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Wittstock/Dosse Leser entdecken die Brandenburger Aubergine
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15:30 29.03.2019
30 MAZ-Leser ließen sich von Betriebsleiter Johannes Lachmann durch die Gemüsegewächshäuser führen und bestaunten die Auberginen. Quelle: Christian Bark
Fretzdorf

So viele Anmeldungen für einen MAZ-Betriebsausflug hat es bisher noch nicht gegeben. Über 100 Interessierte hatten sich für die Besichtigung der Gewächshäuser beim Gemüseproduzenten Havelia in Fretzdorf beworben. „Sie gehören zu den 30 Glücklichen, die es geschafft haben“, begrüßte Franz-Erwin Dreschler von der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg (REG) die Leser beim Betriebsausflug.

30 MAZ-Leser besichtigten die Gewächshäuser des Fruchtanbaubetriebs Havelia in Fretzdorf. Dort wachsen neben Tomaten und Paprika auch Auberginen.

Die REG organisiert die Ausflüge zusammen mit der MAZ. Mit dabei war auch Franz-Erwin Dreschlers Kollegin, Andrea Schneider. Wie die beiden REG-Mitarbeiter mussten sich vor dem Rundgang durch die Gewächshäuser alle Teilnehmer in Schutzanzüge hüllen.

„Zur Sicherheit, damit keine Schädlinge eingeschleppt werden“, erklärte Betriebsleiter Johannes Lachmann. Seit rund zwei Jahren baut Havelia, die zur Schoonhoven gehört, in Fretzdorf Gemüse an. Neben Eiche und Wollup ist Fretzdorf damit der dritte Havelia-Standort.

Schutzanzüge und Desinfektionsmittel waren Pflicht. Quelle: Christian Bark

Auf sechs Hektar Anbaufläche gedeiht dort Paprika in allen Farben, auf zwei Hektar Tomaten und auf einem Hektar Auberginen. „Damit gehören wir zu den einzigen drei Produzenten in Deutschland, die in dem Ausmaß Auberginen anbauen“, erklärte Johannes Lachmann. In Brandenburg sei man der einzige Produzent dieser Eierfrucht.

Nahezu jeder der Leser dürfte bereits mit dem Gemüse aus Fretzdorf in Berührung gekommen sein. Denn Havelia produziert für Werder Frucht, die ihre Produkte an Handelsketten wie Edeka, Rewe, Kaufland oder Aldi verkauft.

Betriebsleiter Johannes Lachmann (l.) zeigte die Steinwolle, in der die Pflanzen wachsen. Quelle: Christian Bark

Bevor es in die Gewächshäuser ging, mussten sich alle Teilnehmer noch Hände und Füße desinfizieren, dann ging in eine Welt, in der der Frühling längst Einzug gehalten hat. „Bei uns herrschen Temperaturen von bis zu 25 Grad. Die Auberginen pflanzen wir schon ab Januar, jetzt werden sie geerntet“, sagte Johannes Lachmann. Jede Woche seien es bis zu sechs Tonnen.

Langsam reiften nun auch Paprika und Tomaten. „Im Gegensatz zu niederländischen Großproduzenten, ernten wir die Früchte erst, wenn sie reif sind“, betonte der Betriebsleiter.

Abläufe sind genau abgestimmt

Dass bei Havelia der Mythos vom Gärtner mit Strohhut und Schürze passé ist, bemerkten die Leser ziemlich schnell. „Es geht darum, die Pflanzen optimal wachsen zu lassen. Deshalb haben wir im Januar schon Frühling“, sagte Johannes Lachmann.

Auch wachsen die Pflanzen, die Havelia in den Niederlanden kauft, nicht in Erde, sondern in Steinwolle. Dabei sei jede chemische Reaktion ausgeschlossen. Unter Zugabe mineralischer Düngerstoffe sowie der Steuerung von Temperatur und Kohlenstoffdioxid- sowie der Wasserversorgung, sollen die Pflanzen optimal gedeihen. „Einzig die Sonne können wir nicht automatisch steuern“, sagte Johannes Lachmann.

Gepflegt und geerntet werden muss hauptsächlich aber von Hand. Quelle: Christian Bark

„Ich bin beeindruckt, wie industriell und professionell das hier alles funktioniert“, sagte Reinhard Krusemark, MAZ-Leser aus Neuruppin. Die Anlage habe ihn schon lange mal interessiert, nicht zuletzt weil er Johannes Lachmann persönlich kenne.

Ganz ohne natürliche Einflüsse kommen die Pflanzen allerdings nicht aus. Trotz Aufzucht im Gewächshaus, bleibt Schädlingsbefall durch Raupen oder Blattläuse nicht aus. Hier reagiert Havelia mit Nützlingen wie Schlupfwespen oder Schwebfliegen, deren Larven Blattläuse vertilgen.

In diesen Kästen leben die Erdhummeln, die die Pflanzen bestäuben. Quelle: Christian Bark

Immer wieder konnten die Besucher Erdhummeln beobachten, die durch die Stauden brummten. Sie sorgen für die Bestäubung der Pflanzen. „Nicht zuletzt, weil mehr Pollen an ihnen haften bleiben, als bei Bienen“, erklärte Johannes Lachmann.

Für die Sortierung der Ware gibt es zwar Maschinen, ein Großteil der Produktion funktioniert in Fretzdorf jedoch manuell. So müssen beispielsweise die Stränge, an denen die Pflanzen emporwachsen, regelmäßig neu gewickelt werden.

Beeindruckender Blick über die Stauden in den Gewächshäusern. Quelle: Christian Bark

„So eine Tomatenpflanze kann in der Woche bis zu 20 Zentimeter wachsen“, informierte Florian Stark, der stellvertretende Betriebsleiter. Die Pflege sei mit großem Aufwand verbunden, ebenso wie die Ernte. Aber Maschinen könnten die Früchte eben nicht so gut begutachten oder fühlen wie menschliche Mitarbeiter.

Havelia am Standort Fretzdorf

Branche: Fruchtanbau.

Produkte: Paprika, Tomaten, Auberginen

Standort:Jägerstraße 1-4, 16909 Wittstock, OT Fretzdorf

Mitarbeiter: 60, darunter 20 Deutsche, 15 Geflüchtete und 25 Polen. Im Winter 50 Mitarbeiter, in der Hochsaison im Sommer gut 100

Ausbildungsberufe: Geplant

Offene Stellen: www.havelia.de

2018 erntete Havelia eine Million Kilo Paprika, 150 000 Kilo Cocktailtomaten, 700 000 Kilo Rispentomaten und 170 000 Kilo Auberginen.

Auf 6 Hektar werden Paprika in allen Farben angebaut, auf zwei Hektar Tomaten und auf 1 Hektar Auberginen. Seit 2017 gibt es Havelia in Fretzdorf.

Die sortieren auch so manche Frucht mal aus, zum Beispiel wenn sie nicht den Normen der Europäischen Union entspricht. „Eigentlich schade, denn als Gärtner freut man sich doch über jede Ernte, egal ob sie schief und krumm ist“, sagte Rainer Boddin aus Langnow. Naschen durften er und die anderen Besucher natürlich auch mal.

Siglinde und Dieter Thurmann aus Pritzwalk durften sich wie die anderen Leser über einen Gemüsekorb freuen. Quelle: Christian Bark

„Gemüse ist genau mein Ding. Die riesigen Pflanzen hier sind der Wahnsinn“, sagte Annette Stephan aus Wittstock. Sie sei von ihrem ersten Leserausflug mächtig begeistert. Ebenso die 29 anderen Teilnehmer der Betriebsbesichtigung. „Wir werden im Supermarkt künftig genauer nach Fretzdorfer Gemüse gucken“, sagte Dietmar Thurmann, der mit seiner Frau Siglinde aus Pritzwalk gekommen war.

Und auch Rainer Boddin konnte neben einem Korb voll Gemüse einen wichtigen Tipp mitnehmen: die Spitze der Tomatenpflanzen kann man abknipsen und in feuchter Erde neu wurzeln lassen.

Von Christian Bark

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