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Wittstock/Dosse Wittstocks gammeligstes Gebäude – so ruiniert ist die alte Tuchfabrik
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Wittstocks gammeligstes Gebäude – so ruiniert ist die alte Tuchfabrik
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01:16 12.05.2019
Die alte Tuchfabrik vom Laga-Parkplatz aus gesehen. Quelle: Kathrin Gottwald
Wittstock

Etwas über 100 Jahre ist sie alt, die alte Tuchfabrik in Wittstock. Doch sie sieht schlimmer aus als manche Ruine aus der Antike. Aus Anlass des „Wirtschaftsfrühlings“ der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg (REG) bekamen die Gäste aus Politik und Wirtschaft am Donnerstag die Gelegenheit, einen Blick ins Innere der Industrieruine zu werfen, die schon von außen einen gruselig heruntergekommenen Eindruck macht.

Denn REG-Geschäftsführer Christian Fahner hatte bewusst die alte Tuchfabrik als den Ort für das jährliche Treffen der Größen aus Wirtschaft und Politik des Landkreises Ostprignitz-Ruppin gewählt. Zum einen, um einen Kontrapunkt zu setzen zu den üblichen glamourösen Austragungsorten für Wirtschaftsfeste, zum anderen, um zu zeigen, wie wichtig das Handwerk ist. Und Handwerker werden in diesen Gebäuden mehr als genug zu tun bekommen.

Löcher in den Fußböden, Löcher in den Wänden

Wer an der Führung teilnahm, sah schlimmeren Verfall, als er sich in seinen kühnsten Träumen hätte ausmalen können. An der alten Tuchfabrik ist so ziemlich alles kaputt, was kaputt gehen kann.

An diesen Gebäude ist wirklich alles kaputt, was kaputt sein kann. Die alte Tuchfabrik in Wittstock bietet einen jammervollen Anblick. So schlimm sieht es innen in den Gebäuden aus, die einmal Wittstocks moderner Bildungscampus sein sollen.

Die Fensterscheiben eingeworfen, die Fußböden voller Löcher und Dellen, an den Wänden blättert die Farbe so stark, dass die Farbsplitter zehn Zentimeter tief in den Raum ragen.

Überall Rost, lose Kabel, löchrig geschlagene Wände, beschmierte Wände, es gibt sogar die verkohlten Reste eines Lagerfeuers auf dem Holzfußboden.

Die Tuchfabrik war einst der imposantesten Gebäude der Stadt

Dabei war die Tuchfabrik einst der ganze Stolz seiner Besitzer, der Familien Wegener und Quandt. Das Industriegebäude mit der Direktorenvilla entstand 1905, der sechsgeschossige Fabrikneubau 1917, beides bedeutende Tuchmacherfamilien in Pritzwalk und Wittstock.

In dem Sechsgeschosser wurden zu DDR-Zeiten Küchen hergestellt. Doch mit der Wende endete die Zeit der Textilherstellung und der Möbelfabrikation in Wittstock

Seit 1997 steht die Fabrik leer

Seit 1997 stehen die Fabrik leer und verfällt zusehens. Daran, dass es heute das gammeligste Gebäude von ganz Wittstock ist, hat aber weniger der sprichwörtliche Zahn der Zeit Schuld. Das ist eher das Ergebnis von systematischem Vandalismus. Heute präsentiert sich das einst so stolze Industrieensemble in einem so schlechtem Zustand, dass es kaum noch zu retten zu sein scheint.

Doch es gibt Hoffnung – und zwar ganz konkrete. 2016 hat die Stadt Wittstock das heruntergekommene Areal gekauft.

Bis 2025 soll dort ein Bildungscampus stehen

Bis 2025 soll aus dem gammeligsten Gebäude Wittstocks ein moderner Bildungscampus geworden sein. Zunächst der Sechsgeschosser, das Kesselhaus und die Scheddachhalle sollen für Kinder und Jugendliche zum Bildungscampus werden.

Gut, dass hier mal ein Bildungscampus entsteht. Quelle: Kathrin Gottwald

Geplant ist ein Schulzentrum für Grund- und Oberschule, Musik- und Volkshochschule. 25 Millionen Euro sollte der Umbau nach einer ersten Schätzung kosten. Doch schon jetzt ist klar, dass das nicht reichen wird. Nach MAZ-Informationen werden sich die Sanierungskosten auf eher 35 Millionen Euro belaufen.

Immerhin, so tröstete Christian Fahner am Donnerstag die Gäste, die soeben die völlig verfallenen Fabrikhallen begutachtet hatten, ist ja der Garten zum Grundstück bereits bestellt. Denn die alte Tuchfabrik befindet sich direkt neben dem Landesgartenschau-Gelände, das zurzeit das Schmuckstück von Wittstock ist.

Von Kathrin Gottwald

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