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Wittstock/Dosse Wolkenhaus fängt den Himmel ein
Lokales Ostprignitz-Ruppin Wittstock/Dosse Wolkenhaus fängt den Himmel ein
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00:31 25.05.2018
Der Dachdecker Ralf Büttner schuf mit dem Wolkenhaus ein dauerhaftes Kunstwerk in Wittstock.
Der Dachdecker Ralf Büttner schuf mit dem Wolkenhaus ein dauerhaftes Kunstwerk in Wittstock. Quelle: Christamaria Ruch
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Wittstock

Der Himmel über Wittstock wird seit vergangener Woche im Kunsthaus Dosse Park eingefangen. An der Fassade der bisherigen Villa Kunterbunt schillern und spiegeln sich das Firmament und seine Wolkenformationen. Optische Täuschung? Fehlanzeige. Eine Edelstahlfassade und zwei Chromspiegel holen den Himmel auf Erden. Nun ließ das Wolkenhaus seine Gerüsthüllen fallen und fasziniert den Betrachter. Das Gebäude ist ein neues Wahrzeichen in der Dossestadt.

Blau und Weiß sind die Farben des Himmels – sie werden am Wolkenhaus in Wittstock eingefangen. Quelle: Christamaria Ruch

Das Objekt gehört zur Kunstreihe Sonnenhaus, Wolkenhaus und Rasenhaus im Kunsthaus Dosse Park. Diese Kunstwerke sollen den Bezug des Grundstücks zum Rest der Welt reflektieren.

Schindeln aus Edelstahl

Der Dachdecker Ralf Büttner aus Glienicke (Gemeinde Heiligengrabe) hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Mit dem Wolkenhaus schuf er ein Unikat, das seinesgleichen sucht. Die 55 Quadratmeter große Fläche am Gebäude ist von mehr als 2300 Edelstahlplatten bedeckt. 70 Edelstahlplatten sind nebeneinander in Reih und Glied arrangiert, und über 33 Reihen wachsen diese Schindeln in die Höhe.

Die Platten überlappen sich schuppenförmig, berühren sich aber kaum. Quelle: Christamaria Ruch

Eine Rolle aus Edelstahlplatten wurde mit Laserschnitt in das gewünschte Maß gebracht. Zwei ehemalige Fenster am Haus mauerte er zunächst zu und verblendete sie mit Chromspiegeln. „Es muss wunderschön aussehen und ordentlich werden – es ist wirklich so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe“, sagt Ralf Büttner.

Urheberrecht beim Künstler

Damit setzte er die Idee des Künstlers Werner Klotz um. Dieser erhielt im Sommer 2016 vom Beirat des Kunsthauses den Auftrag, auf der Fassade Himmel und Wolken einzufangen. Seine Umsetzung scheiterte am Handwerk; das Urheberrecht der Idee liegt nach wie vor bei Werner Klotz. „Das ist ein interessanter Widerspruch, hier spielen Kunst und Handwerk zusammen. Die Kunstidee muss fachlich richtig ausgeführt werden, dann entsteht ein Kunstwerk von Dauer“, sagt Ralf Büttner.

Patent angestrebt

„Mein Steckenpferd sind belüftete Fassaden, hier ist sie hinterlüftet“, so Büttner. „2,5 Tonnen wiegt die neue Fassade inklusive der Schalung. Der Untergrund bietet viele Jahre volle Sicherheit“, sagt der 54-Jährige. Wie der genaue Aufbau der Unterkonstruktion aussieht, verrät er nicht. Denn: „Ich strebe für die technische Ausführung ein Patent an.“

In einer sogenannten Rechteckdeckung befestigte Ralf Büttner die Platten. Oben auf dem Gerüst fällt die schnurgerade Anordnung deutlich ins Auge. Die Platten in Schindeloptik überlappen sich wie Schuppen, stehen leicht ab und berühren sich kaum. Der Neigungswinkel an der Fassade sorgt dafür, dass sich dort ein Stück vom Himmel und von den Wolken spiegeln. „Bei der Arbeit habe ich mich an die Schieferdeckung angelehnt“, so Ralf Büttner.

Handschuhe gegen Fingerabdrücke

Um keine Spuren an der Fassade zu hinterlassen, streifte der Dachdecker während der dreiwöchigen Bauzeit immer Handschuhe über.

Seine handwerklichen Spuren sind unübersehbar. Büttners Leitspruch: Ob steil oder flach, Dachdecker vom Fach. „Das ist hochglanzpolierter Stahl, und Fingerabdrücke würden nur sehr schwer davon zu entfernen sein“, sagt Ralf Büttner. Zunächst entfernt er eine Schutzfolie, dann kann die Platte an der Fassade angebracht werden. Jede Platte ist mit mindestens zwei rostfreien Stahlnägeln am Unterbau fixiert.

7000 Nägel eingeschossen

„7000 Nägel habe ich über einen Zeitraum von zwei Wochen mit einem Schießer verarbeitet.“ Der eigens für diese Fassadenarbeit angeschaffte Schießer liegt mit seinem Gewicht von 3,5 Kilogramm schwer in seiner Hand. Und egal von welcher Seite die Fassade in Augenschein genommen wird, sie punktet mit perfekten Randabschlüssen.

Am besten gegen 20 Uhr

„Der Spiegeleffekt entsteht derzeit am besten gegen 20 Uhr. Dann scheint die Sonne hier auf der Fassade nach“, sagt Ralf Büttner. Autofahrer, die an der Umgehungsstraße vom Kreisel an der Rosa-Luxemburg-Straße in Wittstock in Richtung Rheinsberger Straße unterwegs sind und Bahnreisende, die direkt am Kunsthaus vorbeifahren, sehen zu jeder Tageszeit für einen Moment den Himmel auf Erden.

Die Wittstocker Marienkirche und der Amtsturm spiegeln sich in der Fassade. Wittstock Wolkenhaus Mai 2018 Quelle: Christamaria Ruch

Info Das Kunsthaus Dosse Park befindet sich in der Rosa-Luxemburg-Straße 38 bis 40 in Wittstock.

Von Christamaria Ruch