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Wittstock/Dosse Pflegekräfte sprechen über Platt bei der Arbeit
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11:16 10.04.2019
Ulrich Gäde, Heidi Mohrling und Ingrid Meckelburg (v.l.) liehen 2016 für die plattdeutsche CD „Platt helpt – Platt is cool“ ihre Stimmen. Quelle: Christamaria Ruch
Wittstock

Eine Tagung zum Thema „Plattdüütsch in de Pleeg“ (Plattdeutsch in der Pflege) steht am Freitag, 3. Mai, von 11 bis 16 Uhr im Rathaus in Wittstock bevor. Der Bundesrat för Nedderdüütsch (Bundesrat für Niederdeutsch) und der Verein für Niederdeutsch in Brandenburg arbeiten als Veranstalter Hand in Hand.

Auf der Tagung sind Plattsprecher aus fünf Bundesländern vertreten; sie repräsentieren jeweils ihr Bundesland im Bundesrat für Niederdeutsch. Das Brandenburger Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur unterstützt die Tagung finanziell. Aus diesem Grund fiel die Wahl des Veranstaltungsortes auf Wittstock.

100 Plätze stehen zur Verfügung

„Wir möchten mit der Tagung unsere Aktivitäten aus den vergangenen Jahren bündeln und einen neuen Schub für die Zukunft geben“, sagt Heidi Schäfer aus Sewekow. Die Tagung richtet sich an Mitarbeiter in der Pflege und ist zugleich offen für alle weiteren Interessenten. Die Teilnahme ist kostenfrei. 100 Plätze stehen zur Verfügung.

Heidi Schäfer engagiert sich von der kommunalen bis zur Bundesebene für Plattdeutsch. Sie hofft auf viele Besucher bei der Tagung im Wittstocker Rathaus. Quelle: Christamaria Ruch

Heinrich Siefer, Sprecher des Bundesrates för Nedderdüütsch, wird den Hauptvortrag zum Thema „Plattdeutsch in der Pfege – Überblick und aktueller Stand“ halten. Wichtige Bausteine der Tagung sind Themen wie biografisches Arbeiten – Berücksichtigung in der Pflege, Erfahrungsaustausch zur Arbeit mit plattdeutschen Wörterbüchern in der Pflege oder Plattdeutsch in der Pflegeausbildung. Bei der Tagung wird außerdem ein Erfahrungsbericht zum Einsatz von Muttersprache in sorbischen Pflegeheimen zu hören sein.

Ein neues Buch wird präsentiert

Eine Premiere erlebt das Erinnerungsbuch „Weetst du noch?“ (Weißt du noch?) vom Bundesrat för Nedderdüütsch und dem Verein ­Oldenburgische Landschaft als gemeinsamer Herausgeber. Das Buch wird bei der Tagung erstmals öffentlich vorgestellt. „Das Brandenburger Kulturministerium hat das Buch finanziert“, sagt Heidi Schäfer aus Sewekow. In diesem Buch stehen Hilfestellungen für Gespräche im Gesundheits- und Pflegebereich. Das Buch wird dem Pflegepersonal kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Heidi Schäfer aus Sewekow gilt als Motor und Akteurin für Plattdeutsch in der Region Wittstock sowie auf Landes- und Bundesebene. Sie sitzt gemeinsam mit Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann im Vorstand des Landesvereins Niederdeutsch. Schäfer vertritt Brandenburg im Bundesrat für Niederdeutsch.

Lern-CD „Platt helpt – Platt is cool“

2015 startete das Wittstocker Projekt „Platt in der Pflege“ als Brandenburger Pilotprojekt. Seit 2017 liegt ein auf die Pflege zugeschnittenes plattdeutsches Wörterbuch und eine Lern-CD unter dem Titel „Platt helpt – Platt is cool“ in einer Auflage von 1000 Stück für die Brandenburger Plattsprecher vor. Das Brandenburger Sozialministerium stellte dafür die finanziellen Mittel bereit.

Buch und CD entstanden am Stammtisch für Niederdeutsch bei der Volkshochschule in Wittstock. Ingrid Meckelburg, Heidi Mohrling und Ulrich Gäde liehen für diese Aufnahmen ihre Stimmen. Die CD senkt die Hemmschwelle, Plattdeutsch in der Pflege anzuwenden. Sie sollen langfristig in ganz Brandenburg in Krankenhäusern, Pflegediensten und medizinischen Fachschulen verteilt werden und zum Einsatz kommen.

Gespräche auf Platt als Türöffner

Platt ist eine Verbindung zu den Patienten. „Wir möchten damit auch etwas für diese Patienten tun, ihnen Geborgenheit geben und sie in ihrer Erstsprache respektieren“, sagt Heidi Schäfer. Ein Aufenthalt im Krankenhaus oder in einer anderen Pflegeeinrichtung zählt zu den seelischen Notsituationen. Ein Gespräch auf Platt kann zum Türöffner in der Pflege werden und hat damit eine Schlüsselfunktion.

Die KMG-Kliniken in Wittstock öffneten sich 2015 diesem Projekt und unterstützen es seitdem. Arbeiterwohlfahrt und Volkssolidarität in Wittstock nutzen ebenfalls diesen Sprachansatz in der Pflege und ­beobachten die positiven Wirkungen.

Kinder- und Lehrbücher in plattdeutscher Sprache

Ursprünglich war bei der Tagung am 3. Mai in Wittstock der Hauptvortrag über Plattdeutsch und Demenz sowie Schlaganfall geplant. „Es wird immer wieder beobachtet, dass Patienten mit diesen Krankheitsbildern in ihre Erstsprache zurück fallen“, sagt Heidi Schäfer. Dennoch: Für dieses Phänomen fehlen bisher der wissenschaftliche Beweis und Studien, die das untermauern. Aus diesem Grund konnte auch kein Neurologe für einen Vortrag gewonnen werden, teilt Schäfer mit.

Bei der Tagung werden außerdem an einem Büchertisch Fachliteratur, Kinder- und Lehrbücher in plattdeutscher Sprache vorgestellt und zum Verkauf angeboten.

Wer Interesse an der Tagung „Plattdüütsch in de Pleeg“ am Freitag, 3. Mai, von 11 bis 16 Uhr im Rathaus in Wittstock hat, kann sich bis zum 23. April per E-mail über info@niederdeutschsekretariat.de anmelden. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Von Christamaria Ruch

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