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Wittstock/Dosse Wanderfalken im Stadtwald beringt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Wanderfalken im Stadtwald beringt
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00:36 27.05.2018
Paul Sömmer steigt zum Nest auf. Quelle: Björn Wagener
Wittstock

Der Weg bis zur Kinderstube ist nicht weit, aber hoch: Doch das schreckt Paul Sömmer nicht ab. Mit seinen Steigeisen ist er in wenigen Minuten oben angekommen. In einer Baumkrone in 22 Metern Höhe befindet sich ein Korb – eine Nisthilfe für eine Vogelart, die so selten ist, dass der genaue Standort des Nestes im Wittstocker Stadtwald nicht verraten werden darf. Die Wanderfalken sollen in Ruhe ihren Nachwuchs aufziehen können.

Die Elterntiere warnen vor Gefahr

An diesem sonnigen Nachmittag aber lässt sich ein kurzer Besuch nicht vermeiden, was den Elterntieren hörbar missfällt. Doch Gefahr droht den Kleinen nicht. Paul Sömmer von der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg nimmt die beiden flauschig-weißen Jungfalken aus dem Nest und setzt sie in einen Stoffbeutel.

Die beiden Jungvögel sind etwa 20 Tage alt.  Quelle: Björn Wagener

Schon im nächsten Moment werden sie abgeseilt. Unten nimmt Karsten Matschei sie in Empfang. Er ist Vorstandsvorsitzender des Vereins Aquila (lateinisch für Adler). „Jetzt beginnt mein Job“, sagt er und bringt die Falkenküken zu einer kleinen Lichtung, wo er sie sich nacheinander genauer anschaut und ihren Zustand dokumentiert.

Er misst Flügellänge und Gewicht. Außerdem vermerkt Karsten Matschei das Geschlecht und die Beinfarbe, die von blaugelb bis grüngelb variieren kann. „Die sind super“, sagt er über die beiden etwa 20 Tage alten Jungen. Sie seien gut entwickelt.

Ein grüner und ein weißer Ring

Dann bekommen sie noch jeweils einen grünen und einen weißen Ring – an jedes Bein einen. Der grüne enthält den Hinweis auf die Vogelwarte Hiddensee und eine laufende Nummer; der weiße eine Dreier-Kombination aus großen Buchstaben oder Zahlen. Sie dienen lediglich der guten Erkennbarkeit, wenn es darum geht, den Vogel künftig aus der Ferne abzulesen.

Die ganze Prozedur ist in etwa einer halben Stunde erledigt. Dabei fällt auf dass sich die Mini-Falken ganz anders verhalten als zum Beispiel junge Störche. Während letztere am Boden regungslos verharren, sind die kleinen Falken mopsfidel unterwegs und gehen schon mal krächzend und mit geöffneten Schnäbeln nach vorn.

Wanderfalkenberingung im Wittstocker Stadtwald: Karsten Matschei (l.) vom Verein Aquila vermisst und wiegt die Vögel. Rechts: Naturparkführer Robert Franck.   Quelle: Björn Wagener

Der Naturparkführer Robert Franck mahnt zur Vorsicht, denn auch die Jungen haben schon große Fänge mit scharfen Krallen. Er begleitet an diesem Tag das Beringer-Duo – ebenso wie der Stadtförster Guido Bischoff. Als die Arbeit am Boden erledigt ist, geht es rasch wieder nach oben. Paul Sömmer nimmt die kleinen Falken am Nest in Empfang und setzt sie dorthin zurück. Dann beginnt sein Abstieg, der erstaunlich schnell geht. Mit im Gepäck hat er ein offenbar unbefruchtetes Ei, das bei den Jungen im Nest lag.

Alles ehrenamtlich

Paul Sömmer ist auch im Arbeitskreis Wanderfalkenschutz aktiv, der seit 1990 mit dem Landesumweltamt zusammenarbeitet. Die Beringungseinsätze unternimmt er – ebenso wie Karsten Matschei – ehrenamtlich, also in der Freizeit und im Urlaub. Wenn die beiden unterwegs sind, erledigen sie täglich vier bis fünf Brutreviere.

Allein im Kreis Ostprignitz-Ruppin gebe es 17 baumbrütende Wanderfalkenpaare. Wenn die Tiere die geflochtenen Körbe als vorgefertigte Brutplätze annehmen, habe das den Vorteil, dass man weiß, wo die Paare sich befinden. Ansonsten würden sie sich jedes Jahr einen neuen Brutplatz suchen. Denn Falken bauen keine Nester, sondern nutzen verlassene Behausungen von anderen Greifvögeln oder Kolkraben. Das Nest im Wittstocker Stadtwald gebe es seit fünf Jahren. Es sei seitdem aber nicht durchgängig bewohnt worden, so die Experten.

Im Sturzflug mehr als 300 km/h schnell

„Seit 1977 waren Wanderfalken in der DDR ganz ausgestorben“, sagt Paul Sömmer. Die heute hier wieder vorhandenen Vögel seien Nachkommen von ausgewilderten Exemplaren. Wanderfalken sind äußerst geschickte Flieger und erreichen im Sturzflug Geschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometern pro Stunde.

Außer in Wittstock beringten Paul Sömmer und Karsten Matschei an diesem Tag auch noch Wanderfalken-Junge bei Rheinsberg. Sie sind etwa zehn Tage älter als die Wittstocker. In Kürze sollen zwei Junge eines Seeadler-Pärchens im Stadtwald Ringe bekommen.

Von Björn Wagener

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