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Wittstock/Dosse So wacker meisterten die Radler die komplett verregnete erste Etappe der Tour 2019 rund um Wittstock
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse So wacker meisterten die Radler die komplett verregnete erste Etappe der Tour 2019 rund um Wittstock
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20:45 16.05.2019
Das Radlerfeld: Gute Laune im Regen. Quelle: Matthias Anke
Wittstock

9, 10, 11, 12, 13. Okay. Auch keine schöne Zahl, Glückszahl erst recht nicht. Aber die Wettervorhersage gibt eben keinen anderen Temperaturverlauf und auch keinen größeren Höchstwert her. Und regnen könnte es ziemlich sicher auch noch.

Also sind die, die trotz dieser nicht unbedingt guten Aussichten auf den Wittstocker Marktplatz strömen, bestens gerüstet. Zum Glück, wie sich zeigen wird.

In Wittstock 402 Fahrradfahrer trotz mieser Wettervorhersage am Start

„Gänsehaut hat man immer“, sagt Oberstleutnant a.D. Wolfgang Engel, Tour-Mann der ersten Stunde, der nur eine einzige in den jetzt insgesamt 22 Jahren verpasste. Er meint damit jedoch nicht das Wetter: „Jede Tour genieße ich“, sagt er auf der Bühne, wo Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann diese 2019er Runde eröffnet und Engel als einen der Tour-Initiatoren ausdrücklich würdigt vor den 402 offiziell registrierten Radlern. Die Dunkelziffer liegt wie immer um einiges höher.

Der Startschuss fällt. Ein Stoßgebet nach oben: „Petrus, gib’ mir Fünf!“ Diese laut Vorhersage fünf Grad sollten ja wohl drin sein.

Eine Etappe im Regen, und trotzdem waren alle gut gelaunt. Das geht nur bei der Tour de Prignitz. Der Auftakt rund um Wittstock war also sozusagen feucht-fröhlich – und das nicht nur im übertragenen Sinn. Aber sehen Sie selbst.

Doch wir starten plötzlich bei nur sieben. Macht schon Mal Minus zwei. Plus eine Nieselwand, die sich auf dem Weg Richtung Dranse in den Weg stellt und in unaufhörlichen Regen übergeht.

Die Landschaft wird nur kurz etwas heller bei Groß Haßlow. Eine Industrieanlage zieht dort viele Radlerblicke auf sich. Ist das also der vor Jahren für mehrere Millionen Euro in den märkischen Sand gesetzte und nie in Betrieb genommene Hähnchenmastkomplex?

Wenige Meter weiter folgt die auf der Betonmauer fast schon verwitterte, aber noch immer riesige Erklärung dazu: „Massentierhaltung stoppen! Wittstock contra Industriehuhn.“

Trocken nur in der Schmeling-Halle und auf dem Daberturm-Gelände

Schon wird Dranse passiert. Das warme Mittagessen in der Sewekower MAZ-Schmeling-Halle naht. Könnte man so gelten lassen, oder?

Die Tour de Prignitz gibt es schließlich seit 1997 schon. Und Veranstalter ist von Beginn an die MAZ – klar: zusammen mit Antenne Brandenburg. Sie haben dabei wieder wie seit vielen Jahren die Unterstützung ihrer Partner von der AOK Nordost und der Volks- und Raiffeisenbank Prignitz. In diesem Jahr gehört erstmals Lotto Brandenburg zu den Unterstützern der Tour.

Zurück zur Etappe: An allen anderen Tagen im Jahr heißt sie natürlich Max-Schmeling-Halle. Diese und wenig später beim Kulturstopp auch das Daberturm-Gelände bieten den Radlern die einzigen wenigen warmen und vor allem trockenen Minuten das Tages.

Wenn Enten Fahrrad fahren

Ansonsten wird aus nass nur noch nasser. Klitschnass sozusagen. Beim kurzen Bogen durchs Mecklenburger Land vor allem. Dort stellt sich die Frage schon gar nicht mehr, ob es nun bei einem Bad im Glambecksee oder nebenan im Kiever See ein feuchteres Gefühl wäre.

Nein: Noch wässeriger ist es ganz klar auf dem Sattel. 401 Mitfahrer können das bestätigen. Sie strampeln sich mit Füßen vorwärts, denen zusehends Schwimmhäute wachsen. Eine Ente hinter der anderen fährt Fahrrad.

Mit so fluffigen Sprüchen hält sich der Schwarm bei Laune. Oder so: „Ist nur eine Husche, gleich vorbei“, ruft einer. Eine Stunde später hat sich nichts geändert. „Ist nur eine Husche, gleich vorbei“, ruft ein anderer. Und so weiter.

Der Weg ist diesmal nicht das Ziel

Derweil lösen sich die Mitschriften für diesen Text auf. Nichts ist mehr lesbar. Nur ein Satz lässt sich noch erahnen: „Der Weg ist das Ziel.“

Aber, nein, verdammt! Das ist er diesmal nicht. Das Ziel ist das Ziel.

Und das lautet Wittstock an diesem Donnerstag. Den Gesichtern im Feld ist dort am Ende abzulesen, wie glücklich alle sind, endlich angekommen zu sein. Mancher scheint so glücklich zu sein wie wohl noch nie zuvor ein anderer in der Tour-Geschichte.

Diesen Freitag ist nun Perleberg das Ziel. Und da bleibt eigentlich nur noch eines zu sagen: Gib’ alles, Petrus!

Von Matthias Anke

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