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Wittstock/Dosse Mit dem Spurensicherer von Neuruppin am Tatort
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Mit dem Spurensicherer von Neuruppin am Tatort
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00:20 05.01.2019
Spurensicherer Ronald Scholz bei Ermittlungsarbeiten nach dem Brand einer Gartenlaube in Wittstock. Quelle: Björn Wagener
Wittstock

Alles ist verkohlt – nichts mehr zu retten. Überall nur noch schwarze Reste. Ronald Scholz bewegt sich mit vorsichtigen Schritten, eine Kamera in der Hand. Hier hat bis vor kurzem noch eine Gartenlaube gestanden. Bis sie eines Abends im Dezember 2018 lichterloh in Flammen stand. Ronald Scholz zieht ein verbranntes Stück Holz hervor und macht Fotos. „Das Feuer brach im hinteren Bereich aus und zog sich nach vorn durch“, sagt er. Diesen Schluss zieht er aus der Spurenlage.

Sie ist sein Geschäft. Ronald Scholz ist Spurensicherer bei der Allgemeinen Kriminaltechnik (AKT) der Polizei in Neuruppin. Er arbeitet im Schichtsystem – Früh, Spät, Nacht. Sein Einsatzgebiet: die Landkreise Ostprignitz-Ruppin, Prignitz, manchmal sogar das Havelland.

Immer nach schlimmen Vorfällen

Brand, Einbruch, Diebstahl, Todesermittlungen: Hinter den Haustüren, an denen Ronald Scholz klingelt, ist kurz zuvor immer

Spurensicherer Ronald Scholz an seinem Dienstfahrzeug. Quelle: Björn Wagener

etwas Schlimmes passiert. Und manchmal geht es auch in den Garten. Wie an jenem grauen Vormittag in Wittstock. Immerhin: Der Hergang ist in diesem Fall schnell rekonstruiert. Der Gartenbesitzer und dessen Nachbar sind vor Ort. Letzterer erzählt, dass er seinen kurz zuvor im Internet erstandenen Kalträucherofen Marke Eigenbau in der Laube in Gang gesetzt habe. Dass er den Ofen nicht im eigenen Garten anheizte, habe mit den besseren Bedingungen beim Nachbarn zu tun gehabt. Man helfe sich eben – ganz normal in einer Gartenkolonie, stimmen Laubenbesitzer und Räucherer überein.

Die Sache ist klar: Der Brand ging vom Räucherofen aus. So ist der Job des Ermittlers vor Ort rasch erledigt. „Frohes Aufräumen noch“, wünscht er den Betroffenen zum Abschied.

Das geht ratzfatz

Die häufigste Brandursache? Darauf will sich Ronald Scholz nicht festlegen. Aber eine offene Flamme, ein Luftzug – und schon könne es passieren: „Zum Beispiel ein Adventskranz brennt explosionsartig. Das geht ratzfatz.“ Hohe Sachschäden entstünden zudem, wenn Erntetechnik im Sommer Feuer fängt oder Autos mutwillig in Brand gesetzt werden.

Oft ist Ronald Scholz aber auch nach Einbrüchen vor Ort. Ein solches Erlebnis treffe viele Menschen tief in ihrem Inneren. Da gehe es längst nicht nur um den Sachschaden. „Wenn persönlicher Schmuck gestohlen oder auch Wäsche auseinandergefleddert wurde, dann wollen die Leute oft nicht mehr in dieser Wohnung leben“, sagt Ronald Scholz. Gerade ältere Menschen seien da sehr empfindlich.

Ein Arsenal von Hilfsmitteln

Um den Tätern buchstäblich auf die Spur zu kommen, verfügt Ronald Scholz über ein ganzes Arsenal von Hilfsmitteln und

Blick in den Kleintransporter mit seinen vielen Hilfsmitteln und Ausrüstungsgegenständen. Quelle: Björn Wagener

Werkzeugen, die seinen Dienstwagen, einen Kleintransporter, füllen. Auf den ersten Blick sieht es hier fast wie in einer Werkstatt aus: Da finden sich unter anderem eine Axt, eine Astschere, ein Spaten, eine Eisensäge oder Hammer und Meißel. Außerdem fallen viele polizeiliche Spurensicherungsgeräte ins Auge: DNA-Stäbchen, Geräte zum Abziehen von Schmauchspuren, Gelantinefolie zum Sichern von Fußabdrücken oder auch der altbewährte Gips, der ebenfalls zu diesem Zweck eingesetzt wird.

Mit all diesen Dingen werden zwar die meisten, aber nicht alle Fälle bearbeitet. Sind die Möglichkeiten von Ronald Scholz oder seinen Kollegen von der AKT ausgereizt, kommt die Zentrale Kriminaltechnik (ZKT) ins Spiel. Sie kümmert sich um jene Fälle, bei denen die Täter nicht unter einem Jahr Freiheitsstrafe erwartet, wenn sie ermittelt werden.

Ein ganz besonderer Fall

Kriminalhauptkommissar André Neumann von der ZKT in Neuruppin erinnert sich an einen ganz speziellen Fall, der mit Hilfe der Spurensicherung nach rund 16 Jahren aufgeklärt werden konnte. Dabei geht es um den Überfall auf die Sparkasse in Meyenburg (Prignitz) im Januar 1991. Damals wurde ein Zeuge erschossen. „Es war der erste Banküberfall mit Todesfolge in den neuen Bundesländern“, sagt Neumann. Das Medieninteresse sei entsprechend groß gewesen. Zuletzt wurde der Fall am 23. Dezember 2018 in der Fernsehsendung „Anwälte der Toten“ noch einmal beleuchtet.

Die Polizeiarbeit hatte zunächst ins Leere geführt. Im Juni 1993 sei der Fall „ausermittelt“ gewesen. Das heißt: Die Beamten hatten ihre Möglichkeiten ausgeschöpft und die Ermittlungen eingestellt. „Irgendwann muss man sich geschlagen geben. Dann kann nur noch die Zeit für uns arbeiten“, sagt Neumann. Und richtig: Im November 2006 habe die Polizei einen Hinweis auf eine Person erhalten, die sich mit einem Banküberfall gebrüstet hatte. Die Recherchen ergaben, dass es sich um den Banküberfall in Meyenburg handeln musste.

Ermittlungen wurden wieder aufgenommen

Die Ermittlungen wurden wieder aufgenommen, alle Spuren von damals noch einmal untersucht, wobei auch die inzwischen weiterentwickelte Kriminaltechnik zum Einsatz kam. Ergebnis: In der damals sichergestellten Strumpfmaske fand sich eine Hautzelle, deren DNA einem polizeibekannten Berufsverbrecher aus Uelzen zugeordnet werden konnte. „Er hatte sich inzwischen als Kneipier zur Ruhe gesetzt.“ Das Urteil erging am 5. August 2008: Lebenslänglich.

Beim Brandenburgischen Landeskriminalamt (LKA) gebe es spezielle Ermittler, die sich alte Fälle noch einmal vornehmen und dabei so verfahren, als handele es sich um neue.

Nochmal ganz von vorn

„Die Ermittlungen beginnen dann noch einmal ganz von vorn“, so André Neumann. Zudem verfüge das LKA über eine der ZKT übergeordneten Tatortgruppe, die sich um ganz besondere Fälle kümmert. Dann gehe es unter anderem um Explosionen oder spezielle Brandermittlungen.

„Krimis? So etwas gucke ich mir nicht an“, sagt Ronald Scholz. TV-Ermittler hätten bestenfalls in Ansätzen etwas mit realer Polizeiarbeit zu tun. Aber das ärgert den Spurensicherer nicht. „Es ist eben Unterhaltung.“ Seit sechs Jahren ist Scholz bei der AKT, vorher war er bei der Schutzpolizei. „Es ist eine sehr interessante und abwechslungsreiche Arbeit“, sagt er. Und dass ihm die Fälle eines Tages ausgehen könnten, sei ebenfalls nicht zu befürchten.

Von Björn Wagener

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