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Wittstock/Dosse Wernikow: Landwirte verschaffen sich Gehör bei CDU-Abgeordneten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse

Landwirte aus Wernikow diskutieren mit CDU-Politikern aktuelle Probleme

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13:28 19.02.2021
Hans-Heinrich und Thekla Grünhagen (v.l.) diskutierten in Wernikow mit Jan Redmann und Sebastian Steineke über aktuelle Probleme in der Landwirtschaft. Sie fordern faire Bezahlung für ihre Produkte und prangern die Billig-Mentalität in der Wirtschaft an.
Hans-Heinrich und Thekla Grünhagen (v.l.) diskutierten in Wernikow mit Jan Redmann und Sebastian Steineke über aktuelle Probleme in der Landwirtschaft. Sie fordern faire Bezahlung für ihre Produkte und prangern die Billig-Mentalität in der Wirtschaft an. Quelle: Foto: Christamaria Ruch
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Wernikow

Den Landwirten Hans-Heinrich und Thekla Grünhagen aus Wernikow brennen viele aktuelle Themen unter den Nägeln: Insektenschutz, CO2-Steuer, Blühstreifen oder ein ausreichendes Einkommen. Das haben Sebastian Steineke, Bundestagsabgeordneter, und der Landtagsabgeordnete Jan Redmann (beide CDU) bei einer Diskussion mit Grünhagens am Donnerstag in der alten Schule in Wernikow erfahren.

„Viele Landwirte stellen den öffentlichen Wert ihrer Arbeit in Frage, das macht viel von unserem Ärger aus“, sagt Unternehmer Grünhagen. Auch deshalb reiht er sich immer wieder bei Demonstrationen und Bauernprotesten ein. Egal ob vor dem Aldi-Zentrallager in Wittstock oder vor dem Bundestag in Berlin. Der Frust sei deshalb auch so groß, weil für viele Vorhaben die Investitionsgrundlage fehlt oder sich Gesetze ständig ändern. „Wer heute Ställe baut, weiß nicht, ob morgen noch die Anlagen belegt werden dürfen“, so der Landwirt.

Insektenschutzgesetz steht auch bei Landwirt Hans-Heinrich Grünhagen in der Kritik

Aktuell steht bei den Landwirten der Entwurf des bundesweiten Insektenschutzgesetzes in der Kritik. Das hat auch Konsequenzen für den weiteren Einsatz und Verbot von Pflanzenschutzmitteln. „Der Insektenschutz treibt viele um“, weiß auch Jan Redmann. „Da müssen wir im Gespräch bleiben“, so Sebastian Steineke.

Die Abgeordneten sehen mit Blick auf die neue Förderperiode der EU-Agrarpolitik 2021 bis 2027 weiteren Abstimmungsbedarf unter den Agrarministern. Auch vor diesem Hintergrund suchten beide das Gespräch zur Basis.

Bauernprotest am späten Abend des 7. Dezember vor dem Aldi-Zentrallager in Wittstock. Landwirt Hans-Heinrich Grünhagen gibt ein Interview vor der Kamera. Quelle: Björn Wagener

Hof Grünhagen in Wernikow ging Ende 1991 an den Start

Hans-Heinrich Grünhagen leitet seit 29 Jahren den Hof Grünhagen in Wernikow. Das landwirtschaftliche Unternehmen bewirtschaftet 1750 Hektar Ackerland und 200 Hektar Wald. Hinzu kommen landwirtschaftliche Dienstleistungen. Durchschnittlich 22 Mitarbeiter sind jährlich dort angestellt.

Grünhagen ist auch politisch und verbandspolitisch engagiert. „Wir bauen 14 Kulturen an, mit einem neuen Insektenschutzgesetz sind es vielleicht bald nur noch fünf“, so Grünhagen. Vor allem die Vermehrung von Pflanzkartoffeln und der Anbau von Erbsen stünden dann bei ihm auf der Kippe.

Die Kosten in der Landwirtschaft explodieren

Der Landwirt machte eine Milchmädchenrechnung auf: „Die Maschinenkosten haben sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt, die Personalkosten sind in diesem Zeitraum um 45 Prozent gestiegen, aber Mitarbeiter der Landwirtschaft haben nur geringe Chancen, um für ihre Altersvorsorge etwas zu tun“, so Grünhagen.

Eine Familienarbeitskraft verdient jährlich 31.000 Euro brutto. Nach Abzug der Sozialbeiträge, Steuern und Investitionen verbleiben 6000 Euro im Jahr. „Das macht 500 Euro monatlich, das reicht nicht mal für die Miete“, so Grünhagen. Und: „Deshalb halten es viele Landwirte nicht mehr aus und protestieren. Kleine Unternehmen gehen bei diesen Rahmenbedingungen in die Knie.“

Hans-Heinrich Grünhagen erzielt bei beregneten Kartoffelbeständen drei Mal so hohe Erträge. Quelle: Christamaria Ruch (Archiv)

Glaube an den Rechtsstaat geht verloren

Wenn Landwirte Getreide an der Börse vermarkten, haben sie Mitbewerber aus den USA oder Kasachstan. „Es ist billiger, Getreide über den Mississippi in den USA nach Rostock zu verschiffen als es von Wernikow nach Rostock zu fahren“, brachte Hans-Heinrich Grünhagen das Dilemma auf den Punkt. Und er spitzte weiter zu: „Ich verliere den Glauben an den Rechtsstaat.“

Forderung nach vernünftigen Preisen für die Produkte

Auch die Problematik der Fördermittelanträge legten Hans-Heinrich und Thekla Grünhagen auf den Tisch. Im Unternehmen sind 1,5 Mitarbeiter ausschließlich damit beschäftigt, Anträge für Förderprogramme zu stellen und auf sämtliche gesetzliche Auflagen zu achten. Gut eine Million Euro investiert Hans-Heinrich Grünhagen jährlich in Technik, wobei die Förderung dafür gegen Null geht. „Ich will keine EU-Beihilfen, sondern vernünftige Preise für unsere Produkte.“

Thekla Grünhagen ist nun ausgebildete Verkehrsleiterin. Mit ihrem Mann Hans-Heinrich hat sie damit die Zukunft des Lohnunternehmens gesichert. Quelle: Christamaria Ruch (Archiv)

CDU-Abgeordnete reden über Blühstreifen

Doch Jan Redmann und Sebastian Steinke wollten auch darüber sprechen, was in der Landwirtschaft funktioniert. Dabei zitierte Redmann die Förderung von Blühstreifen. Grünhagen hatte zuletzt 31 Kilometer Blühstreifen angelegt. „Das Problem ist, dass nur der Bestand gefördert wird und keine Erweiterung der Blühstreifen möglich ist“, sagte Hans-Heinrich Grünhagen.

„Es müssen die Blühmischungen aber auch in ausreichender Menge bereitgestellt werden“, so Thekla Grünhagen. Das Ehepaar wünscht sich bei diesem Programm mehr Flexibilität für die praktische Umsetzung.

Gutschrift für die CO2-Steuer angemahnt

Mit Blick auf die ab diesem Jahr erhobene CO2-Steuer regt Hans-Heinrich Grünhagen eine O2-Gutschrift an. „Wir zahlen 50.000 Euro CO2-Steuer im Jahr, warum wird es nicht vergütet, wenn Landwirte bei ihrer Arbeit CO2 in O2 umwandeln?“, so Grünhagen. Diese Idee findet Sebastian Steineke diskussionswürdig. Nach dem Gespräch setzen Hans-Heinrich und Thekla Grünhagen darauf, dass sie sich an der richtigen Stelle Gehör verschafft haben: „Wichtig war, dass wir über die Probleme sprechen konnten.“

 

Von Christamaria Ruch