Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wittstock/Dosse Zarte Bande zur Universität geknüpft
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Zarte Bande zur Universität geknüpft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
10:38 12.02.2020
Hans-Herbert Gutz (vorn) führt die kleine Gruppe durch Freyenstein. Neben ihm: Nina Gribat von der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus. Hintere Reihe: Martin Bünning, Christoph Muth und Friedhelm Kanzler (v.l.). Quelle: Björn Wagener
Anzeige
Freyenstein

Studenten der Brandenburgischen Universität Cottbus (BTU) werden vorerst nicht in Freyenstein aktiv werden. Allerdings sind erste zarte Bande zwischen dem Ortsteil und der BTU geknüpft. Möglicherweise könnten Studenten im Sommersemester 2021 mit einer „Mikro-Aktion“ eines der vielen leer stehenden Geschäftsräume im größten Wittstocker Ortsteil kurzzeitig neu beleben und damit auf das Potenzial aufmerksam machen, das derzeit brach liegt. Das hat Christoph Muth in Aussicht gestellt. Er ist der wissenschaftliche Mitarbeiter von Nina Gribat, die das Fachgebiet Stadtplanung an der BTU leitet.

Auftakt mit Stadtrundgang

Beide besuchen am Dienstagnachmittag Freyenstein auf Einladung

Die Bäckerei Wolfenberg schloss 2001. Nur die Ausstattung erinnert noch an früher. Quelle: Björn Wagener

von Hans-Herbert Gutz. Er ist Linker Stadtverordneter in Wittstock und lebt seit August 2018 in Freyenstein. Gemeinsam mit ihm sowie Martin Bünning, dem Amtsleiter für Stadtentwicklung in Wittstock, und Friedhelm Kanzler, dem ehemaligen Wittstocker Bauamtsleiter und Vertreter der Evangelischen Kirchengemeinde in Freyenstein, unternehmen die Gäste einen Rundgang durch das Städtchen – mit Schwerpunkt Marktstraße. Ortsvorsteherin Christa Ziegenbein stößt kurzzeitig hinzu. Gemeinsam schauen sie sich die ehemalige Bäckerei Wolfenberg an. „Wir haben sie aus Altersgründen 2001 aufgegeben und danach einige Jahre verpachtet“, berichtet Adelheid Wolfenberg. Heute steht die Bäckerei leer – wie viele andere ehemalige Geschäftsräume in Freyenstein.

Erfahrungen aus Golzow

Um das zu ändern, nimmt Hans-Herbert Gutz Kontakt zur

Während des Gesprächs nach dem Rundgang: Nina Gribat und Christoph Muth von der BTU Cottbus. Quelle: Björn Wagener

Universität auf, weil diese mit einem Projekt ein Ladengeschäft in Golzow im Oderbruch fördert. „Studierende haben ein Konzept dafür entwickelt. Wir waren auch vor Ort und haben Möbel gebaut“, berichtet Nina Gribat. Inzwischen habe sich das Umfeld „schon ein bisschen entwickelt“.

Vor diesem Hintergrund erhofft sich Gutz ein ähnliches Engagement für Freyenstein. Seine Idee: Studenten könnten Konzepte für die Wiederbelebung von leer stehenden Läden im Städtchen entwickeln und diese vor Ort beispielhaft präsentieren. Daraus könnten beiden Seiten einen Nutzen ziehen – die Studenten Erfahrungen sammeln und die Stadt neue Ansätze gewinnen.

„Grundsätzlich interessieren uns Entwicklungsmöglichkeiten in ländlichen Gebieten“, sagt Nina Gribat.

Schwieriges Terrain

Freyenstein sei jedoch schon aufgrund seiner Entfernung zu

Hans-Herbert Gutz (2.v.l.) beschreibt in der Runde seine Vorstellungen für Freyenstein. Links: Friedhelm Kanzler. Quelle: Björn Wagener

Cottbus ein schwieriges Terrain. Den Hauptgrund für die Zurückhaltung hinsichtlich möglicher Aktivitäten vor Ort beschreibt Nina Gribat so: „Die meisten Gebäude befinden sich in Privateigentum. Damit sind die Steuerungsmöglichkeiten gering.“ Und um ein Konzept zu erarbeiten, das die Vielzahl von Privateigentümern, mit ins Boot holt, „dafür sehe ich in Freyenstein noch nicht die nötige Entwicklungsdynamik“.

Gribat und Muth ermutigen die Freyensteiner jedoch, sich an Dorfwettbewerben zu beteiligen. Daraus erwüchsen oft Impulse für die eigene Stadtentwicklung. Erste Kontakte dahingehend werden ausgetauscht.

Erst die Markthalle entwickeln

Der Markthalle bescheinigen die beiden Besucher großes Potenzial. „Sie sollten sich erst einmal auf deren Entwicklung konzentrieren,

Die Markthalle in Freyenstein. Hier werden jeweils samstags regionale Produkte angeboten. Zudem dient sie als Veranstaltungsort. Quelle: Björn Wagener

bevor Sie neue Projekte in der Marktstraße angehen“, sagte Nina Gribat an Gutz gerichtet. Die Markthalle könne eine „Initialzündung“ sein – eine Keimzelle, aus der heraus sich womöglich andere Aktivitäten entwickeln, die wiederum den Identitätsprozess von innen fördern können. Dazu sei es wichtig, lokale Netzwerke zu gründen oder zu stärken. Die eigene Entwicklung müsse die Bürgerschaft selbst voranbringen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis war schon 2016 die Entwicklungsanalyse für Freyenstein von Stadtplaner Henrik Michalski gelangt. „Sie wurde aber nicht weiter verfolgt, weil sich die Stadt Wittstock danach auf die Vorbereitung der Landesgartenschau konzentrierte, die 2019 stattfand“, sagte Friedhelm Kanzler.

Nicht in Privathand geraten lassen

Für Hans-Herbert Gutz ist es äußerst wichtig, dass die Markthalle nicht in Privathand gerät. Denn dann wäre sie als „Bürgerhaus“ für Freyenstein verloren. Sein Vorschlag: Die Markthalle könnte von einer Bürgergemeinschaft für einen geringen oder gar symbolischen Preis von der Stadt erworben werden. Diese Gemeinschaft müsste aus Vertretern verschiedenster Gewerke bestehen, die die Immobilie baulich in Schuss bringen und als Entgelt dafür Gebäudeteile oder Wohnungen erhalten.

An seiner Idee die leeren Geschäftsräume in der Marktstraße an einem Tag zu öffnen, hält Gutz fest. „Vielleicht wäre das innerhalb eines Festes möglich, um zu zeigen, wie Freyenstein dort aussehen könnte.“

Inwieweit die BTU das Städtchen auf seinem Weg künftig begleiten wird, bleibt abzuwarten. Beide Seiten wollen aber Kontakt halten.

Von Björn Wagener

Die Verhandlungen um bessere Löhne für Mitarbeiter von McDonald’s & Co. dauern schon eine Weile. Nun steht eine neue Runde an. Wenn diese scheitert, könnte es auch in Ostprignitz-Ruppin zu Streiks in der Branche kommen.

11.02.2020

Das alte Bahnhofsgebäude in Wittstock ist jetzt eine Bürgerberatungsstelle. Am Dienstag wurde die neue Einrichtung von Landrat Ralf Reinhardt und Bürgermeister Jörg Gehrmann eröffnet.

11.02.2020
Bevölkerungsentwicklung - Wittstock verliert leicht an Einwohnern

Wittstock hat 2019 weiter an Lebensqualität gewonnen, aber leicht an Einwohnern verloren. Hauptgrund dafür ist allerdings nicht die Abwanderung.

11.02.2020