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Wittstock/Dosse Freyensteiner Uhrmacher hat wegen Corona mehr Zeit für antike Stücke
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Freyensteiner Uhrmacher hat wegen Corona mehr Zeit für antike Stücke
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10:03 10.04.2020
Der Uhrmachermeister Frank Stahmleder will sich in der Corona-Krise verstärkt der Reparatur von Antikuhren zuwenden.
Der Uhrmachermeister Frank Stahmleder will sich in der Corona-Krise verstärkt der Reparatur von Antikuhren zuwenden. Quelle: Christian Bark
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Freyenstein

Wegen der aktuellen Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie musste auch Frank Stahmleder sein Uhren- und Schmuckgeschäft in der Wittstocker Kettenstraße schließen. „In Wittstock habe ich einen Totalausfall. Meine Mitarbeiterin musste ich in Kurzarbeit schicken“, berichtet der Uhrmachermeister.

Seine Werkstatt in Freyenstein, wo Frank Stahmleders Großvater den Betrieb 1924 ursprünglich mal gegründet hatte, betreibt er aber weiter. Dort widmet sich der Uhrmachermeister auch der Reparatur antiker Uhren, die oft schon weit über 100 Jahre alt sind. „Mein Vater hatte sich schon zu DDR-Zeiten darauf spezialisiert“, sagt Frank Stahmleder.

Ein Stück Uhrmachergeschichte im Freyensteiner Werkstattschaufenster. Quelle: Christian Bark

Bei manchen Objekten wie bei einer 110 Jahre alten Wandpendeluhr eines Kunden aus Mecklenburg, begegnet er sogar den Initialen seines Vaters. „Die Uhr war schon fünfmal hier zur Reparatur. Hier sehen wir auch ein Reparaturzeichen meines Vaters“, deutet Frank Stahmleder auf die Rückseite des Ziffernblattes.

Die alten Uhren faszinieren den Uhrmachermeister immer wieder. Viele hätten ihre eigenen Geschichten. Einen Regulator habe er beispielsweise in Reparatur, der laut seinem Besitzer schon die Bombenangriffe auf Dresden 1945 unbeschadet überstanden hat.

Mit den antiken Uhren hat Frank Stahmleder bisher noch einige Tage gut zu tun. Quelle: Christian Bark

„Man braucht aber auch etwas Zeit, um sie zu reparieren“, erklärt Frank Stahmleder. Die Zeit fehle ihm im normalen Alltag oft. Deshalb gebe es bei den Antikuhren eine Prioritätenliste, die sich an den Bedürfnissen der Kunden orientiere. „Mit den vorhandenen Uhren hier in der Werkstatt habe ich bestimmt noch knapp zwei Wochen gut zu tun“, so Frank Stahmleders Schätzung.

In dem Zusammenhang betont der Uhrmachermeister, dass er durch die Krise nun also die Zeit habe, sich diesen alten Schätzen zuzuwenden. Für Kunden sei das also eine gute Gelegenheit, die alte Standuhr von Uroma oder auch eine filigrane Damentaschenuhr aus der Kaiserzeit vorbeizubringen und vom Uhrmachermeister abholen zu lassen.

Auf dieser 110 Jahre alten Wandpendeluhr hatte schon Frank Stahmleders Vater sein Reparaturzeichen hinterlassen. Quelle: Christian Bark

Dennoch hofft Frank Stahmleder, sein Geschäft in Wittstock bald wieder öffnen zu dürfen. Und vor allem, nach dem Ende der Pandemie seine Tochter Katrin wieder in die Arme schließen zu können.

Verständnis für die Einschränkungen

Die Kulturmanagerin arbeitet für das Kulturamt des Bezirks Spandau und lebt in Berlin. Zu ihren Eltern hält sie täglich Kontakt über das Telefon und einen Videochat. „Ostern werden wir uns dieses Jahr leider nicht besuchen können“, sagt sie. Doch zumindest gebe es viele digitale Kontaktmöglichkeiten: so etwa über den Nachrichtendienst Whatsapp, bei dem in der speziell eingerichteten Familiengruppe auch kleine Videokonferenzen möglich sind.

Über Video-Live-Aufzeichnungen will Frank Stahmleder auch seine Mutter an den Familienfreuden teilhaben lassen, wie er ankündigt. Diese lebe in einem Pflegeheim und könne derzeit nicht besucht werden.

Mit seiner Tochter Katrin aus Berlin chattet Frank Stahmleder täglich. Quelle: Christian Bark

Verständnis für die Maßnahmen und dass sie dieses Ostern ihre Familie nicht besuchen kann, hat Katrin Stahmleder allerdings. „Das Letzte, was ich will ist, meine Familie anzustecken“, betont sie.

Sorgen macht sich die Kulturmanagerin derzeit vor allem um die vielen freischaffenden Künstler, die jetzt und in den kommenden Wochen im Bezirk ihre Auftritte gehabt hätten. „Das ist eine schwierige Situation, denn wir wissen nicht, ob sie spielen und so auch ihre Honorare bekommen können“, sagt sie.

Über eine Whatsapp-Gruppe ist eine kleine Videokonferenz mit der Familie möglich. Quelle: Christian Bark

Katrin Stahmleder engagiert sich zudem in einem Kulturprojekt, in dem jetzt versucht wird, Künstler mit Soforthilfeangeboten in Kontakt zu bringen.

Mit ihren Eltern wird sie über die Osterfeiertage wieder über Webcam und Telefon in Verbindung treten, wie sie ankündigt. Nach Ostern will sich Frank Stahmleder dann wieder den antiken Uhren zuwenden und hofft auf weitere gute Stücke mit interessanten Geschichten dazu.

Kontakt zu Frank Stahmleder ist unter der Telefonnummer 03394/445728 sowie per Email an f.stahmleder@web.de möglich.

So funktioniert die neue MAZ-Plattform

Online-Bestellungen, Gutscheine, Lieferservice: Viele Kleinunternehmer wehren sich jetzt mit kreativen Ideen gegen die Krise. Dies bekannt zu machen, ist Ziel von „Zusammen stark“.

Händler und Geschäfte können ihre Angebote in ein Formular eintragen, das nach Prüfung von der MAZ veröffentlicht wird. Die Brandenburger können so gezielt die Händler in ihrer Nachbarschaft unterstützen.

Alle weiteren Informationen unter www.maz-online.de/zusammenstark.

Von Christian Bark