte wie Faulmüllers Mutter zu den Finnlandschweden. Sie erfand die Mumins, diese nilpferdartigen Trollwesen. Die Bücher sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt. „Diese Bücher haben mich geprägt“, sagt der Germanist. Und: „In meinem kindlichen Kopf habe ich schon die Unterschiede in den Sprachen gemerkt. Teilweise sind die Wörter nicht übersetzbar, das trägt zur Differenzierung jeder Sprache bei.“

Nach dem Abitur studierte Michael Faulmüller von 1972 bis 1978 Germanistik in Westberlin. Schon beim Studium arbeitete er nebenbei an Gutachten für Romanverlage; diese dienten als Grundlage für die Übersetzung von amerikanischer Literatur. Faulmüller schrieb Klappentexte für die anstehenden Übersetzungen. Oder er übersetzte schwedische Kinderbücher in die deutsche Sprache. Nach dem Examen begann er seine berufliche Laufbahn in der Werbebranche. „Das war eher Zufall“, sagt Michael Faulmüller.

Der Zufall gehört zu seinem Lebensweg und Naturell. Dafür steht das Wort Serendipität: Eine Methode, sich im Leben dem Zufallsprinzip zu überlassen, aber dann gezielt den weiteren Weg zu steuern. Michael Faulmüller begann in einer kleinen Werbeagentur in München. „Ich habe dort von allem etwas mitbekommen.“ Er textete, fertigte Produktionsaufträge für Lithografien, stellte Fotoverträge aus oder handelte Rabatte aus.

Als Freiberufler arbeitet er immer wieder als Werbetexter

Eineinhalb Jahre später wechselte er und durchlief die Münchener Agenturszene und die Stufen der Hierarchien. Vom Junior Texter zum Texter, dann zum Konzeptionstexter und Gestalter. „Da wird es interessant, man wirkt an der Gesamtkonzeption mit“, sagt Faulmüller. Seit 1986 ist er als Freiberufler tätig, noch heute widmet er sich den Werbetexten. Schon kurz nach dem Studium stellte er fest: „Das Werbetexten ist viel anspruchsvoller als gedacht.“

Michael Faulmüller lernte auch den Service-Journalismus kennen, eine Grauzone zwischen Journalismus und Werbung. Mit Abstand sagt er: „Die Werbung ist ehrlicher als diese Art von Verlagstätigkeit beim Service-Journalismus.“ Immer wieder lenkten glückliche Zufälle Michael Faulmüller in neue Arbeitsbereiche. Er fasste in der Investitionsgüterwerbung Fuß – heute heißt sie „B to B“ (Business to Business, deutsch: von Unternehmen zu Unternehmen).

In der Medizintechnik arbeitete er an Texten für Siemens, Fuji, Pentax oder Philips. Anfang des neuen Jahrtausends schrieb Michael Faulmüller als Ghostwriter zwei Bücher zur Krebsprävention. „Ich war damals noch Kettenraucher, aber das störte mich beim Schreiben gar nicht“, räumt er ein. Später jedoch gab er dann das Rauchen auf.

2011 ergab sich ein neuer Weg und seitdem ist Michael Faulmüller auch im Bereich Dokumentarfilm und Radiofeature unterwegs. „Ich habe aus Interesse Kurse an der Freien Filmschule in Berlin belegt“, sagt Michael Faulmüller. Er lernte den Regisseur Simon Brückner kennen, stieg in das Team zum Dokumentarfilm „Aus dem Abseits“ ein und besuchte Archive für historische Recherchen. Dieser Film beleuchtet das Schicksal von Simon Brückners Vater Peter.

Außerdem arbeitet Faulmüller als Übersetzer und Dokumentarfilmer

Er war der erste ordentliche Professor, der in Westdeutschland den 1970er Jahren aus politischen Gründen zweimal von seiner Psychologieprofessur an der Universität in Hannover enthoben wurde und Berufsverbot erhielt. Später erwiesen sich die Anschuldigungen als haltlos. „Aus dem Abseits“ erhielt beim Dokfest München 2015 den Preis als bester deutschsprachiger Dokumentarfilm. „Die Recherche ist für mich die schönste Stufe bei der Arbeit“, sagt Faulmüller.

Sein Herz hängt auch an seiner Familiengeschichte. „Es gibt noch einen Koffer in Berlin mit 1000 Briefen aus der Zeit von 1942 bis 1958. Diese waren an meine Eltern adressiert und Briefe zwischen meinen Eltern“, sagt Michael Faulmüller. Zwei Sprachen, verschiedene Handschriften und noch mehr Geschichten stecken darin. Wie er diese Briefe der Vergangenheit entrückt, steht noch nicht fest. Nun arbeitet Michael Faulmüller an einem dokumentarischen Hörspiel mit Tiefgang. Dabei stehen zwei Handvoll Briefe im Mittelpunkt, die sich um einen nie entdeckten Versicherungsbetrug aus der Zeit des Nationalsozialismus drehen.

Von Christamaria Ruch

Wittstock/Dosse Israelabend in Wittstock - Erinnerung an den Holocaust

In vielen deutschen Köpfern ist er verdrängt oder erst gar nicht bekannt – Damit der Holocaust an den Juden nicht in Vergessenheit gerät, lud die Wittstocker Blaukreuzgruppe zum Filmabend und Gespräch.

05.08.2018

Drei Wochen lang lief der Verkehr nach und von Wittstock in Richtung Autobahn über Jabel. Ab Montag soll die Baustelle am Kreisverkehr der L15 wieder passierbar sein – durch eine Behelfstraße.

05.08.2018

Ein 15-jähriger mutmaßlicher Räuber aus Wittstock verschwand in einem unbeobachteten Moment aus der Polizeidienststelle – und stellte sich nun selbst. Er soll vor einer Woche von einem 21-Jährigen zweimal Geld gefordert haben, zuletzt auch mit einem Messer in der Hand. Die Polizei stellte ihn, aber dann verschwand er.

02.08.2018