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Wittstock/Dosse Salbe rühren im „Grünen Klassenzimmer“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Salbe rühren im „Grünen Klassenzimmer“
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12:35 05.06.2019
In einer kleinen transportablen Küche im Wittstocker Burghof stellen die Schüler der Heiligengraber Gemeinschaftsschule Ringelblumensalbe her.
Wittstock

Pommes, Ketchup oder Gummibärchen – das kannten die Menschen im Mittelalter nicht. Doch wovon ernährten sie sich eigentlich? Die Schüler der vierten bis sechsten Jahrgangsstufe der Gemeinschaftsschule im Kloster Stift zum Heiligengrabe haben gemeinsam mit ihren Lehrern versucht, das herauszufinden.

Das Projekt, das über mehrere Wochen läuft, ist Bestandteil der Aktion das „Grüne Klassenzimmer“. Während der Landesgartenschau 2019 finden verschiedene Veranstaltungen im Hof der alten Wittstocker Bischofsburg statt. Das Programm umfasst mehr als 50 Angebote in verschiedenen Themenfeldern, die sich unter anderem mit dem Klimawandel, der Ernährung, dem Thema Plastik und der Gesundheit beschäftigen.

Kulinarische Reise in vergangene Zeiten

Organisiert und durchgeführt wird das „Grüne Klassenzimmer“ von der „Grünen Liga Berlin“ Die Schüler aus Heiligengrabe haben bereits viel Wissenswertes über vergangenen Zeiten gelernt.

Die 12-jährige Rieke Neumann kennt sich bereits bestens aus mit der menschlichen Entwicklung – mit Jägern und Sammlern, der Steinzeit und dem Mittelalter. „In der letzten Woche haben wir über Heilpflanzen gesprochen“, erzählt sie.

Salbe rühren Quelle: Cornelia Felsch

Bei dem Projekt geht es aber nicht nur um theoretisches Wissen. In den vergangenen Stunden haben die Schüler bereits vier Beete zu verschiedenen Epochen angelegt, auf denen viele Pflanzen wachsen, die die Menschen in früheren Zeiten benötigten: Schwarzwurzeln, Saubohnen, Wilde Möhre, Knoblauchrauke, Physalis, Pastinaken, Zwiebeln, Einkorn, Himbeeren und Preiselbeeren gedeihen dort.

Auf dem Speiseplan der Jäger und Sammler standen gesammelte Pflanzen und Fleisch. Sie aßen Beeren, Pilze, Vogeleier, Nüsse und Wurzeln. Später wurde Ackerbau und Viehzucht betrieben. Getreidesorten wie Einkorn und Emmer kamen hinzu, auch Bohnen und Linsen wurden vermehrt angebaut.

Salbe aus Ringelblumen und Olivenöl

Die Menschen kannten sich aber auch gut mit Kräutern aus und lernten Tinkturen und Salben herzustellen. Wie das funktioniert, erfuhren die Schüler aus Heiligengrabe von der Berliner Apothekerin Julia Grundmann. In kleinen Schraubgläsern wurden getrocknete Ringelblumenblüten in Olivenöl eingelegt.

Am Montag war es nun so weit – die ätherischen Öle aus den Blütenblättern sind nach vielen Tagen in das Speiseöl übergegangen. „Wer weiß denn noch, was wir beim letzten Mal in die Gläser gefüllt haben“, fragt Stephan Lehmann vom gemeinnützigen Verein Stattwerke .

Der heute in Neuruppin ansässige Verein, der 1981 in Berlin gegründet wurde, fördert ökologisch orientierte Projekte in Berlin und Brandenburg und begleitet auch diese Aktion. „Ringelblumen und Olivenöl!“ kommt es wie aus der Pistole geschossen.

Rühren mit Geduld und Bienenwachs

Durch ein Sieb gießen die Schüler nach Anleitung der Apothekerin das Öl in kleine Messbecher. „Später geben wir dann Bienenwachs hinzu, das aber erst in heißem Wasser geschmolzen werden muss“, erklärt Julia Grundmann. Doch warum Bienenwachs? „Es hat gute Fließeigenschaften und die Salbe wird nicht so schnell ranzig“, sagt die Apothekerin.

Das grüne Klassenzimmerr auf der Landesgartenschau. Quelle: Cornelia Felsch

Etwas Geduld müssen die Schüler aufbringen, bis die Wachsperlen geschmolzen sind. Eine exakt abgewogene Menge der weißen Flüssigkeit gießt die Apothekerin in das Öl. „Nun müsst ihr sofort emsig rühren, mindestens eine viertel Stunde, bis die Masse homogen wird“, sagt sie.

Doch was bedeutet homogen? „Die Salbe muss gleichförmig sein und darf keine Klümpchen mehr enthalten“, sagt Julia Grundmann. Die Klümpchen wollen trotz emsigen Rührens nicht verschwinden und so müssen die Gläser nochmals in das heiße Wasserbad.

Gummibärchen sind weniger gesund

Stephan Lehmann hat für diesen Tag im Grünen Klassenzimmer noch ein weitere Aktion vorbereitet. aus seiner Tasche holt er eine Holzwaage und zahlreiche Holzklötze. „Das sind Ernährungs- und Bewegungsbausteine“, erklärt er. So kann man feststellen, wie man Ernährung und Bewegung in Einklang bringen kann.

Die Ernährungsbausteine sind je nach Energiegehalt des darauf abgebildeten Essens unterschiedlich hoch und schwer. „So können wir feststellen, welche Lebensmittel für uns am gesündesten sind und welche nicht so wirkungsvoll sind.

Nach Gummibärchen zum Beispiel hat man schnell wieder Hunger.“ Für einen langen Tag auf der Landesgartenschau sind sie also nicht so geeignet, zumal im Anschluss noch die Beete gehackt und gegossen werden müssen.

Von Cornelia Felsch

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