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Wittstock/Dosse Rosen messerscharf vermehren
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Rosen messerscharf vermehren
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17:43 10.07.2019
Eberhard Banse (l.) und Kurt Friedl von den Wittstocker Rosenfreunden geben auf der Laga wertvolle Tipps zum Veredeln von Rosen. Quelle: : Cornelia Felsch
Neuruppin

Der Tisch im Garten-Info-Treff ist gedeckt – der Referent Eberhard Banse hat sich für seinen Veredelungs-Vortrag reichlich mit verblühten Rosensorten eingedeckt. Es sind frische Zweige von verschiedenen Edelrosen, an denen noch die verwelkten Blüten sichtbar sind.

Rund zwanzig Besucher sind gekommen und warten gespannt darauf, dass der Rosenfreund ihnen einige Geheimnisse zum Thema Rosen verrät. In der Wittstocker Fachgruppe ist er der Spezialist, wenn es darum geht, den richtigen Schnitt am Rosenstängel zu vollziehen.

Rosen im Schrebergarten züchten

Hans-Werner Willmann ist aus Rathenow gekommen um die Landesgartenschau zu besuchen. 1986 hat er von seinem Großvater einen Schrebergarten übernommen. Zuvor hat er ihm bereits beim Veredeln von Obstbäumen über die Schulter geschaut. „Nun will ich das mit den Rosen auch mal probieren“, sagt er.

In einen Blumenkasten hat Eberhard Banse mehrere Wildrosen mitgebracht, die ihm als Unterlage für seine Neuzüchtungen dienen. Sie besitzen kräftige Wurzeln und sind so weniger anfällig gegen Krankheiten und Schädlinge. „Die Wildrosen gibt es für diesen Zweck beim Gärtner zu kaufen“, sagt er.

Wer viel Geduld und Zeit hat, kann sich allerdings Wildrosen-Pflänzchen aus Hagebutten selbst heranziehen. Bis diese allerdings so stabil sind, das man sie als Unterlage verwenden kann, vergehen etwa drei Jahre.

Perfekter Schnitt mit dem Okuliermesser

Vor dem Veredeln wird der Wurzelhals der Wildrose gesäubert, damit kein Schmutz in die Wunde gelangt. Damit das Vermehren der Rosen auch perfekt funktioniert, ist das richtige Werkzeug unerlässlich – das Okuliermesser. Eberhard Banse verfügt über verschiedene Ausführungen.

Am Wurzelhals der Wildrose – etwa drei Zentimeter über dem Boden – setzt er nun das Messer an und vollzieht einen etwa vier Zentimeter langen, senkrechten Schnitt und einen Querschnitt, so dass ein T entsteht. Dabei verletzt er nur die äußere Rinde. In die Enden, die nun auseinandergeklappt werden können, schiebt er vorsichtig das von der Edelrose entfernte Auge hinein.

Eberhard Banse setzt den perfekten Schnitt mit seinem kostbaren Okuliermesser. Quelle: Cornelia Felsch

Damit sich gerade in der Anfangszeit kein Schmutz in dieser Wunde sammelt und der Edeltrieb nicht rausrutschen kann, umwickelt er die Veredelungsstelle mit einem Folienband. „Nun sollten sie ihre Rose hegen und pflegen und zum Schutz anhäufeln. Nach etwa sechs Wochen können sie einen Kontrollblick darauf werfen.

Vom Glück der ersten Blüte

Wenn die Veredelung vollzogen ist, dauert es bis zum nächsten Frühjahr bis sich die ersten Triebe zeigen. „Die Triebe der Wildrose müssen dann oberhalb der Veredelungsstelle abgeschnitten werden“, sagt Eberhard Banse. „Es ist ein toller Moment, wenn sich die erste kleine Blüte am jungen Trieb zeigt.“ Bilden sich Wildtriebe, dann empfiehlt Eberhard Banse diese nicht abzuschneiden, sondern sie herauszureißen.

Veredelt werden kann von Juli bis September. Die Namen der Rosen, die der Veredelungsspezialist mitgebracht hat, klingen sehr geheimnisvoll. Die Gloire de Dijon ist eine kletternde Teerose, Chaplin’s Pink Climber eine rosa blühende Kletterrose und Ghislaine de Féligonde wird als Strauch- und Kletterrose verwendet.

Da die Blüten während ihrer Lebensdauer verschiedene Farbtöne tragen, ist ihr Flor dauerhaft mehrfarbig. Aus apricotfarbenen Knospen entstehen halb gefüllte Blüten, die später verblassen und eine Chremefarbe annehmen. „Man sollte die Rosen nach der Blüte zurückschneiden, damit sie einen Folgeflor ausbilden kann“, erklärt der Rosenfreund, der sich bereits seit 40 Jahren mit der Veredelung beschäftigt. Zu DDR-Zeiten engagierte er sich in einer Fachgruppe des Kulturbundes.

Profi-Veredelung im rasanten Tempo

Das Veredeln der Rosen ist allerdings nur eine Methode Rosen, zu vermehren, die vorwiegend Gärtnereien anwenden. „Das geht dort natürlich viel schneller als bei mir“, gesteht Eberhard Banse. „Die Profis schaffen etwa 3000 Stück am Tag. Diese Vermehrungsmethode gelingt bei allen Rosen, vorausgesetzt, man nimmt sich etwas Zeit oder verfügt bereits über ausreichende Erfahrung.

Für Laien einfacher ist das Vermehren durch Stecklinge von Juni bis August, wenn die einjährigen Triebe schon verholzt sind. Von einem solchen Trieb kann man bleistiftlange Stecklinge schneiden. Die Blätter werden entfernt und nur die obersten bleiben am Steckling, der anschließend in die Erde gesteckt und mit einem Glas abgedeckt werden sollte. Alle Rosen, die Hagebutten bilden, – also Samen – können im Spätherbst ausgesät werden.

Rosenfreunde in Wittstock

1885 war es Friedrich Schneider II, der in Wittstock die Ackerbauschule gründete und einen Rosengarten anlegte. Er trug wesentlich dazu bei, dass 1883 in Hamburg der Verein Deutscher Rosenfreunde gegründet wurde (jetzt Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde), der auch der Wittstocker Freundeskreis angehört.

Die Wittstocker Rosenfreunde bilden die einzige Fachgruppe im Land Brandenburg. Sie hat derzeit 20 aktive Mitglieder. Die Fachgruppe kümmert sich um die Region von Meyenburg bis nach Lentzke.

Seit vielen Jahren setzen sich die Rosenfreunde für ein Wittstock mit blühenden Rosen ein. Im Jahr 2015 wurde eine eigens für Wittstock gezüchtete Rose auf den Namen Wizorka getauft. Sie wurde bereits 2000 mal in Wittstock gepflanzt.

Zur Landesgartenschau initiierten die Rosenfreunde die Namensgebung einer neuen Rosensorte mit dem Namen Theodor Fontane.

Auf der Landesgartenschau sind sie mit Fach-Vorträgen vor Ort. Heute gibt es im Garten-Info-Treff einen Vortrag zur Verwendung von Terra Preta sowie zum Bau von Schlüsselloch­gärten – um 11, 13 und 14.30 Uhr.

Von Cornelia Felsch

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