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Wittstock/Dosse Olaf Hellwig schreibt über seine Erblindung
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Olaf Hellwig schreibt über seine Erblindung
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15:20 31.07.2019
In Wittstock findet sich Olaf Hellwig weitgehend gut zurecht. Quelle: Christian Bark
Wittstock

Über drei Jahre ist es jetzt her, dass Olaf Hellwig nicht mehr richtig sehen kann. Um nach einer Glaukomerkrankung den Augendruck zu entlasten, hatte man ihm einen Abflusskanal in die Augen gesetzt. „Darüber war dann aber ein Virus in die Augen gelangt und hatte den Sehnerv zerfressen“, blickt der 55-Jährige zurück.

Letzte Hoffnungen, dass sein Augenlicht zumindest teilweise hätte gerettet werden können, zerschlugen sich nach wenigen Wochen. Seitdem kann er nur noch Umrisse und Kontraste erkennen. „Es ist so, als wenn man in einer Waschküche ist und nur Nebel sieht“, beschreibt der Wittstocker seinen Zustand. Zumindest seine Augen hatten die Ärzte durch Spritzen und Operationen retten können. „Womöglich wäre der Virus wohl noch weiter gewandert“, sagt Olaf Hellwig.

Die Binde weist auf seine Sehbehinderung hin. Quelle: Christian Bark

Sorgen habe er sich in dem Moment gar nicht mal so sehr um sich selbst, sondern vielmehr um seine Familie, allen voran seine Frau gemacht. „Sie hat ihr gesamtes Leben für mich umstellen müssen“, berichtet Olaf Hellwig. Doch er sei glücklich, sie an seiner Seite zu wissen. Denn sie helfe ihn in vielen Lebenslagen, besonders am Anfang sei das wichtig gewesen.

„Ich musste doch sämtliche Ämter besuchen“, erinnert sich der 55-Jährige. Große Hilfe habe er vom Blinden-und-Sehbehinderten-Verband Brandenburg (BSVB) erhalten. „Die haben mir dann auch gesagt: Arbeiten geht nicht mehr“, so Olaf Hellwig. Zumindest nicht in seinem vorherigen Beruf als Hausmeister. Eine Ausbildung zum Physiotherapeut oder Bürokaufmann habe er mit über 50 nicht mehr anfangen wollen. „Ich hatte mir dann überlegt, wozu bist Du eigentlich noch zu gebrauchen“, blickt der 55-Jährige zurück.

Vom Hausmeister zum Schreiberling

Und so war ihm die Idee gekommen, über sein Schicksal zu schreiben. „Ich will Anderen Mut machen, die vielleicht in einer ähnlichen Situation sind“, sagt er. Vor allem aber wolle er aufklären, zeigen, dass man auch als Blinder noch das Leben genießen kann. „Manchmal hatten mich Leute einfach ignoriert. Dabei bin ich nur blind, aber nicht doof“, berichtet Olaf Hellwig.

Bei einem speziellen Schreibkurs für Sehbehinderte hatte der Wittstocker gelernt, blind mit der Tastatur umzugehen. Aber auch Stilistik sei ein Lehrinhalt gewesen. „Die Kursleiterin hatte zunächst ihre Zweifel, ob aus einem blinden Hausmeister ein Schreiberling werden kann“, sagt Olaf Hellwig. Doch er habe sie davon überzeugen können.

Technik macht's möglich: mit seiner OrCam kann Olaf Hellwig sogar Zeitung lesen. Quelle: Christian Bark

Seitdem bereitet er alles für sein Buch vor. Eine Gliederung zu Themen und Stationen wie „Krankenhaus“, „Familie“ und „Arbeitgeber“ hat er schon erstellt. Nun sammelt er Gedanken und Textpassagen. Dafür hat Olaf Hellwig jede Menge Hilfsmittel. Zum Beispiel die Spracherkennung auf seinem Smartphone oder einen kleinen Sprachcomputer. neueste technische Errungenschaft ist eine OrCam. Die kleine Kamera kann sich Olaf Hellwig an seine Spezialbrille, die ihm Kontraste besonders deutlich zeigt, anbringen. „Damit kann ich dann sogar Zeitung lesen“, sagt der 55-Jährige. Vielmehr, die Kamera erkennt den Text und liest ihn laut vor.

Mit der Kugel am Stockende fährt Olaf Hellwig über das Pflaster. Quelle: Christian Bark

Wichtige Passagen in seinem Buch wird auch das Erlernen einer neuen Mobilität füllen. Ein Mobilitätstrainer hatte dem Wittstocker nach seiner Erblindung Hilfestellungen und Tipps gegeben. „Das fing an mit Horchen, ob ein Auto von links oder von rechts kommt“, blickt Olaf Hellwig zurück. Auch die Fortbewegung mit dem Blindenstock oder die Arbeit an Haus und Grund werden eine Rolle spielen. „Vieles kenne ich eben noch aus der Erinnerung“, sagt er.

Einen Zeitplan will sich Olaf Hellwig gar nicht erst setzen. „Den halte ich sowieso nicht ein“, sagt er. Aber im Herbst wolle er sich wieder intensiv dem Schreiben widmen. Kontakt zu einem Verlag in Hamburg habe er schon aufgenommen. Und weil der 55-Jährige sein Leben nach wie vor genießt, wird das Buch nicht nur tragische, sondern auch schöne und humorvolle Seiten zeigen. „Denn den Humor habe ich ich nach wie vor nicht verloren“, sagt Olaf Hellwig.

Von Christian Bark

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