Raser in der Marktstraße Freyenstein
Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wittstock/Dosse Ruf nach Verkehrsberuhigung in Freyenstein
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Ruf nach Verkehrsberuhigung in Freyenstein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:43 22.01.2020
Während der Ortsbeiratssitzung in Freyenstein. Quelle: Björn Wagener
Anzeige
Freyenstein

Der Ortsbeirat in Freyenstein plädiert für eine Tempobegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde innerorts. Das wird als beste Lösung angesehen, um Raser im Zaum zu halten. Das wurde auf der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates in dieser Woche mitgeteilt.

Hintergrund sind Beschwerden von Einwohnern, dass es vor allem in der Marktstraße – der Ortsdurchfahrt – ein erhebliches Problem gebe, weil Autos dort zu schnell fahren.

Anzeige

Angst um Sicherheit der Kinder

Eine junge Mutter, die erst kürzlich nach Freyenstein gezogen ist, berichtete, dass sie Angst um die Sicherheit ihrer Kinder habe. Autos, aber auch Busse oder landwirtschaftliche Fahrzeuge „brettern an den Häusern vorbei“, dass die Wände wackeln. Deshalb sei eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde auch gut für die Gebäudesubstanz.

Für die Kraftfahrer habe das sogar einen Vorteil: Sie müssten nicht länger aufgrund wechselnder Tempo-Vorgaben zwischen 30 und 50 beschleunigen und bremsen. Ganz ähnlich sieht das der Wittstocker Stadtverordnete Hans-Herbert Gutz. „An bewohnten Straßen sollte generell Tempo 30 gelten“, findet er.

Schwer durchsetzbar

Die Ortsvorsteherin Christa Ziegenbein gibt zu bedenken, dass eine Temporeduzierung im Ort nur schwer durchzusetzen sei. Sie verweist auf jüngst vergebliche Bemühungen in der Perleberger Straße und in der Rheinsberger Siedlung in Wittstock.

Dort hatte die Fraktion SPD/Grüne der Stadtverordnung Ende 2019 eine Begrenzung auf Tempo 30 beantragt, konnte sich damit aber nicht durchsetzen.

Schon damals hatte der Ordnungsamtsleiter Holger Schönberg auf ein grundsätzliches Problem hingewiesen: Eine solche Beschränkung sei laut Straßenverkehrsordnung nur möglich, wenn besondere örtliche Verhältnisse eine Gefahrenlage darstellen, die das allgemeine Risiko erheblich übersteige. Das sei – angesichts weitaus höherer üblicher Verkehrsbelastungen in Großstädten – nicht darstellbar.

Verkehrsaktion als Vorschlag

Dennoch wollen die Freyensteiner nicht aufgeben. Der Stadtverordnete Hans-Herbert Gutz schlägt eine spezielle Verkehrsaktion vor: Zeitweilig absichtlich versetzt geparkte Autos sollen die Kraftfahrer auf der Marktstraße zum Bremsen zwingen. „Ich glaube schon, dass das eine Verkehrsberuhigung mit sich brächte“, sagt er. Ob und wann so etwas stattfinden könnte, ist noch offen.

Freyenstein: Blick in die Marktstraße. Quelle: Björn Wagener

Laut Christa Ziegenbein habe man sich mit der Polizei darüber verständigt, künftig mehrere Geschwindigkeitskontrollen in kurzen Abständen in Freyenstein stattfinden zu lassen. „Es ist wichtig, dafür zu sorgen, dass Tempo 30 erst einmal dort eingehalten wird, wo es schon gilt.“

Andrea Müllenberg glaubt nicht, dass eine Tempo-30-Beschränkung den gewünschten Erfolg brächte. Vielmehr würden Kraftfahrer immer wieder Gas geben, wenn sie die Gelegenheit dazu sehen.

Sanierung auf lange Sicht

Die Marktstraße – eine Landesstraße – soll perspektivisch saniert werden. Wittstocks Bauamtsleiter Bernd Hamann geht aber davon aus, dass nicht vor 2022 damit begonnen wird. Für die Freyensteiner steht fest: So lange wollen sie nicht auf veränderte Bedingungen warten.

Eine kleine Veränderung gab dieser Tage in der Marktstraße aber doch – allerdings im ruhenden Verkehr. Es wurden zusätzliche Schilder „eingeschränktes Halteverbot“ angebracht, was in der Runde auf Kritik stieß: „Warum ist das geschehen? Damit Kraftfahrer besser rasen können?“, fragte Hans-Herbert Gutz.

Nur zur Klarstellung

Dazu erklärt Mathias Wittmoser, Leiter des Amtes für öffentliche Sicherheit und Verkehr: „Die neue Beschilderung ändert die bestehende Situation nicht, sondern dient lediglich ihrer Klarstellung.“ Dabei gehe es um den Gültigkeitsbereich, der von einer kleinen, namenlosen Gasse unterbrochen, aber nicht aufgehoben wird. Die ergänzende Beschilderung sei auf Initiative der Stadt Wittstock angebracht worden, so Mathias Wittmoser.

Von Björn Wagener

Anzeige