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Wittstock/Dosse Kinder werden immer öfter kriminell
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Kinder werden immer öfter kriminell
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16:52 05.06.2018
Polizeiarbeit ist vielfältig. Das Revier in Wittstock kann in vielen Bereichen   positive Tendenzen vorweisen.
Polizeiarbeit ist vielfältig. Das Revier in Wittstock kann in vielen Bereichen positive Tendenzen vorweisen. Quelle: dpa
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Wittstock

Kinder unter 14 Jahren werden in Wittstock immer öfter kriminell. Die Polizei verzeichnet in ihrer Kriminalitätsstatistik einen sehr starken Anstieg gegenüber 2016. Gab es damals noch 28 Fälle, so wurden 2017 bereits 37 registriert. Das ist eine Zunahme von stattlichen 32,1 Prozent. Die Fallzahlen aller anderen Altersgruppen gingen zurück. Bei den Erwachsenen waren es noch 431 (2016: 462).

Diese und viele weitere Zahlen nennt Dana Hefenbrock, die Leiterin des Polizeireviers in Wittstock. Neben der Kriminalitätsentwicklung beleuchtete sie kürzlich vor den Mitgliedern des Wittstocker Ordnungsausschusses auch den Bereich Straßenverkehr und ging auf Tendenzen ein.

Ruhe in Goldbeck

Die Goldbecker haben es gut. Wer in dem kleinen Wittstocker Ortsteil wohnt, hat die besten Chancen, von Kriminalität verschont zu bleiben. Im vergangenen Jahr wurde der Polizei von dort keine einzige Straftat gemeldet. Damit konnte Goldbeck seine Bilanz weiter verbessern. Denn 2016 musste die Polizei dort noch vier Mal aufgrund von diversen Delikten anrücken. Auf der anderen Seite der Statistik steht Fretzdorf – oder besser der dortige Autohof.

Denn dort gab es 2017 die meisten Probleme: 29 Diebstähle, davon 21 aus Kraftfahrzeugen, wenn etwa die Handtasche aus dem Auto entwendet oder ein Rückspiegel abgebaut wurde. Zwölf Mal wurden Tankfüllungen nicht bezahlt, und sechs Mal kam es zur Nötigung im Straßenverkehr. Damit ist der Autohof der unsicherste Ort was die Kriminalitätsstatistik im Altkreis Wittstock betrifft. Bezogen auf die Einwohnerzahlen lag die Stadt Wittstock leicht unter dem Kreis-Durchschnitt; die Kernstadt jedoch deutlich darüber. Bei der Anzahl der registrierten Straftaten ragt die Stadt Wittstock im Kreisvergleich positiv hervor. 2017 gab es insgesamt 1101 Fälle, von denen 648 aufgeklärt werden konnten. Das sind 17,8 Prozent weniger Fallzahlen als im Jahr zuvor (1339).

„Damit können wir uns gut sehen lassen“

„Damit können wir uns gut sehen lassen“, sagt Dana Hefenbrock. Denn der prozentuale Rückgang an Straftaten war landkreisweit nirgends höher als in Wittstock. Zwar konnte auch die Stadt Neuruppin einen Rückgang vermelden, doch er lag nur bei 5,6 Prozent. Die Zahl der Fälle sank von 3026 auf 2858. Sie liegt damit im Vergleich weit vor allen anderen Regionen im Kreis. Am seltensten hingegen verschlägt es Bösewichter in die Gemeinde Heiligengrabe. Dort gab es im vergangenen Jahr 189 Straftaten, zehn weniger als 2016. Diese Tendenz gilt auch für das Amt Temnitz. Dort sank die Fallzahl von 455 auf 401.

In Goldbeck wurde 2017 keine einzige Straftat registriert. Quelle: Björn Wagener

In allen anderen Kommunen schlugen Verbrecher häufiger zu als 2016. Besonders gravierend ist der Anstieg in der Stadt Kyritz. Dort ging es von 611 (2016) auf 884 Straftaten hinauf – in der Stadt Rheinsberg von 439 auf 573; im Amt Lindow von 199 auf 259; im Amt Neustadt (Dosse) von 381 auf 436; in der Gemeinde Wusterhausen von 267 auf 321 und in der Gemeinde Fehrbellin von 560 auf 603.

Meist Diebstähle

Von den 1101 Straftaten in Wittstock waren die meisten Diebstähle. 400 (2016: 451) wurden registriert. Aufklärungsquote: 53,5 Prozent. Danach folgen sogenannte Rohheitsdelikte, also Raub, Körperverletzung oder Freiheitsberaubung. Davon gab es 211 Fälle (2016: 253), Aufklärungsquote: 93,8 Prozent. Außerdem gab es 170 Vermögens und Fälschungsdelikte (2016: 199), Aufklärungsquote: 53,5 Prozent; 117 Mal Sachbeschädigung (2016: 186), Aufklärungsquote: 38,5 Prozent; 92 Mal Betrug (2016: 119), Aufklärungsquote 58,7 Prozent und 46 Rauschgiftdelikte (2016: 44), Aufklärungsquote: 97,8 Prozent.

Politische Straftaten: Wittstock drückt den Kreisdurchschnitt

Die Zahl der politisch motivierten Straftaten im gesamten Kreis ging von 153 auf 137 Fälle zurück (Aufklärungsquote: 64 Prozent). Politische Hintergründe spielten insgesamt seltener eine Rolle als noch 2016. Dafür sorgt die stark rückläufige Entwicklung in Wittstock, die die Anstiege in den anderen Regionen wettmacht. Im Bereich der Polizeiinspektion Neuruppin waren es 61 (2016: 57) Fälle; in Bereich des Polizeireviers Wittstock 25 (2016: 59); in Kyritz 22 (2016: 21) und in Rheinsberg 29 (2016: 16). Die meisten Taten sind rechtsextrem; 15 waren es in Wittstock sowie jeweils fünf linksextreme und fünf Taten, dessen Richtung nicht zuzuordnen war. 17 der 25 Fälle konnten aufgeklärt werden.

8,3 Prozent der Straftaten in Wittstock und den Ortsteilen wurden von Ausländern begangen. Davon wiederum waren 25 Prozent Wohnungseinbrüche; 15,2 Prozent Verkehrsstraftaten und 3,8 Prozent Ladendiebstähle.

707 Verkehrsunfälle (ohne Autobahnen) ereigneten sich 2017 im Bereich des Polizeireviers Wittstock, zum dem auch die Gemeinde Heiligengrabe zählt (2016: 643). Dabei wurden in 65 Fällen (2016: 73) insgesamt 80 Menschen verletzt, aber niemand getötet (2016: 6). Allein in der Stadt Wittstock waren es 545 (2016: 509) Verkehrsunfälle; in der Stadt Neuruppin gab es 1267 Verkehrsunfälle (2016: 1155); in der Stadt Rheinsberg 284 (2016: 268) und in der Stadt Kyritz 287 (2016: 308).

Viele Wildunfälle

Landkreisweit sind 28,5 Prozent der Unfälle Wildunfälle. Ansonsten steige die Zahl der Unfälle, bei denen die Vorfahrt missachtet wurde. „Dann werden meist auch Menschen verletzt“, sagt Dana Hefenbrock. Im Polizeirevier Wittstock gab es 51 Vorfahrt-Unfälle. 29-Mal krachte es, weil zu schnell gefahren wurde; 20-Mal endete die Fahrt am Baum, und in fünf Fällen lag es am Alkohol. Es gibt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin die Tendenz, dass der Anteil junger Unfallfahrer zwischen 18 und 24 steigt, der der Senioren (ab 65) sinkt, gemessen am jeweiligen Gesamtanteil der Bevölkerung.

Von Björn Wagener